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31.05.2013

15:56 Uhr

Italiens Protestpartei

Grillos Fünf-Sterne-Bewegung verglüht

VonKatharina Kort

Nach der ersten großen Schlappe fällt die Fünf-Sterne-Bewegung in eine Krise: Die Kritik an der Blockadehaltung im Parlament wird lauter – und immer mehr Mitglieder stören sich am autoritären Führungsstil Beppe Grillos.

Beppe Grillo kann noch so schreien: Da seine Partei nicht in der Regierung ist, bleibt auch die mediale Aufmerksamkeit aus. dpa

Beppe Grillo kann noch so schreien: Da seine Partei nicht in der Regierung ist, bleibt auch die mediale Aufmerksamkeit aus.

MailandEr war der Star der Wahlen Ende Februar. Mit einem Viertel der Stimmen der Italiener war Beppe Grillos Fünf-Sterne-Bewegung die zweitstärkste Partei und der moralische Sieger des Urnengangs. Doch schon drei Monate später ist nicht mehr viel übrig von der Euphorie der Protest-Bewegung, die gegen die überbezahlte Politiker-Kaste zu Felde zieht und die ein neues Politik- und Wirtschaftssystem fordert – sozialer, aber auch liberaler. In den Kommunalwahlen machten nur noch halb so viele Wähler ihr Kreuz bei „Cinque Stelle“; prominente Befürworter distanzieren sich von Beppe Grillo und einzelne Abgeordnete erwägen bereits, eine eigene parlamentarische Gruppe zu bilden.

Was ist passiert? Durch seine kompromisslose Haltung, mit keiner der klassischen Parteien zu koalieren, hat sich der 64-jährige Grillo trotz seiner Macht im Parlament in die Außenseiterposition manövriert und die große Koalition zwischen der Mitte-Links-Partei PD, Montis Bündnis Bürgerwahl und Silvio Berlusconis PDL indirekt forciert. Dieses radikale Vorgehen hat auch viele seiner Wähler enttäuscht, wie die Einträge in seinem Blog zeigen.

Hinzu kommt, dass die Bewegung längst nicht mehr so viel in den Medien präsent ist wie noch zu Zeiten des Wahlgangs, als Grillo mit seiner Tsunami-Tour durch Italien pilgerte. Da die „Fünf Sterne“-Vertreter nicht an der Regierung sind, finden sie kaum Platz in den Hauptnachrichten. Zum Teil ist das auch selbst verschuldet, weil Beppe Grillo nur im Internet kommuniziert. Menschen, die nicht das Internet nutzen, sind von seiner Kommunikation ausgeschlossen.

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Seinen Parlamentariern hat Grillo zudem einen Maulkorb verordnet. Nur der Vorsitzende der parlamentarischen Gruppe Vito Crimi darf mit der Presse sprechen und das auch nur nach Absprache mit dem Anführer der Bewegung. In der Vergangenheit sind schon Mitglieder ausgeschlossen worden, weil sie es gewagt hatten, in Talkshows aufzutreten. Beppe Grillo selbst begründet das mit der Unerfahrenheit seiner Parlamentarier. „Die haben doch keine Erfahrung mit Medien, und die italienischen Journalisten warten doch nur auf die Gelegenheit, sie bloßzustellen“, hat er im März gegenüber dem Handelsblatt gesagt.

Doch nicht allen gewählten Volksvertretern passt diese Linie. Einige fühlen sich bevormundet: Als Grillo verlangte, dass die Abgeordneten nur 2500 Euro ihrer Diäten behalten sollten statt wie im Wahlkampf angekündigt die Hälfte der insgesamt 10 000 Euro, die ihnen an Bezügen zustehen, rebellierten sie. Nach Zeitungsberichten diskutieren einige bereits schon über die Gründung einer eigenen Gruppe.

Kommentare (15)

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Dissident

31.05.2013, 16:42 Uhr

Ach, hier darf man kommentieren, liebe Handelsprawda? Damit die Hasskommentare Platz haben und der AfD dieses Schicksal voraussagen können?

Justus

31.05.2013, 16:44 Uhr

Und so wird es der AfD auch gehen. Und das ist auch gut so.Diese Deppen braucht kein Mensch.

Dissident

31.05.2013, 16:55 Uhr

Na, das war ja ein Volltreffer *lach*

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