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22.11.2016

12:14 Uhr

„Italexit“?

Referendum macht Anleger zunehmend nervös

Im Dezember stimmen die Italiener über eine neue Verfassung ab. Neben dem Brexit-Votum, der Wahl Trumps als US-Präsidenten sorgt das Referendum an den Finanzmärkten für Unruhe. Börsianern sprechen sogar vom „Italexit“.

Ministerpräsident Matteo Renzi hat sein politisches Schicksal an den Ausgang der Wahl geknüpft. AFP; Files; Francois Guillot

Matteo Renzi

Ministerpräsident Matteo Renzi hat sein politisches Schicksal an den Ausgang der Wahl geknüpft.

FrankfurtNach dem Brexit-Votum und der überraschenden Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten geht an den Finanzmärkten ein neues Schreckgespenst um: Am 4. Dezember stimmen die Italiener über eine neue Verfassung ab. Ministerpräsident Matteo Renzi hat sein politisches Schicksal an den Ausgang der Wahl geknüpft. Ein „No“ seiner Landsleute zu den geplanten Veränderungen könnte die EU in eine Krise stürzen und die Finanzmärkte gehörig durcheinander rütteln. Anleger flüchten schon aus italienischen Staatsanleihen und Aktien. "Der Markt sieht dieses Referendum als Wendepunkt zwischen Himmel und Hölle an", sagte Anleihe-Experte Sergio Capaldi von der Bank Intesa Sanpaolo.

Bei Börsianern macht bereits das Wort „Italexit“ die Runde. Dabei will Renzi nur über Einschränkungen bei der Rolle des Senats und Zuständigkeiten der Regionalregierungen abstimmen lassen. Allerdings wächst die Sorge, dass sich nach Großbritannien auch eine möglicherweise neue rechtsgerichtete Regierung in Italien für einen Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) stark machen könnte.

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Noch rund zwei Wochen, dann entscheiden die Italiener über Matteo Renzis Verfassungsänderungen. Bei einem „Nein“ möchte sich der Ministerpräsident in keiner Form für die Bildung er Übergangsregierung engagieren.

„Wenn Renzi das Referendum verliert, fängt das Gebilde Europa an zu bröckeln“, sagt der Volkswirt der National-Bank, Dirk Gojny. Im Juni hatten die Briten für einen EU-Austritt gestimmt und die Finanzmärkte geschockt, da Meinungsforscher das Pro-EU-Lager als Gewinner gesehen hatten. Glaubt man nun den Umfragen zum Italien-Referendum, steht Renzi am 4. Dezember als großer Verlierer da.

Der 41-jährige Florentiner hat angekündigt, im Falle einer Niederlage zurückzutreten und sich nicht an der Bildung einer Übergangsregierung zu beteiligen. Experten fürchten, dass dann Rechtspopulisten wie die Protestpartei Fünf Sterne unter der Führung des Komikers Beppe Grillo Oberhand gewinnen können. „Ein Rückzug Renzis stürzt Italien wieder ins politische Chaos und das mit vielen nicht erledigten Hausaufgaben“, sagt Gojny. Die Wirtschaft dort hinkt anderen EU-Staaten hinterher, die Arbeitslosigkeit verharrt seit Jahren bei rund zwölf Prozent. Nachbar Spanien hat zwar viel mehr Arbeitslose, hat die Quote aber in der Vergangenheit deutlich gesenkt.

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