Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.11.2016

20:12 Uhr

Italien

Die Erde bebt ohne Ende

Das Leiden in der Erdbebenregion in Italien hat kein Ende. Ständige Nachbeben erschrecken die Menschen, Gebäude stürzen ein. Die italienische Regierung verspricht, alles wieder aufzubauen.

Durch die Nachbeben soll es zu weiteren Einstürzen in Italien gekommen sein. dpa

Neue Einstürze

Durch die Nachbeben soll es zu weiteren Einstürzen in Italien gekommen sein.

RomDie Erde in Italien bebt ohne Ende und lässt den Menschen keine Ruhe: Seit dem verheerenden Erdstoß am Sonntag haben mehr als 1100 Nachbeben die ohnehin schon verwüstete Region erschüttert. Fast 20 davon hatten eine Stärke von über 4, teilte die nationale Erdbebenwarte INGV mit.

Das kräftigste Nachbeben hatte am Dienstag eine Stärke von 4,8 und richtete weitere Schäden an. Ministerpräsident Matteo Renzi versprach bei einem Besuch in der Region Hilfe: „Es gibt keinen Zauberstab. Aber wir schaffen das, auch wenn es viel Zeit braucht.“

Nach dem neuerlichen Nachbeben habe es weitere Einstürze gegeben, sagte der Bürgermeister des Dorfes Ussita, Marco Rinaldi. „Es ist ein Leidensweg, es hört nie auf.“ Auch der Bürgermeister des Ortes Castelsantangelo sul Nera berichtete von neuen Schäden. „Hier stürzt alles ein. Und das, was nicht einstürzt, ist nicht stabil. Das Dorf scheint dem Erdboden gleichgemacht“, sagte Mauro Falcucci.

Laut Erdbebenwarte hat sich die Erde bei dem Beben am Sonntag –das stärkste seit 36 Jahren – auf einer Fläche von 130 Quadratkilometern deformiert, die größte Verschiebung wurde mit 70 Zentimetern in der Gegend um das Dorf Castelluccio festgestellt.

Italien: Tausende Erdbebenopfer ohne Obdach

Italien

Tausende Erdbebenopfer ohne Obdach

Die Nächte sind kalt, und die Zukunft ist ungewiss. Die Menschen in Italiens Erdbebenregion sind verzweifelt. Schäden werden auch in Rom gemeldet. Für Regierungschef Renzi hat das Erdbeben eine politische Dimension.

Renzi hatte den Zehntausenden Obdachlosen einen kompletten Wiederaufbau versprochen. „Was immer für das Erdbeben benötigt wird, werden wir auf den Tisch bringen“, sagte er am Montag nach einer Kabinettssitzung. Italien ist hoch verschuldet und steht mit der EU-Kommission wegen seiner Haushaltsplanung im Clinch. Wenn Italien den Wiederaufbau wegen EU-Regeln nicht stemmen könne, „bedeutet das, dass wir alle den Verstand verloren haben“.

Die Obdachlosen wurden in Hotels und Notunterkünften in der Umgebung untergebracht. Auch in einem Zug kamen Hunderte unter. Viele übernachteten in Autos, weil sie ihre Heimat nicht verlassen wollten. Manche Bauern wollen nicht weg, weil sie auf ihre Tiere aufpassen wollen. In den Bergen wird es allerdings schon sehr kalt.

Mehr als 22.000 Menschen wurden in den Not-Unterkünften versorgt, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Zahl der Obdachlosen wird aber weit höher geschätzt.

Das Beben hatte historische Ortschaften in der Apennin-Gebirgsregion zerstört und selbst in der Hauptstadt Rom Schäden angerichtet. Tote gab es nicht – auch, weil viele Orte schon nach dem schweren Beben im August, bei dem 298 Menschen umkamen, geräumt worden waren.

Zahlreiche Kulturgüter wurden schwer beschädigt. Selbst im rund 110 Kilometer Luftlinie entfernten Rom entstanden Schäden. Die historische Brücke Ponte Mazzini über den Tiber, die Trastevere mit dem historischen Zentrum verbindet, wurde vorübergehend gesperrt. Auch die Papst-Basilika Sankt Paul vor den Mauern untersuchten Experten auf mögliche Schäden.

Zwei Kirchen im Stadtzentrum wurden gesperrt: die Kirche San Francesco im Stadtviertel Monti und die Kirche am Platz Sant'Eustachio, der bei Touristen beliebt ist. Schulen und Kindergärten in der Hauptstadt sollten auf Schäden geprüft und bis dahin geschlossen bleiben.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×