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21.11.2013

16:48 Uhr

Italien

Berlusconi wusste von Minderjährigkeit

Es gebe keinen Zweifel daran, dass Berlusconi bewusst war, dass er eine Minderjährige für Sex bezahlte. Zu diesem Schluss ist das Gericht in Mailand im „Ruby“-Prozess gekommen. Berlusconi hat Rechtsmittel eingelegt.

Karima El Mahroug von Marokko und Silvio Berlusconi: In dem Verfahren um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch war der 77-Jährige im Juni in erster Instanz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Reuters

Karima El Mahroug von Marokko und Silvio Berlusconi: In dem Verfahren um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch war der 77-Jährige im Juni in erster Instanz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

RomDer frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat nach Auffassung des Gerichts in Mailand die Marokkanerin „Ruby“ für Sex bezahlt - und von ihrer Minderjährigkeit gewusst. Es sei „bewiesen, dass der Angeklagte Sex mit Ruby im Austausch für große Summen Geld und andere Vorteile wie etwa Schmuck hatte“, zitierten italienische Medien am Donnerstag aus der schriftlichen Urteilsbegründung.

Zudem gebe es keinen Anlass zu zweifeln, dass Berlusconi wusste, dass er es mit einer Minderjährigen zu tun hatte. „Gerade die Chronologie der Ereignisse, (...) und der klare Inhalt der aufgenommenen Dialoge laufen - jenseits jeden vernünftigen Zweifels - auf die Erbringung des Beweises hinaus, dass der Angeklagte über ihre Minderjährigkeit Bescheid wusste.“

Chronik: Berlusconi im Ruby-Prozess

27. Mai 2010:

In Mailand wird die 17-jährige Marokkanerin Ruby - mit richtigem Namen Karima El Mahroug - wegen mutmaßlichen Diebstahls festgenommen. Berlusconi meldet sich persönlich bei der Polizei und erwirkt ihre Freilassung.

14. Januar 2011:

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im „Fall Ruby“ gegen Berlusconi wegen Amtsmissbrauchs und Umgangs mit minderjährigen Prostituierten.

15. Februar 2011:

Eine Ermittlungsrichterin entscheidet: Berlusconi muss sich wegen Ruby in einem Schnellverfahren vor Gericht verantworten.

5. April 2011:

Das Abgeordnetenhaus folgt einem Antrag aus Berlusconis Mitte-Rechts-Lager und erklärt die Mailänder Justiz im „Ruby- Verfahren“ für nicht zuständig. Das Votum hat zunächst keine Auswirkung auf das anstehende Verfahren.

6. April 2011:

Der Prozess beginnt in Mailand und wird bereits nach fünf Minuten vertagt. Weder Berlusconi noch Ruby sind anwesend.

12. November 2011

Wegen zu geringen Rückhalts unter den Abgeordneten tritt Berlusconi von seinem Amt als Regierungschef zurück.

19. Oktober 2012:

Berlusconi beteuert vor Gericht, er habe niemals intime Beziehungen zu dem minderjährigen Partygirl gehabt. Er sei überzeugt gewesen, dass sie beim Treffen 24 Jahre alt gewesen sei.

4. April 2013

Ruby erklärt vor den Toren des Gerichts: „Ich hatte nie Geschlechtsverkehr gegen Geld und ich hatte nie Geschlechtsverkehr mit Silvio Berlusconi“. Sie fordert, im Prozess aussagen zu dürfen. Ihre Befragung war mehrfach verschoben worden.

13. Mai 2013

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Ex-Regierungschef eine Haftstrafe von sechs Jahren. Zudem soll ihm lebenslang verboten werden, öffentliche Ämter zu bekleiden.

17. Mai 2013

In einem Nebenverfahren sagt Ruby aus, sie habe sich bei den „Bunga-Bunga-Partys“ als 19-jährige Verwandte des damaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak ausgegeben. Berlusconi hatte erklärt, er habe bei der Polizei angerufen, um diplomatische Probleme mit Kairo zu vermeiden.

31. Mai 2013

Im Nebenverfahren fordert die Anklage sieben Jahre Haft für drei Vertraute Berlusconis. Diese hätten die Frauen für die Feste organisiert und sich der Herbeiführung und Begünstigung der Prostitution Minderjähriger schuldig gemacht.

In dem Verfahren um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch war der 77-Jährige im Juni in erster Instanz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass Berlusconi bei angeblich wilden „Bunga-Bunga“-Nächten in seiner Villa Arcore in Mailand für Sex mit minderjährigen Prostituierten zahlte.

Im Mittelpunkt stand „Ruby“ - die jedoch bestritt, Sex mit Berlusconi gehabt zu haben. Berlusconi hat gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt.

Von

dpa

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