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01.06.2013

17:48 Uhr

Istanbul

Tausende protestieren gegen Erdogan

Auch an diesem Samstag hat es in Istanbul wieder Demonstrationen mit heftigen Auseinandersetzungen zwischen tausenden protestierenden Bürgern und der Polizei gegeben. Die internationale Besorgnis wächst.

Tausende Menschen haben an den Demonstrationen auf dem Taksim-Platz teilgenommen. AFP

Tausende Menschen haben an den Demonstrationen auf dem Taksim-Platz teilgenommen.

Istanbul/AnkaraIn der Türkei richten sich Bürgerproteste immer stärker gegen den als autoritär empfundenen Führungsstil von Ministerpräsident Tayyip Erdogan. In der Millionenmetropole Istanbul und der Hauptstadt Ankara kam es am Samstag den zweiten Tag in Folge zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Steine werfende junge Männer und Frauen vor. Der islamistisch orientierte Ministerpräsident forderte ein sofortiges Ende der Proteste und räumte Fehler der Polizei ein. Er bekräftigte die Pläne zum Umbau des Taksim-Platzes in Istanbul, die Auslöser der seit Jahren heftigsten Auseinandersetzungen waren. SPD und Grüne warfen der Polizei unangemessene Härte vor.

Die Sicherheitskräfte waren am Samstag im Stadtzentrum darum bemüht, ein Vordringen der zumeist jungen und vermummten Demonstranten zum Taksim-Platz zu verhindern. Die Protestierer riefen "Gemeinsam gegen den Faschismus" und forderten den Rücktritt der Regierung. Auch zum Schutz gegen das Tränengas hatten sie sich Taschentücher und chirurgische Masken umgebunden. Kellner aus umliegenden Luxushotels brachten ihnen Zitronen, mit denen sich die Demonstranten das Tränengas aus den Augen wischten. Hausbewohner signalisierten Unterstützung, indem sei lautstark auf Töpfe und Pfannen schlugen.

Istanbul: Taksim-Platz - Touristenmagnet und Demo-Schauplatz

Istanbul

Taksim-Platz - Touristenmagnet und Demo-Schauplatz

Touristen kennen ihn, und für viele Menschen aus Istanbul ist er der zentrale Treffpunkt: Der Taksim-Platz war in der Vergangenheit aber auch immer wieder Schauplatz von Demonstrationen und Anschlägen.

"Hier kommen Menschen aus allen Schichten zusammen", sagte ein friedlich protestierender Architekt. "Sie demonstrieren gegen die Regierung und die Art Erdogans, wie ein König zu entscheiden." Die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) warf Erdogan diktatorisches Verhalten vor. "Zehntausende sagen Nein und opponieren gegen den Diktator", sagte Parteichef Kemal Kilicdaroglu.

Erdogan kündigte an, den Tränengaseinsatz untersuchen zu lassen. Die Polizei habe aber das Recht, auf die Lage angemessen zu reagieren. Der Taksim-Platz dürfe nicht den Extremisten überlassen werden. Der Platz hat eine lange Tradition als Demonstrationsort. Zugleich bekräftigte Erdogan die Pläne zum Umbau des Taksim-Platzes. Für die Demonstranten seien sie nur ein Vorwand, Spannungen auszulösen, sagte der konservative Regierungschef und forderte ein Ende der Demonstrationen. "Wer Probleme mit der Politik der Regierung hat, kann sie im Rahmen der Gesetze und der Demokratie vortragen. Ich fordere das sofortige Ende dieser Aktionen." Allerdings gab es nahezu zeitgleich Aufrufe zu Protestkundgebungen in mehr als einem Dutzend türkischer Städte.

Kommentare (9)

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daltomanis

01.06.2013, 19:38 Uhr

Das hat aber sehr, sehr lange gedauert. Geblendet vom ständigen, sehr guten Wirtschaftswachstum, das nur wenige Menschen direkt erreicht haben dürfte. Wie so oft, wie so immer.

pool

01.06.2013, 21:22 Uhr

Wofür genau werden Parteien per Wahl legitimiert? Sicher nicht für Wahllügen und Hegemonialentscheidungen, welche in den Hinterzimmern abgesprochen und während der Legislaturperiode erlassen werden. Woraus auch klar wird, wie Politik sein sollte, nämlich den Willen der Bürger durchsetzen statt ihren gegen die Bürger.

Die Situation stellt sich fast überall gleich dar, die Politik spielt sich als Führer auf und will das Volk "mitnehmen" auf ihre Abwege. Was Politiker und Journalisten nicht begreifen, dass sie ständig Grenzen übertreten und damit sich die Feindschaft der Leute zuziehen.


Account gelöscht!

01.06.2013, 22:38 Uhr

Der Polizei?
"SPD und Grüne warfen der Polizei unangemessene Härte vor."

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