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05.06.2012

22:10 Uhr

IWF-Chefin

Lagarde fordert "Masterplan" zur Euro-Rettung

Ohne ein vernünftiges Gesamtkonzept fehle der Euro-Zone die Entschlossenheit, so Christine Lagarde. Für eine gemeinsame Vision sei ein „Masterplan“ wichtig. Auch die USA fordern ein beherztes Vorgehen.

IWF-Chefin Christine Lagarde. Reuters

IWF-Chefin Christine Lagarde.

RigaIWF-Chefin Christine Lagarde hat ein Gesamtkonzept zur Bewältigung der Euro-Schuldenkrise angemahnt. "Der 'Masterplan', zu dem sich alle bekennen, ist wichtig, weil er eine Vision schafft", sagte Lagarde am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters am Rande einer Konferenz in Lettland. So entstehe eine kollektive Entschlossenheit. "Und das fehlt im Moment."

Nicht unbedingt notwendig seien dagegen Fristen, um die Euro-Zone aus ihrer Schuldenmisere zu befreien. "Ich bin kein großer Fan von diesen Zielen, die ohnehin verfehlt werden", fügte die Französin an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) hinzu.

Eine solche Frist hatte US-Großinvestor George Soros am Samstag ausgegeben. Die Rettung des Euro hänge an Deutschland und zur Lösung der Krise habe die Bundesregierung nur noch rund drei Monate Zeit, sagte Soros.

Lagarde erklärte weiter, die Verantwortlichen in der Euro-Zone müssten ihre Entscheidungen zwar eher früher als später treffen. Allerdings sollten sie sich vor allem auf einen umfassenden Katalog von Grundsätzen einigen, der dann im Laufe der Zeit umgesetzt werde solle. Nachdem die hoch verschuldeten Länder Griechenland, Irland und Portugal bereits unter Rettungsschirme mit Beteiligung auch des IWF geschlüpft sind, richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf Spanien. Vor allem das Bankensystem der ungleich größeren Volkswirtschaft gibt in der Euro-Zone Anlass zur Sorge.

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Ursprünglich sollte Spanien bis 2013 die Drei-Prozent-Defizitgrenze unterschreiten.

Lagarde sagte, kurzfristig müssten auf jeden Fall Entscheidungen über den spanischen Bankensektor gefällt werden. Sie wies Mutmaßungen zurück, die Regierung in Madrid habe den IWF um Hilfen für die Rekapitalisierung der Institute gebeten. Spanien hatte zuletzt eingeräumt, an den Finanzmärkten kaum noch an frisches Geld zu kommen. Begleitet von diesem Alarmruf berieten die sieben führenden Industriestaaten über Schritte zur Entschärfung der Schuldenkrise.

Auch die USA haben die Europäer erneut zum beherzten Vorgehen gegen die Schuldenkrise aufgerufen. „Es ist viel Arbeit zu erledigen in Europa“, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Dienstag in Washington. Dazu zählten die Umsetzung „sehr strenger“ Stresstests für Banken und die Rekapitalisierung der Finanzinstitutionen. „Eine Bewegung, das Finanzsystem in Europa zu stärken, ist in dieser Zeit von besonderer Wichtigkeit.“

Positiv hob Carney die Telefonkonferenz der Finanzminister und Notenbankchefs der reichsten Industriestaaten der Welt (G7) am selben Tag hervor, die Fortschritte auf dem Weg zur Finanz- und Fiskalunion in Europa erhoffen ließen: „Ich kann sagen, dass sich die europäischen Politiker mit einem erhöhten Bewusstsein für Dringlichkeit zu bewegen scheinen, und das begrüßen wir.“ Die USA hofften, dass das Tempo noch weiter anziehen werde.

Die USA betrachten die politische Reaktion auf die Schuldenkrise in Europa seit langem mit großer Skepsis. Ihrer Ansicht nach tun die Regierungen zu wenig, um das Wachstum anzukurbeln. Dabei schwingt auch die Sorge mit, dass die Krise auf der anderen Seite des Atlantiks dem Wirtschaftswachstum in den USA schadet.

Von

rtr

Kommentare (23)

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Wutbuerger

05.06.2012, 22:39 Uhr

Macht den Nuttenverein endlich dicht. Razzia!

Rainer_J

05.06.2012, 23:14 Uhr

Der "Masterplan" ist nun wirklich ganz einfach. Der Euro (eine absolute Fehlkonstruktion) wird abgeschafft und nicht gerettet! So einfach ist das!

neuhier

05.06.2012, 23:46 Uhr

In der "normalen" Wirtschaft sind Unternehmen, die nicht wettbewerbsfähig sind dem Konkurs geweiht.So etwas nennt man auch "Marktbereinigung". Es gibt immer einen den man dann zur Verantwortung zieht. Aber dies gilt nicht für Unternehmen, im Banken oder Versicherungs Unternehmen tätig sind. Diese Dekadenz, die diese Damen und Herren an den Tag legen sind ein blanker Hohn für alle Unternehmer die jeden Tag wirtschaftlich arbeiten und ihre private Existenz auf Spiel setzen wenn sie mal eine Fehlentscheidung getroffen haben. Wer schützt eigentlich den Mittelstand? Der die ganzen Steuern einbringt, der Arbeitsplätze schafft? Ein pleite gegangener Mittelständer bekommt keinen Rettungsschirm.

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