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24.06.2013

20:50 Uhr

Italien

Berlusconi im Bunga-Bunga-Prozess verurteilt

Silvio Berlusconi ist im Prozess um Sex mit der minderjährigen Prostituierten „Ruby“ und Amtsmissbrauch schuldig gesprochen worden. Der Ex-Premier kündigt Widerstand an – und attackiert die Richterinnen.

Italien

Berlusconi zu sieben Jahren Haft verurteilt

Italien: Berlusconi zu sieben Jahren Haft verurteilt

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MailandDer frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi ist im „Ruby“-Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch schuldig gesprochen worden. Ein Mailänder Gericht verurteilte ihn am Montag in erster Instanz zu einer Haftstrafe von sieben Jahren. Zudem darf der 76-Jährige keine öffentlichen Ämter mehr übernehmen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, sollte eine der beiden Seiten Berufung einlegen.

Es wird erwartet, dass Berlusconis Anwälte das Urteil anfechten. Ihr Mandant hatte sich als völlig unschuldig bezeichnet. Das Urteil entbehre jeder Logik, sagte sein Verteidiger Niccolo Ghedini.

Berlusconi kündigte am Montagabend „Widerstand“ gegen das Urteil an. Das von einem Gericht in Mailand verhängte Urteil sei „brutal“, erklärte er in einer Stellungnahme. Er sei „absolut unschuldig“. „Ich war davon überzeugt, freigesprochen zu werden, weil es absolut keine Möglichkeit für einen auf Beweisen basierenden Schuldspruch gab“, erklärte Berlusconi.

Der Politiker warf den drei Richterinnen in Mailand vor, ihn zu verfolgen. „Ich habe vor, mich der Verfolgung zu widersetzen, weil ich absolut unschuldig bin, und ich will meinen Kampf nicht aufgeben, aus Italien ein wahrhaft freies und gerechtes Land zu machen.“

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Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von sechs Jahren gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Es ist der zweite Schuldspruch gegen Berlusconi innerhalb weniger Wochen. Bereits im Mai war er wegen Steuerbetrugs verurteilt worden. In diesem Prozess wird im Herbst das definitive Urteil in dritter Instanz erwartet.

Sollte der Politiker und Medienmogul verurteilt werden, könnte dies auch die italienische Regierung in einige Bedrängnis bringen. Berlusconi, der immer wieder im Visier der Justiz steht, ist mit seiner PdL-Partei (Volk der Freiheit) ein wichtiger Partner in der großen Koalition von Ministerpräsident Enrico Letta.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Berlusconi bei den angeblich wilden „Bunga-Bunga“-Nächten in seiner Villa Arcore bei Mailand mit der minderjährigen Marokkanerin „Ruby“ Sex gegen Geld hatte. Die Anklage hatte in ihrem Plädoyer ausgeführt, in der Villa habe es „systematische Prostitution“ gegeben. Berlusconi und die Tänzerin hatten das stets bestritten.

Die heute 20-Jährige hatte aber zugegeben, bei mehreren Festen in Berlusconis Villa Gast gewesen zu sein und Geld von dem Politiker erhalten zu haben. Junge Frauen hätten als Nonnen oder als US-Präsident Barack Obama verkleidet für Berlusconi getanzt.

Auch des Amtsmissbrauchs befand das Gericht Berlusconi für schuldig. Der damalige Ministerpräsident soll mit Anrufen bei der Polizei nach einer Festnahme „Rubys“ im Mai 2010 ihre Freilassung erwirkt haben.

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

24.06.2013, 18:31 Uhr

Ich glaube es erst, wenn Berlusconi wirklich die Haft antritt. Dann wäre dieser Brandstifter mal aus dem verkehr gezogen.
Wahrscheinlich bekommt er Haftverschonung wegen Alters oder was weiß ich auch immer!

RaubritterEherSchmeichelhaft

24.06.2013, 18:51 Uhr

Rechteverdreher sind inne Italy willkommen. Die meisten vom Stiefel haben sie geputzt und sind "reitende" Boten nach irgendwo. Niemand hat das Recht sie aufzuhalten, meinte bisher Berlusconi.

Gerechtigkeit im Sinne der Menschheit, noch haben die Richter das Wort und die Anwälte, vielleicht beißt er noch vorher ins Gras oder wird mit 80 begnadigt. Alles ist möglich, als Statthalter weniger der kath. Kirche als derer, die in anderen Welten unterwegs sind. Eine heiße Kartoffel fällt irgendwann den meisten aus der Hand. Warum sie verbrennen wollen, wenn es Menschen, Richter und Staatsanwälte mit Hirn, Herz und Verstand in einem Land haben, deren Bevölkerung die Republik und deren Nutznießer schon übervorgestern abgeschrieben haben.

Geld korrumpiert, das wissen korrupte Gestalten, und setzen sich immer wieder in Szene.

christinapinetti

24.06.2013, 18:58 Uhr

Ganz glücklich, aber der Weg zum Knast ist leider noch lange.
Eine kleine Prezisierung: Enrico Lettas PD hat mit den Linken wenig zu tun.

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