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12.01.2015

14:44 Uhr

Israels Ministerpräsident in Paris

Netanjahu soll sich selbst eingeladen haben

Nur wenige Meter trennten Israels Ministerpräsident Netanjahu und Palästinenserpräsident Abbas beim Trauermarsch in Paris. Dabei war Netanjahu offenbar alles andere als erwünscht – er soll sich selbst eingeladen haben.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (ganz links) und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (ganz rechts) marschierten am Sonntag in der ersten Reihe zusammen mit Frankreichs Staatschef François Hollande. Offenbar hatte der eigentlich etwas dagegen. dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (ganz links) und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (ganz rechts) marschierten am Sonntag in der ersten Reihe zusammen mit Frankreichs Staatschef François Hollande. Offenbar hatte der eigentlich etwas dagegen.

Paris/JerusalemIsraels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll sich gegen den Willen der französischen Regierung selbst zum großen Trauermarsch für die Opfer der Anschläge von Paris eingeladen haben. Dies berichteten übereinstimmend mehrere israelische Medien am Montag. Darüber verärgert, dass Netanjahu auf sein Kommen zu der Demonstration am Sonntag bestand, habe das französische Präsidialamt auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eingeladen, meldeten der private Fernsehsender „Kanal 2“ und auch mehrere israelische Tageszeitungen.

Der derzeitige Wahlkampf in Israel sei der Grund für das forsche Verhalten Netanjahus, mutmaßten die israelischen Medien. Die Regierungen in Israel und Frankreich reagierten am Montag zunächst nicht auf Anfragen zu den Berichten.

Die offenen Fragen zu den Paris-Anschlägen

Gehen noch mehr Anschläge auf das Konto der Islamisten?

Amédy Coulibaly (der Supermarkt-Geiselnehmer) verübte womöglich noch zwei weitere Anschläge: Am vergangenen Mittwochabend wurde in Fontenay-aux-Roses südlich von Paris ein Jogger durch Schüsse verletzt. Die Ermittler bringen eine im von ihm überfallenen jüdischen Supermarkt gefundene Pistole der Marke Tokarew mit den Schüssen auf den Jogger in Verbindung.

Am Donnerstag detonierte zudem in Villejuif bei Paris eine Autobombe, ohne dass es Verletzte gab. In einem mutmaßlichen Bekennervideo Coulibalys ist unter anderem von einem „Sprengsatz“ an einem Auto die Rede, laut Ermittlern gibt es bei der Tat noch mehr Hinweise für eine Verbindung zu dem Islamisten.

Hatten die Attentäter Komplizen?

Premierminister Manuel Valls sprach am Montag von vermutlich mindestens einem Komplizen. Coulibaly habe "wahrscheinlich einen Komplizen" gehabt, sagte der Regierungschef. Darauf deutet auch das Bekennervideo des Islamisten hin: Dort ist von der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt die Rede, bei der Coulibaly am Freitagnachmittag von Elite-Einheiten erschossen wurde. Das Video wurde also von einem Dritten angefertigt. Möglich ist auch, dass ein Komplize mit der später bei Coulibaly gefundenen Tokarew-Pistole auf den Jogger in Fontenay-aux-Roses schoss.

Auch bei den Kouachi-Brüdern war immer wieder die Rede von einem möglichen dritten Beteiligten beim Anschlag auf „Charlie Hebdo“. Ein junger Mann, der zwischenzeitlich als Fahrer verdächtigt wurde, wurde aber entlastet.

Woher hatten die Attentäter Geld und Waffen?

Die Islamisten hatten ein wahres Arsenal an Waffen und Sprengstoff bei sich. Ein Experte schätzt den Schwarzmarkt-Preis der bei den Kouachi-Brüdern gefundenen Waffen auf 7000 Euro, bei Coulibaly auf 6000 Euro. Unklar ist, woher das Geld kam und wie die Attentäter sich die Waffen besorgten. Zumindest Coulibaly war als Wiederholungstäter bei Straftaten wie Diebstahl, Raub und Drogenhandel bekannt.

Bildeten die Attentäter eine Terrorzelle?

Die Ermittler gehen der Frage nach, ob die Islamisten eine durchorganisierte Terrorzelle bildeten - und ob sie womöglich sogenannte Schläfer waren, die von Al-Kaida aktiviert wurden. Chérif Kouachi gab an, von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) beauftragt worden zu sein. Coulibaly bezeichnete sich als Mitglied des IS. Weder Al-Kaida noch der Islamische Staat haben sich aber zu der Anschlagsserie von Paris bekannt. Die Ermittler untersuchen auch die Verbindungen, die die Kouachi-Brüder und Coulibaly mit anderen Islamisten in Frankreich hatten.

Wie oft reisten die Attentäter ins Ausland?

Chérif und Said Kouachi reisten 2011 beide in den Jemen, zumindest Said wurde dort offenbar von Al-Kaida im Umgang mit Waffen ausgebildet. Said soll auch 2009 und 2013 in dem Land gewesen sein, das als Hochburg von Islamisten bekannt ist. Bestätigt ist dies aber nicht. Bei Coulibaly sind dagegen keine Auslandsreisen in gefährliche Gebiete bekannt, wie Premier Valls sagte.

Der Auftritt von Abbas und Netanjahu nur drei Meter voneinander entfernt in der ersten Reihe des von Frankreichs Staatschef François Hollande angeführten Trauermarschs hatte Spekulationen über eine mögliche Annäherung im Nahostkonflikt ausgelöst. Die Tageszeitung „Haaretz“ berichtete dagegen, Hollandes diplomatischer Berater Jacques Audibert habe dem israelischen Sicherheitsberater Jossi Cohen mitgeteilt, der französische Präsident zöge es vor, dass Netanjahu nicht komme. Als Quelle nannte die Zeitung beteiligte Regierungskreise in Israel.

Kommentare (10)

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Frau Ich Kritisch

12.01.2015, 15:29 Uhr

Trauermarsch???

Warum hat dann Herr Netanjahu gelächelt und fleißig gewunken?
Oder zeigt man im jüdischen Glauben mit winken seine Trauer?

Herr Omarius M.

12.01.2015, 15:48 Uhr

Die frage die sich mir stellt

Wer schlachtet das geschehen denn nun eigentlich wirklich aus ...für Politische Zwecke...^^


Ernst Hillebrand von der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung schreibt zurecht: „Warum die Sorge vor Attentaten und der Wunsch nach der Bewahrung einer freiheitlichen und säkularen Gesellschaft eine ,Schande für Deutschland´ sein soll, bleibt das Geheimnis des Justizministers und des deutschen Feuilletons.“

Herr C. Falk

12.01.2015, 16:08 Uhr

"Netanjahu gedenkt den jüdischen Opfern"

Ich glaube es heißt immer noch "Netanjahu gedenkt der jüdischen Opfer", werte Redaktion oder ist die Mutation der deutschen Grammatik schon wieder ein Stück weiter
"fortgeschritten"? lol

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