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23.05.2011

10:18 Uhr

IWF-Chefposten

Mexikos Kandidat gilt als brillanter Ökonom

VonKlaus Ehringfeld

Mexiko schickt überraschend seinen Zentralbankchef Agustín Carstens ins Rennen um den Posten des IWF-Chefs. Er gilt als brillanter Ökonom und verfügt über IWF-Erfahrung.

Mexikos Zentralbankchef Agustín Carstens in Washington. Quelle: Reuters

Mexikos Zentralbankchef Agustín Carstens in Washington.

Mexiko Der 52-Jährige verfügt über beste Kenntnisse des Internationalen Währungsfonds. Er war zwischen 1999 und 2000 sowie von 2003 bis 2006 in führender Position beim IWF in Washington tätig. Zuletzt als einer der Vize-Direktoren. Mexikos Finanzminister Ernesto Cordero überraschte am Sonntagmittag (Ortszeit) mit der Entscheidung, Carstens zu nominieren. Die Suche nach dem neuen IWF-Managing-Direktor Chef solle „offen, transparent und basierend auf den Verdiensten und den Fähigkeiten“ der Person erfolgen, hieß es in der Erklärung. Es wird damit gerechnet, dass die mexikanische Regierung die Bewerbung ihres Spitzenökonomen bereits am Montag offiziell macht.

Carstens genießt in der internationalen Finanzwelt einen hervorragenden Ruf. Sein früherer Chef, der ehemalige IWF-Chef Rodrigo Rato, lobte seinen „scharfen Verstand und sein analytisches Geschick“. Unklar ist, ob das Vorpreschen Mexikos mit anderen Schwellenländern abgestimmt ist. Denn insbesondere mit dem BRIC-Staat Brasilien herrscht traditionell große Rivalität auf internationalem Parkett. Daher ist nicht sicher, ob die Bewerbung Carstens‘ Aussicht auf Erfolg haben könnte.

Mit Carstens Nominierung reiht sich Mexiko in die Reihe der Staaten ein, die am traditionellen Anspruch Europas auf den IWF-Chefposten rütteln. Zuvor hatten bereits China, Brasilien und zuletzt Australien Kritik angemeldet. Finanzminister Wayne Swan sagte am Wochenende, die Spitzenposition dürfe nicht „begrenzt“ auf bestimmte Kontinente oder Nationen sein. Auch Mexiko hatte nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn umgehend deutlich gemacht, dass die Nationalität bei der Berufung des neuen IWF-Chefs nicht die Hauptrolle spielen dürfe. Als Favoritin der Europäer hat sich die französische Finanzministerin Christine Lagarde herauskristallisiert.

Mexiko, das 2012 den G-20-Vorsitz übernimmt, dokumentiert mit der Nominierung ihres obersten Notenbankers den Anspruch auf mehr Spitzenposten in internationalen Organisationen. Es ist auch ein Versuch, aus den negativen Schlagzeilen zu kommen, die das Land vor allem wegen des außer Kontrolle geratenen Drogenkriegs erntet.

Darüber hinaus ist Carstens aber ein hervorragend geeigneter Kandidat. Er ist praktisch in der mexikanischen Zentralbank Banxico groß geworden, wo er schon in den achtziger Jahren nach seinem Wirtschafts-Examen an der mexikanischen Eliteuniversität ITAM anheuerte und sich um Internationales, die Devisenreserven und Marktanalyse kümmerte. Anschließend promovierte er an der Universität von Chicago und kehrte zur Banxico zurück, wo er von 1994 bis 1999 als Chefökonom arbeitete.

Der IWF und die Suche nach einem Chef

Wie das Stimmrecht im IWF verteilt wird

Das Kapital des IWF stellen die 187 Mitgliedsländer. Jedem Staat wird ein Kapitalanteil (Quote) zugeordnet. Je höher die Quote, desto mehr muss das Land einzahlen. Damit verbunden sind aber auch Stimmrechte. So haben die USA einen Stimmanteil von 16,7 Prozent, Japan von 6,25 Prozent und Deutschland von 5,8 Prozent. Zentrale Beschlüsse im IWF müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden. Die USA verfügen somit de facto über eine Sperrminorität.

Wie der IWF geleitet wird

Entscheidungen werden vom IWF-Stab unter Leitung des Geschäftsführenden Direktors vorbereitet und vom Exekutivdirektorium gebilligt. Dieses Führungsgremium besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedsstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer, die in Stimmrechtsgruppen zusammengefasst sind. Die Direktoren wählen ihrerseits den Geschäftsführenden Direktor (Managing Director, kurz MD). Der MD hat eigentlich kein Stimmrecht, kann jedoch bei Stimmenparität mit seinem Votum den Ausschlag geben. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Als Kontrollorgan fungiert das Exekutivdirektorium, das dem MD die Amtsführung entziehen kann. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.

Wie die wichtigen IWF-Posten besetzt werden

Die großen Wirtschafts- und Währungsräume USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. Demnach stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. Diesen wichtigen Posten hatte auch der spätere deutsche Bundespräsident Horst Köhler von 2000 bis 2004 inne. Insbesondere die Schwellenländer dringen jedoch seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des
MD ausgeschrieben wird. Bei der Wahl von Strauss-Kahn hatten diese Staaten bereits die informelle Zusage erhalten, dass der nächste IWF-Chef nicht mehr nach der alten „Erbhof-Politik“ bestimmt werden soll. In den Statuten ist diese Änderung jedoch ebenso wenig wie die alte Regelung verankert.

Kommentare (1)

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sailing

23.05.2011, 10:54 Uhr

man kann nur hoffen, dass man sich für eine Person entscheidet die zumindest vom Fach ist (Ökonom).

Keine Juristen oder sonstige Abenteurer sind für diesen Job geeignet.

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