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26.01.2016

17:02 Uhr

Italien und Iran

Nach 17 Milliardendeals zur Audienz beim Papst

Irans Präsident Ruhani kann zufrieden sein: Nach zwei Tagen in Rom hat er wichtige Milliardenverträge in der Tasche. Mit dem Besuch beim Papst setzte er zudem ein Zeichen für den Frieden. Aber es gibt auch Kritik.

Irans Präsident Hassan Ruhani trifft Papst Franziskus – und sendet damit ein Zeichen an Saudi-Arabien. Reuters

Im Vatikan

Irans Präsident Hassan Ruhani trifft Papst Franziskus – und sendet damit ein Zeichen an Saudi-Arabien.

Papst Franziskus hat bei einem symbolträchtigen Treffen mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zum Weltfrieden aufgerufen und dabei die wichtige Rolle betont, die der Iran nach Aufhebung der Sanktionen im Kampf gegen Terrorismus und Waffenhandel spielen könne. Die etwa 40 Minuten lange Privataudienz, an der auch eine iranische Delegation aus Ministern und Diplomaten teilnahm, galt als Höhepunkt der viertägigen Europareise des Staatschefs.

Franziskus und Ruhani hätten nicht nur über das Atomabkommen gesprochen, durch das die Sanktionen gegen den Iran beendet wurden, sondern auch über die „wichtige Rolle, die der Iran zusammen mit anderen Ländern in der Region einnehmen muss, um politische Lösungen für die Probleme in Nahost zu finden und die Ausbreitung von Terrorismus und Waffenhandel einzudämmen“, teilte der Vatikan mit.

Obwohl es nicht der erste Besuch eines iranischen Staatsoberhauptes bei einem Papst war, wurde die Audienz bereits im Vorfeld als wichtiges Signal interpretiert. Der schiitische Iran sendet dem sunnitischen Erzfeind Saudi-Arabien damit eine Botschaft: Der Iran hat keine Differenzen mit den Christen.

Für Ruhani war der erste Teil seines Besuchs in Europa auch ein wirtschaftlicher Erfolg: Bereits am Montag hatte seine Delegation 17 milliardenschwere Verträge mit Italien unterzeichnet, die unter anderem die Energieversorgung und die Infrastruktur in dem seit Jahren isolierten Iran verbessern sollen.

So vereinbarte das Land mit der Eni-Tochter Saipem den Bau einer 2000 Kilometer langen Gaspipeline für 4,5 Milliarden Euro, mit dem Stahlkonzern wurde eine Kooperation im Umfang von zwei Milliarden Euro ausgearbeitet. Die italienische Staatsbahn will zudem den Iran bei der Modernisierung des Bahnnetzes unterstützen und eine Hochgeschwindigkeitslinie von Teheran in die südlich gelegene Stadt Ghom bauen. Die Fluglinie Alitalia kündigte an, ihre Verbindungen nach Teheran aufzustocken.

Im Kurznachrichtendienst Twitter teilte Ruhani mit, er habe Ministerpräsident Matteo Renzi in den Iran eingeladen. Dieser werde der Einladung vermutlich in den nächsten Monaten nachkommen, um die wirtschaftliche Kooperation weiter voranzutreiben.

Vor dem römischen Pantheon demonstrierten Kritiker und Menschenrechtler gegen Ruhanis Besuch. Mit Blick auf die zahlreichen Hinrichtungen in dem Land und den schweren Raketenangriff auf die Exiliraner im irakischen Camp Liberty im vergangenen Oktober forderten sie, Ruhani wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ den Prozess zu machen. „Es ist unglaublich, dass in dem Moment, in dem sich dem Iran die Türen öffnen, nicht die Einhaltung der Menschenrechte und die Eindämmung der Todesstrafe zum Thema gemacht werden“, sagte eine Menschenrechtlerin.

Ruhani will am Mittwochmorgen noch das Kolosseum besuchen. Anschließend reist er nach Paris weiter.

Der Vorsitzende der deutsch-iranischen Parlamentariergruppe, Rolf Mützenich (SPD), sieht deutsche Unternehmen für Geschäfte mit dem Iran gut aufgestellt. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass der iranische Präsident Ruhani nun Italien und Frankreich besuche, nicht aber Deutschland. Mützenich sagte der Deutschen Presse-Agentur, nach der sukzessiven Aufhebung der Sanktionen würden deutsche Unternehmen Standortvorteile haben. Deutschland habe einen entscheidenden Anteil am Gelingen der Atomverhandlungen. „Daraus haben sich vertrauliche politische Beziehungen entwickelt, die auch in die Zukunft wirken können.“

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