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04.01.2014

04:05 Uhr

Israelischer Ex-Botschafter

Attentäter von Buenos Aires wurden getötet

Beim Anschlag auf das Kulturzentrum Amia 1994 in Argentinien starben 85 Menschen. Laut einem israelischen Ex-Botschafter waren die Verantwortlichen Iraner - die Mehrzahl der Täter sei getötet worden.

nemGedenken an die Opfer von Amia (Archivbild): Laut dem israelischen Ex-Botschafter Aviran soll die Mehrzahl der Verantwortlichen getötet worden sein. dpa

nemGedenken an die Opfer von Amia (Archivbild): Laut dem israelischen Ex-Botschafter Aviran soll die Mehrzahl der Verantwortlichen getötet worden sein.

Buenos AiresMehrere Verantwortliche des Anschlags auf ein jüdisches Gemeindehaus in Argentinien im Jahr 1994 sind nach Angaben eines israelischen Diplomaten getötet worden. „Wir wissen, wer die Schuldigen sind, die große Mehrzahl ist bereits im Jenseits, und das haben wir getan“, sagte der ehemalige Botschafter Israels in Argentinien, Itzhak Aviran, der jüdischen Nachrichtenagentur AJN, wie auch die Zeitung „Clarín“ vom Freitag berichtete.

Bei dem Bombenattentat auf das Kulturzentrum Amia in der Hauptstadt Buenos Aires am 18. Juli 1994 waren 85 Menschen ums Leben gekommen. Namen der angeblich getöteten Drahtzieher nannte Aviran nicht. Er stand der israelischen Vertretung von 1993 bis 2000 vor.

Wegen des Anschlags stand unter anderem der frühere Militärchef der pro-iranischen Miliz Hisbollah im Libanon, Imad Mughnija, auf einer internationalen Fahndungsliste. Im Jahr 2008 wurde er bei einem Bombenanschlag in der syrischen Hauptstadt Damaskus getötet. Israel hat eine Beteiligung bislang bestritten.

Der für den Anschlag zuständige argentinische Staatsanwalt Alberto Nisman erklärte am Freitag, er werde über die israelische Justiz eine Zeugenaussage Avirans ersuchen. „Wir wollen, dass er uns erklärt, wie er zur Kenntnis dieser Tatsachen kommt und wer diese Menschen sind, die angeblich ins Jenseits geschickt worden sind“, erklärte Nisman dem Nachrichtenportal Infobae.

Hürden auf dem Weg zum Nahost-Frieden

Siedler

Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem gibt es im Westjordanland 125 von Israel genehmigte Siedlungen. Hinzu kommen etwa 100 „wilde“ Siedlungen, die nach israelischem Recht zwar illegal sind, aber dennoch vom Staat unterstützt werden. Mit dem Siedlungsbau hat sich Israel immer wieder über das Völkerrecht hinweggesetzt.

Grenzen

Die Palästinenser wollen ihren Staat in den 1967 von Israel besetzten Gebieten Westjordanland, Gazastreifen und Ost-Jerusalem einrichten. Aus dem Gazastreifen hat sich Israel bereits 2005 zurückgezogen. Israel will aber seine großen Siedlungsblöcke im Westjordanland ebenso behalten wie eine Militärpräsenz im Jordantal an der Grenze zu Jordanien. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat seine Bereitschaft zum Gebietsaustausch signalisiert.

Jerusalem

Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders heftig umstritten. Jerusalem gilt den Muslimen als drittheiligste Stätte. Israel beharrt darauf, Jerusalem sei seine „ewige und unteilbare“ Hauptstadt. Dagegen beanspruchen die Palästinenser den von Israel annektierten Ostteil Jerusalems als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Dort liegt aber die Klagemauer, der heiligste Ort für Juden.

Sicherheit

Bei Selbstmordanschlägen palästinensischer Terroristen sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Israelis getötet worden. Die radikalislamische Hamas schoss aus dem Gazastreifen Tausende Kleinraketen auf israelische Grenzstädte. Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei.

Flüchtlinge

Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNRWA in den Palästinensergebieten sowie in Israels Nachbarländern etwa 5,3 Millionen registrierte Palästinenser, unter ihnen 4,9 Millionen Flüchtlinge und deren Nachkommen. Sie sollen nach dem Willen Israels kein Recht auf Rückkehr nach Israel erhalten. Die Palästinenser beharren offiziell auf ihrem „Rückkehrrecht“ nach Israel, was die Juden dort zur Minderheit machen würde.

Wasser

Schon seit Jahrzehnten wird vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist.

Das israelische Außenministerium wies die Aussagen als „kompletten Unsinn“ zurück, machte darüber hinaus aber keine Angaben. Argentiniens Außenminister Héctor Timerman hat am Freitag den Geschäftsträger der israelischen Botschaft ins Ministerium zitiert, um Information über die Täter des Anschlags zu fordern.

Die Erklärungen Avirans seien ein Beweis dafür, dass der argentinischen Justiz Informationen zur Aufklärung des Falles verweigert worden seien. Timerman sprach sich auch gegen die Tötung von Verdächtigen aus. „Argentinien sucht, wie alle zivilisierten Länder, Gerechtigkeit im Rahmen der Gesetze, nicht Rache“, erklärte Timerman der Nachrichtenagentur Télam.

Die argentinische Justiz hat eine Reihe von ehemaligen Diplomaten und Funktionären Irans als mutmaßliche Mittäter identifiziert und über Interpol einen internationalen Haftbefehl erlassen. Iran hat jegliche Teilnahme bestritten.

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