Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.10.2017

15:31 Uhr

Italien

Kein Land für junge Menschen

Ein großer Anteil der jungen Italiener hat keinen Job. Nun reagiert die Regierung auf dieses Problem und will die Jugend fördern. Doch die öffentlichen Kassen sind leer – der Erfolg steht schon zu Beginn auf der Kippe.

In Italien hat die Wirtschaftskrise besonders die jungen Erwachsenen hart getroffen. Seit sechs Jahren liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 30 Prozent. Nun versucht die Regierung Firmen dazu zu bewegen, dass sie junge Menschen einstellen. dpa

Baustelle am Vatikan

In Italien hat die Wirtschaftskrise besonders die jungen Erwachsenen hart getroffen. Seit sechs Jahren liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 30 Prozent. Nun versucht die Regierung Firmen dazu zu bewegen, dass sie junge Menschen einstellen.

RomEine beliebte Radiosendung in Italien heißt in Anlehnung an einen bekannten Filmtitel „No Country for Young Men“ („Kein Land für junge Männer“). Angesichts einer stagnierenden Wirtschaft, die insbesondere jungen Männern und Frauen kaum Möglichkeiten bietet, verwundert das kaum. Italiens Jugendarbeitslosigkeit liegt seit sechs Jahren über 30 Prozent.

Allein im Jahr 2015 sind rund 50.000 Italiener unter 40 Jahren ausgewandert, um anderswo zu arbeiten. Knapp die Hälfte von ihnen ging mit Universitätsabschluss. Italien „blutet aus“, was junge Talente betrifft, sagt Luca Paolazzi, Chefvolkswirt des Arbeitgeberverbands Confindustria. Die Auswanderungen kosten Italien rund ein Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr, ist er überzeugt.

„Wir sprechen hier von einer echten Krise.“ Die Mitte-links-Regierung von Ministerpräsident Paolo Gentiloni hat die Situation erkannt und versucht gegenzusteuern. Der kommende Haushalt werde Maßnahmen vorsehen, um Unternehmen dazu zu motivieren, junge Menschen einzustellen, versprach sie. „Mit Blick auf die Grenzen des Etats gibt es sehr wenig Mittel (für mehr Staatsausgaben)“, sagte Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan.

„Die Jugendarbeitslosigkeit wird mit Sicherheit eines der sehr wenigen Themen sein, die bei den Haushaltsplanungen angegangen werden.“ So liegt derzeit die Idee auf dem Tisch, für neu eingestellte Arbeitnehmer unter einem bestimmten Alter die Sozialabgaben zu senken. Für Arbeitgeber fallen damit für frisch eingestellte junge Arbeitnehmer die Kosten, die sie neben dem Lohn bezahlen müssen – wodurch es für sie attraktiver wird, junge Menschen anzuheuern.

Italien: Regierung will Einkommensschwache unterstützen

Italien

Regierung will Einkommensschwache unterstützen

Seit 2007 wächst die Armut in Italien immer weiter. Die Regierung will deshalb die einkommensschwächsten Haushalten finanziell unterstützen und stellt dafür 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung.

Darüber hinaus erwägt Italiens Regierung, bis zu einer halben Million Angestellte im öffentlichen Dienst in den vorgezogenen Ruhestand zu schicken. So will sie diese Jobs für junge Arbeitnehmer freigeben. Kritiker bemängeln, dass die Senkung der Sozialabgaben Firmen auch lediglich dazu bringen könnte, angestellte junge Menschen wieder zu entlassen, sobald sie älter werden und die – noch festzulegende – Altersgrenze überschreiten.

Und das Versprechen neuer Jobs beim Staat wirkt für einige wie ein Wahlgeschenk – Gentilonis Regierung muss sich kommendes Jahr der Wiederwahl stellen. Eine ökonomische Beratungsfirma hat im März eine radikalere Lösung vorgeschlagen: Wohlhabende Rentner sollen mit einer Steuer belegt werden, um von diesem Geld Wohlfahrtsmaßnahmen für Jüngere zu finanzieren.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Spiegel

03.10.2017, 18:54 Uhr

Italiens Jugendarbeitslosigkeit liegt seit sechs Jahren über 30 Prozent.
Deshalb braucht Italien weitere afrikanische Facharbeiter, mit der eigenen Bevölkerung ist offenbar kein Start zu machen. Niemand braucht junge Leute, deshalb muß man Afrikaner einreisen lassen.
Europa ist überbevölkert, hat keine Jobs für die eigenen Leute, braucht aber immer mehr Neger. Was stimmt hier nicht ?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×