Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2012

15:54 Uhr

Italien im Wahlkampf

Berlusconi keilt aus gegen Monti und Merkel

VonKatharina Kort

Italiens Ex-Premier Berlusconi kritisiert die Wirtschaftspolitik seines Nachfolgers. Mario Monti sei „zu deutschlandzentriert". Das habe aber nichts geholfen, Italiens Wirtschaft sei seit seinem Abgang auf Talfahrt.

Berlusconi warf Mario Monti eine zu große Nähe zu Deutschland vor. dpa

Berlusconi warf Mario Monti eine zu große Nähe zu Deutschland vor.

Der ehemalige Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi schlägt um sich. Seinem Nachfolger Mario Monti wirft  er vor, sich den Vorgaben aus dem Kanzleramt Berlin gebeugt zu haben. „Seine Politik ist zu deutschlandbezogen gewesen“, kritisierte der 76-Jährige am Dienstag in einem seiner Fernsehsender. Dies habe Italiens Rezession nur weiter verschärft. Er (Berlusconi) habe sich dagegen in seiner Amtszeit den Forderungen aus Deutschland widersetzt.

Außerdem erklärte er, dass ihm die negativen Marktreaktionen auf sein Comeback egal seien: „Was interessiert uns der Spread?“ sagte er zu den Risikoaufschlägen, die Investoren für italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen hinlegen müssen.

Interview mit Tito Boeri: „Berlusconis Äußerungen sind verantwortungslos"

Interview mit Tito Boeri

„Berlusconis Äußerungen sind verantwortungslos"

Im Interview kritisiert italienische Top-Ökonom Tito Boeri den Berlusconi scharf.

Dieser Wert, der Spread ist diese Woche wieder über 350 Punkte gestiegen, nachdem er erst vor einer Woche zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder unter die wichtige 300-Punkte-Marke gerutscht war. Der Spread sei „ein Betrug, eine Erfindung“, wetterte Berlusconi.

Der im November 2011 abgetretene Regierungschef erklärte, das Staatsdefizit von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei "gar nicht so hoch" wie immer dargestellt.

Anleihen unter Druck: Die Märkte zittern vor dem „Cavaliere“

Anleihen unter Druck

Die Märkte zittern vor dem „Cavaliere“

Er stand für Stillstand in Italien. Jetzt stürzt Berlusconi das Land in eine Regierungskrise. Damit erhalten auch Spekulationen über einen Auseinanderbrechen des Euros neue Nahrung. An den Märkten geht die Angst um.

Monti hatte am Samstag Abend seinen Rücktritt angekündigt als Reaktion auf das Comeback von Berlusconi als Premier-Kandidat im Wahlkampf und auf dessen Entscheidung, Monti nach dem Haushalt nicht mehr im Parlament zu unterstützen. Monti will nur noch vor Weihnachten das Stabilitäts- und Haushaltsgesetz verabschieden lassen und dann den Weg für Neuwahlen im Februar freimachen.

Der Wirtschaftsprofessor der Bocconi-Universität und Gründer der Ökonomen-Plattform lavoce.info, Tito Boeri, nannte die Äußerungen von Berlusconi „verantwortungslos“.

Auch Monti verschärfte am Dienstag den Ton. Im Gespräch mit dem öffentlich-rechtlichen Sender Rai warnte er vor Populismus im Vorfeld der Wahlen. Es gebe nun die Tendenz, „die Dinge zu sehr zu vereinfachen" und „Wunderlösungen" zu präsentieren. Er selbst hielt sich eine Kandidatur offen.

Seine Reformpolitik verteidigte Monti energisch. Vor 13 Monaten habe Italien in einer äußerst schwierigen Lage gesteckt und seitdem habe das Land „enorme Fortschritte" gemacht; wenn auch zu dem Preis, dass kurzfristig kein Wachstum möglich sei. „Ich würde mich freuen, wenn mir jemand erklären könnte, wie es finanziell möglich gewesen wäre, Italien ein Schicksal wie Griechenland zu ersparen und gleichzeitig rasches Wachstum zu schaffen", sagte Monti.

Mit Material von afp

Kommentare (26)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

WolfgangHeck

11.12.2012, 15:30 Uhr

Die Qualle kehrt zurück. Wünscht sich doch der ( sehr - die Hälfte?) einfache Italiener so zu sein wie er. Ohne nennenswerte Bildung oder gar Charakter seeehr reich zu werden und Macht haben. Ich drücke Herrn Bersani die Daumen.Quelle

uli.uli

11.12.2012, 15:37 Uhr

Nun haben es die Italiener im nächsten Jahr also wieder einmal selbst in der Hand, ob Sie sich von einem Lebemann und Bunga Bunga Helden regieren lassen wollen oder aber ob sie erkennen, daß nur Fleiß, Disziplin und Innovation das Land voranbringen können.
In den "islamischen Ländern" wählen die Menschen seltsamerweise Parteien und Köpfe die den Frauen die letzten Rechte nehmen wollen und die den Koran und die Scharia über alles heben wollen, nicht merkend, daß dabei ihr eigenes Leben noch freudloser noch rückwärtsgewandter wird. Die Griechen wählen jede Partei die Angela Merkel als Nazi darstellt und die Franzosen lieben ihre kleinen Könige fast so sehr wie die Engländer die Windsors. Lediglich Polen hat in den letzen Jahren mit Kamorowski und Tusk eine wahrlich kluge Entscheidung getroffen, für Europa und gegen die ewig gestrigen Kazynki Brüder, gegen Radio Maria und für ein moderne, englisch sprechendes junges Polen. In 2013 haben dann wir Deutschen auch mal wieder die Chance alles in die Tonne zu treten was uns in den letzten Jahren Standortvorteile gebracht hat gegenüber F, und E und den meisten anderen Ländern in Europa. Dazu müssen die Deutschen lediglich:
1) fett und faul zu Hause bleiben und nicht zur Wahl gehen; oder
2) Die Partei "D will für alles zahlen um sich dabei gut zu fühlen und die Schuld des 3 Reiches abzubezahlen" oder auch die Grünen genannt wählen; oder
3) die Partei der Umverteilung wählen, die bekanntlich besonders gut mit Geld umgehen kann ( Flughafen Berlin, Elboper in HH etc. und die längst Eurobonds zugestimmt hätte )oder aber doch
4 ) eine erfolgrieche Politik im Amt bestätigen um die uns alle Länder beneiden, sonst gäb es nicht so viel Haß auf D.

Ich bin ja mal gespannt wie sehr sich die Deutschen von den Meinungsmachern im Fernsehen die Sinne vernebeln lassen.

Liebe Grüße aus München

Uli Henkl

Glaskugel

11.12.2012, 15:53 Uhr

Deutschlandzentriert? hatte nicht Monti die Allianz mit Spanien und Frankreich aufgemacht um Deutschland das Geld aus der Tasche zu ziehen? War es nicht Monti, der grosskotzig um 5 Uhr früh vermeldete, die Eurobonds sind da!

Ich denke Botox verträgt sich nicht bei alten Männer.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×