Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2007

11:54 Uhr

Italiens Linksregierung in der Krise

Mit Tomaten aus Venetien gegen Kampfjets

VonKatharina Kort

Aufruhr in Norditalien: Weil sich das Städtchen Vicenza gegen den Ausbau einer US-Militärbasis wehrt, steckt die Regierung unter Ministerpräsident Romano Prodi mal wieder in einer Krise.

MAILAND. Unmissverständlich sind die Banner, die die Demonstranten durch die Straßen von Vicenza tragen, und sie schließen jeden Kompromiss aus. „No Basi Nuove!“ – „Nein zu neuen Basen!“ steht da. Oder schlicht: „Vergognatevi!“ – „Schämt euch!“

Den Zugverkehr haben die Protestler lahm gelegt, indem sie die Gleise am Bahnhof der 110 000-Einwohner-Stadt besetzten. Sogar Geschosse – in Form von Tomaten – fliegen durch die Luft des Städtchens 60 Kilometer nordwestlich von Venedig. Für Don Bizzotto, einen katholischen Friedensaktivisten, findet hier nicht weniger statt als ein „pazifistischer Aufstand“. Und der Gegner ist die eigene Linksregierung in Rom: „Governo Prodi = Governo di Guerra“ – „Prodis Regierung ist eine Kriegsregierung“ – klagt ein Plakat an.

Grund für den Aufruhr in der norditalienischen Provinz ist die Kaserne „Ederle“ – eine US-Militärbasis, die vor der Stadt einen Großteil der 173. Luftlandebrigade der US-Armee beherbergt. Die Traditionseinheit war früher mal in Vietnam aktiv. Heute kämpft sie im Irak und in Afghanistan. Für eine halbe Milliarde Dollar möchte Präsident George W. Bush den Stützpunkt um 450 000 Quadratmeter erweitern. Ein eigener Flughafen soll her, um so statt der bisher 2 750 in Zukunft 4 500 Soldaten der „173rd“ in Vicenza zu stationieren. Die zusätzlichen Truppen sollen übrigens aus Bamberg und Schweinfurt nach Vicenza übersiedeln.

Das Gezerre über den Ausbau hat Italiens Linksregierung unter Ministerpräsident Romano Prodi in eine Krise gerissen. Nicht nur Prodis Koalitionspartner meutern. Auch sein Image leidet, denn der Regierungschef hatte sich mit seinem Kurs eigentlich deutlich von seinem amerikafreundlichen Vorgänger Silvio Berlusconi absetzen wollen. Der war mit Präsident Bush in den Irak-Krieg gezogen, obwohl die deutliche Mehrheit der Italiener dagegen war.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×