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04.08.2014

11:47 Uhr

Israelischer Außenminister

Lieberman bringt UN-Verwaltung von Gaza ins Gespräch

Eine Kontrolle von Gaza durch die UN ist für Außenminister Lieberman möglich, deshalb erwägt er die Übergabe der Verwaltung im Gazastreifen an die Vereinten Nationen. Für ein Ende der Offensive sei dies eine gute Option.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman (M.) will eine internationale Kontrolle von Gaza. AFP

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman (M.) will eine internationale Kontrolle von Gaza.

Tel AvivDer israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat sich für eine mögliche Übergabe der Verwaltung im Gazastreifen an die Vereinten Nationen ausgesprochen. „Jeder fragt, was soll passieren, wenn die Offensive endet?“, sagte Lieberman nach Angaben der Zeitung „Haaretz“ vom Montag. „Es gibt einige Optionen. Eine internationale Kontrolle von Gaza, durch die UN, sollte sicherlich in Erwägung gezogen werden.“ Lieberman erwähnte in diesem Zusammenhang das historische britische Mandat über Palästina und die früheren UN-Verwaltungen in Ost-Timor und im Kosovo.

„Wir haben gesehen, dass es dort recht gut läuft“, sagte Lieberman. Für eine solche Regelung sei nur die Zustimmung Israels und der gemäßigten Palästinenserbehörde von Präsident Mahmud Abbas notwendig.

Zahlen und Fakten zum Gaza-Streifen

Größe und Bevölkerungsdichte

1,8 Millionen Menschen auf 360 Quadratkilometern

Junge Bevölkerung

43,2 Prozent der Bewohner in Gaza sind jünger als 15 Jahre (in Deutschland 14 Prozent, Quelle: statistisches Bundesamt). Nur 2,6 Prozent sind älter als 65 (in Deutschland 21 Prozent).

Arbeitslosigkeit

Laut IWF liegt die Arbeitslosigkeit im Gaza-Streifen bei 40 Prozent. Zum Vergleich: In Israel sind es 6,2 Prozent.

Legaler Übergang?

Es gibt nur einen legalen Übergang für Waren: den Grenzposten Kerem Shalom im Süden des Gaza-Streifens nach Israel.

 

Nahrungsmittelhilfe

Laut BBC erhalten 80 Prozent der Bevölkerung irgendeine Form von Nahrungsmittelhilfe, zum Beispiel durch die Uno.

Leitungswasser

Nur 5,5 Prozent des Leitungswassers genügen den Trinkwasserstandards der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Elektrizität

Es gibt nur ein Kraftwerk im Gaza-Streifen, es produziert Strom für circa ein Drittel der Bevölkerung. Mangels Kraftstoff fällt es jedoch regelmäßig aus. Bereits vor Kriegsbeginn hatten die Bewohner Gazas so nur circa acht Stunden Strom pro Tag. Seit den Angriffen auf das Kraftwerk am 29. Juli sind es, wenn überhaupt, noch zwei Stunden Strom pro Tag.

Abwasser

Durch die mangelnde Stromversorgung kann das Abwasser nicht ausreichend behandelt werden. Laut BBC werden daher pro Tag etwa 90 Millionen unbehandeltes Wasser ins Mittelmeer gepumpt.

Zuvor hatte Lieberman sich für eine Wiedereroberung des 2005 geräumten Palästinensergebiets am Mittelmeer durch die israelische Armee ausgesprochen. 2010 hatte Lieberman sich bereits für eine Art Abspaltung des Gazastreifens stark gemacht. Er sprach sich damals dafür aus, die Verantwortung an die Hamas, Ägypten und die Vereinten Nationen abzutreten. Diese Pläne stießen bei den Palästinensern, aber auch im Ausland und in Israel auf Kritik.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Thomas Melber

04.08.2014, 12:40 Uhr

Das heißt, alle zukünftigen Zwischenfälle werden den VN angelastet? Wer stellt die Entwaffnung der Hamas u.a. sicher?

Herr Thomas Behrends

04.08.2014, 14:07 Uhr

Herr "liebe" Herr Lieberman macht es sich schön einfach; erst bombadiert Israel den Gaza-Streifen und bringt bei der Gelegenheit unzählige Menschen um.

Dann soll die Weltgemeinschaft (UN) an der Verwaltung des Gaza-Streifens beteiligen (und alle in der Welt dies Kosten dafür tragen).

Wenn sich die Völker der arabischen Welt eines schönen Tages einig sind, werden Israel und seine zumeist jüdischen Bewohner im Mittelmeer landen. Dann wird auch die USA nicht mehr helfen können.

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