Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.04.2012

15:40 Uhr

Israelkritisches Gedicht

Netanjahu wirft Grass Faktenverdrehung vor

Der israelische Regierungschef hat bei seiner Kritik gegen das umstrittene Grass-Gedicht nochmal nachgelegt. In einem Interview spricht Netanjahu vom „Zusammenbruch des moralischen Urteilsvermögens“.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bei einem Interview in Jerusalem ap

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bei einem Interview in Jerusalem

BerlinDer israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Schriftsteller Günter Grass wegen seines israelkritischen Gedichts erneut scharf kritisiert. Grass' Worte seien ein „absoluter Skandal“, sagte Netanjahu in einem vorab veröffentlichten Interview mit der „Welt am Sonntag“. „Dass dies von einem deutschen Nobelpreisträger kommt und nicht etwa von einem Teenager einer Neonazi-Partei, macht es noch empörender“, fügte Netanjahu hinzu. Grass offenbare in seinem Text einen „Zusammenbruch des moralischen Urteilsvermögens“.

Es gehe nicht um Kritik an Israel, sondern um eine „grundlegende Verdrehung der Fakten“. Dabei werde der Aggressor Iran zum Opfer und Israel zum Aggressor und zu einer Bedrohung des Weltfriedens. Diejenigen, die mit dem übereinstimmten, was Grass über Israel sage, sollten sich die Frage stellen, ob sie „nicht auch zur Zeit des Holocaust mit den Verleumdungen gegen Juden übereingestimmt“ hätten, sagte Netanjahu. Das sei „die Frage, die sich die Deutschen stellen müssen“.

In seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ hatte Grass Israel vorgeworfen, mit seiner Iran-Politik den Weltfrieden zu gefährden. Insbesondere kritisierte er, dass sich die Atommacht Israel das Recht auf einen Präventivschlag vorbehalte, um zu verhindern, dass der Iran selbst an Atomwaffen gelangt.

„Antisemitischer Mensch“: Israel sanktioniert Grass mit Einreiseverbot

„Antisemitischer Mensch“

exklusivIsrael erteilt Grass Einreiseverbot

Israel hat Günter Grass wegen seines Gedichts zur unerwünschten Person erklärt.

Das Gedicht des 84-Jährigen hatte in Deutschland und in Israel eine heftige Debatte ausgelöst. Netanjahu hatte Grass kurz nach der Veröffentlichung des Textes Anfang April einen „schändlichen“ Vergleich Israels mit dem Iran vorgeworfen.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×