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12.11.2012

13:56 Uhr

Italien

So tickt Siziliens neuer starker Mann

VonKatharina Kort

Rosario Crocetta ist schwul, katholisch und vor allem furchtlos: Der neue Präsident Siziliens legt sich mit der Mafia an, zeigt den alten politischen Seilschaften die kalte Schulter - und setzt auf junge Frauen.

Rosario Crocetta: Er hat jetzt in Sizilien das Sagen. Reuters

Rosario Crocetta: Er hat jetzt in Sizilien das Sagen.

MailandDer neue Präsident von Sizilien, Rosario Crocetta, sorgt weiter für Wirbel. Bei der Besetzung der Posten in seiner Regierung wird der Vertreter der Linkspartei PD den Sänger Franco Battiato zum Assessor für Tourismus und Kultur küren. Ansonsten stehen vor allem junge Frauen auf seiner Liste. Den alten Mächtigen dagegen, die wie immer Posten einfordern, zeigt der 61-Jährige die kalte Schulter.

Die Tatsache, dass ein Mafia-Gegner, erklärter Homosexueller und gläubiger Katholik die Wahlen vor zwei Wochen gewonnen hat, war für die konservative Insel-Region eine Überraschung. Wie ernst es Crocetta mit seiner Revolution in Sizilien meint, bekommen jetzt die bisherigen Strippenzieher zu spüren. Abendessen, um dem neuen Präsidenten die eigenen Männer anzupreisen, schlägt Crocetta mittlerweile aus. „Ich habe gemerkt, dass sie nicht dazu dienen, zu essen. Das sind Fallen“, sagt der neue Mächtige der Region und lässt die Einladenden nun wissen, „dass ich nur die Riegel meines Diätologen esse“.

Schon als Bürgermeister der Stadt Gela hat er gezeigt, dass er sich nicht einschüchtern lässt und ließ reihenweise Leute verhaften, darunter auch Gemeindemitarbeiter, weil sie der Mafia nahestanden. Crocetta ist verschiedenen Mordversuchen entgangen, lebt seit Jahren unter Polizeischutz und darf aus Sicherheitsgründen nicht mit seinem Kopf aus dem Fenster schauen. Auf die Frage, wie er das aushält, hat der Hobby-Poet einmal geantwortet: „Dafür kann ich noch in den Spiegel schauen“.

„Unabhängigkeit, Moral und Kompetenz“ sind die Schlagwörter, die der ehemalige Vize-Präsident des Anti-Mafia-Ausschusses des Europaparlaments wie ein Mantra wiederholt. „Die Mafia kann ihre Koffer packen“, erklärte Crocetta nach seiner Wahl. Nun muss er zeigen, dass er diese Werte auch auf regionaler Ebene durchsetzen kann.

Kommentare (4)

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Ameise

12.11.2012, 17:42 Uhr

...mal sehen, wie lange der noch lebt. Sich mit der Mafia anlegen? Keine gute Idee.

Ichbinsdoch

12.11.2012, 17:53 Uhr

Wäre doch mal ein Beispiel für Deutschland

Aber da wäre seine Lebenserwartung wahrscheinlich noch geringer als in der Mafiahochburg

Maxwell

12.11.2012, 18:21 Uhr

Ich habe auf 3Sat vor einiger Zeit eine Doku zu diesem Herrn gesehen,bin beeindruckt und drücke ihm die Daumen.Einer der aus Überzeugung seinen Job macht in Deutschland können wir lange nach solchen Idealisten suchen.

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