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20.01.2013

21:01 Uhr

Italien

Berlusconi will doch nicht regieren

Will er nun oder will er nicht? Silvio Berlusconi möchte nach neuesten Aussagen nun doch nicht der nächste Ministerpräsident Italiens werden. Indes warnt Mario Monti vor einem Comeback seines „unfähigen“ Vorgängers.

Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Reuters

Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

RomEr wollte angeblich nicht Italiens nächster Regierungschef werden, dann schmiss er überraschend doch seinen Hut in den Ring - und jetzt sammelt er ihn wieder ein: Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Sonntag ein weiteres Mal kategorisch ausgeschlossen, im Falle eines Sieges seines Mitte-Rechts-Bündnisses bei den kommenden Parlamentswahlen erneut die Regierungsgeschäfte leiten zu wollen.

Stattdessen brachte der Medienzar seinen politischen Erben und früheren Justizminister Angelino Alfano in Stellung: "Wenn wir gewinnen, wird Angelino Alfano Ministerpräsident", sagte Berlusconi dem Fernsehsender Sky TG24.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Seit Wochen hatte Berlusconi mehr oder minder offen mit einer vierten Amtszeit geliebäugelt. Ganz im Duktus des Kandidaten trat er als scharfer Kritiker seines zurückgetretenen Nachfolgers Mario Monti in Erscheinung.

Bei der für den 24. und 25. Februar vorgesehenen Wahl zeichnet sich ein Dreikampf zwischen Montis Koalition aus Vertretern der politischen Mitte, Berlusconis Bündnis aus seiner Partei Volk der Freiheit (PdL) mit deren altem Koalitionspartner Lega Nord sowie der in Umfragen führenden linksgerichteten Demokratischen Partei (PD) von Pier Luigi Bersani ab. Bersani dürfte aktuellen Prognosen zufolge kaum genügend Stimmen für eine absolute Mehrheit bekommen, Berlusconis Gruppierung liegt aber abgeschlagen im Hintertreffen.

Indes hat der bisherige italienische Ministerpräsident Mario Monti seine Landsleute aufgerufen, die politische Führung nicht noch einmal den "Unfähigen" anzuvertrauen. Monti machte bei der Vorstellung seiner eigenen Liste für die Parlamentswahl am 24. und 25. Februar am Sonntag klar, dass er zu diesen "Unfähigen" die Regierung seines konservativen Vorgängers Silvio Berlusconi rechnet.

"Die alte Politik darf nicht wieder aufleben", sagte Monti, der von November 2011 bis Dezember 2012 eine Technokraten-Regierung führte und dann durch seinen Rücktritt den Weg für Neuwahlen freimachte. Die Technokraten-Regierung wäre damals nicht eingesetzt worden, wenn "die öffentlichen Angelegenheiten von fähigen und glaubwürdigen Persönlichkeiten" verwaltet worden wären, fügte Monti in der Tageszeitung "Corriere della Sera" hinzu.

Montis Reformen

Rentenreform

Gleich nach Amtsantritt hat Regierungschef Mario Monti mit Arbeitsministerin Elsa Fornero die Rentenreform mit späterem Renteneintritt durchgesetzt. Die Höhe der Rente hängt künftig stärker von den gezahlten Beiträgen ab. Das Eintrittsalter wird regelmäßig der Lebenserwartung angepasst. Die Reform gilt als Erfolg.

Liberalisierungen

Die Regierung hat verschiedene Berufe wie Notare, Apotheker und Tankstellenbetreiber liberalisiert. Viele blieben jedoch außen vor. Noch immer regeln Kammern mit teuren Beiträgen viele Berufe und erschweren Neuzugänge. Die Reform gilt als unzureichend.

Arbeitsmarktreform

Mit ihrer Reform des Arbeitsmarktes hat die Regierung Monti den Kündigungsschutz gelockert, Abfindungszahlungen reduziert und das Recht auf Wiedereinstellung beschnitten.

Korruptionsbekämpfung

Die Regierung verlängert die Verjährungsfristen und erhöht die Strafen für die stark verbreitete Korruption.

Monti tritt bei der Wahl mit einer Zentrums-Liste an, in der prominente Vertreter der Zivilgesellschaft und Katholiken den Ton angeben. Die "Scelta Civica" ("Bürgerwahl") könnte laut Umfragen auf einen Stimmenanteil von rund 15 Prozent kommen. Derzeit ist es nicht wahrscheinlich, dass sie bei der Regierungsbildung die führende Rolle übernimmt. Diese Aufgabe könnte eher der Demokratischen Partei von Pier Luigi Bersani zufallen, mit der Montis Liste zusammengehen würde.

Kommentare (6)

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Arminius

21.01.2013, 05:10 Uhr

Haben in Deutschland die Medien nicht besseres zu tun als andauernd über Berlusconis Schicksal zu berichten?
Die Anbiederung mit Frankreich und die permanente Entwertung Italien erinnert an die Vorkriegsjahren.
Die Deutsche werden es doch nie lernen.

r-tiroch@t-online.de

21.01.2013, 08:35 Uhr

Der Berluskoni weiß nicht was er will, warum muß man dann diese Dumpfbacke überhaupt noch sehen?

RumpelstilzchenA

21.01.2013, 09:26 Uhr

Jetzt macht sich "Rudel-Journalismus" wieder breit!

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