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15.02.2016

14:14 Uhr

Israels Minister Mosche Jaalon

Vereintes Syrien ist „pures Wunschdenken“

Syrien versinkt im Chaos. Nach Einschätzung der israelischen Regierung ist ein baldiges Ende der Kämpfe nicht in Sicht. Eine Einigung auf eine Waffenruhe stuft sie als wenig realistisch ein.

Syrien ist ein zerstörtes Land. Es wird „noch auf sehr lange Zeit chronisch instabil bleiben“, sagt Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon. dpa

Zerstörtes Krankenhaus in Syrien

Syrien ist ein zerstörtes Land. Es wird „noch auf sehr lange Zeit chronisch instabil bleiben“, sagt Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon.

BerlinIm Bürgerkriegsland Syrien ist nach Einschätzung der israelischen Regierung kein baldiges Ende der Kämpfe in Sicht. „Syrien wird nach unserer Einschätzung noch auf sehr lange Zeit chronisch instabil bleiben“, sagte Verteidigungsminister Mosche Jaalon der „Welt“ (Montag).

Die Idee, man könne Syrien noch einmal als Staat vereinen, nannte er „pures Wunschdenken“.

Die aktuellen Versuche, eine Waffenruhe zu erzielen, stufte er als wenig realistisch ein. „Die Russen haben vor, mit ihren Luftschlägen fortzufahren. Was für ein Waffenstillstand ist das?“ Zudem säßen die Terrororganisationen Islamischer Staat, Al-Nusra-Front und andere sunnitische Gruppen nicht mit am Verhandlungstisch, sagte Jaalon. „Die werden aber nicht nächste Woche aufhören zu schießen.“

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

Zu Prognosen, dass der vom schiitischen Lager gestützte Staatschef Baschar Al-Assad mithilfe der Russen ganz Syrien zurückerobern könnte, sagte Jaalon: „Nach unseren Beobachtungen kann ich mir keine Situation vorstellen, wo die Sunniten - und das sind 75 Prozent der Bevölkerung in Syrien - die Idee aufgeben werden, Assad loszuwerden. Die kämpfen da ja nicht nur für dieses Ziel, sondern die kämpfen um ihr Leben.“

Die Hoffnungen auf Frieden in Syrien hatten am Wochenende einen Dämpfer erhalten. Die Umsetzung der am Freitag in München vereinbarten Waffenruhe und ein Beginn humanitärer Hilfen in belagerten Orten waren nicht in Sicht. Stattdessen verstärkte Russland, das Assad unterstützt, die Bombenangriffe auf Regimegegner.

Jaloon äußerte sich vor den sechsten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen in Berlin, zu denen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Dienstag mit zahlreichen Ministern anreist.

Von

dpa

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