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09.07.2015

18:57 Uhr

IWF-Chefvolkswirt

Aufschub für Griechenland nicht möglich

Aufschub der Kreditzahlungen? Nach Ansicht des IWF-Chefvolkswirts Olivier Blanchard ist das keine Option. Eine solche Maßnahme käme einer weiteren Unterstützung gleich, so der Ökonom. Entschieden ist aber noch nichts.

Der Antrag der griechischen Regierung auf Aufschub der Kreditrückzahlungen würde Hilfszahlungen gleichkommen, so der IWF – und würde daher nicht bewilligt, ginge es nach IWF-Chefvolkswirt Blanchard. dpa

Antrag abgelehnt

Der Antrag der griechischen Regierung auf Aufschub der Kreditrückzahlungen würde Hilfszahlungen gleichkommen, so der IWF – und würde daher nicht bewilligt, ginge es nach IWF-Chefvolkswirt Blanchard.

WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) darf nach Ansicht seines Chefvolkswirts dem Antrag des von der Staatspleite bedrohten Griechenlands auf Aufschub von Kreditrückzahlungen nicht stattgeben. Athen sei im Zahlungsverzug und dürfe daher unter den IWF-Statuten keine weitere finanzielle Unterstützung bekommen, sagte Olivier Blanchard am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Washington. Der von der griechischen Regierung gewünschte Aufschub würde aber einer finanziellen Hilfe gleichkommen.

Griechenland war in der vergangenen Woche als erstes Industrieland beim Währungsfonds in Zahlungsverzug geraten. Athen ließ die Frist für eine fällige Rate von 1,5 Milliarden Euro verstreichen. Zuvor hatten Griechenlands Euro-Partner ihr Hilfsprogramm für Athen auslaufen lassen, nachdem Verhandlungen über eine Verlängerung geplatzt waren.

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Griechenland braucht eine neue Drachme. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, empfiehlt, Bankguthaben zu einem anderen Wechselkurs auf die neue Währung umzustellen als Preise und Löhne.

Kurz vor Ablauf der Frist beim IWF hatte die Regierung in Athen noch einen Antrag auf Verlängerung eingereicht. Griechenland beruft sich auf eine Klausel in der Charta des Währungsfonds, die theoretisch die Verschiebung der Ratenrückzahlung um bis zu fünf Jahre erlaubt. In der Geschichte des IWF geschah dies aber erst zwei Mal: Nicaragua und Guyana bekamen beide im Jahr 1982 eine Gnadenfrist.

Die offizielle Entscheidung des IWF-Exekutivrats über das griechische Ersuchen steht noch aus. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte eine Fristverlängerung für Athen in den vergangenen Wochen aber ausgeschlossen. Auch die Äußerungen von Blanchard deuten darauf hin, dass sich Griechenland nicht zu große Hoffnungen machen sollte. Am 13. Juli muss Griechenland erneut 455 Millionen Euro an den Währungsfonds zurückzahlen. Eine weitere Rate von 284 Millionen Euro wird am 1. August fällig.

Diese Banken erwarten den „Grexit”

Schreckgespenst „Grexit”

Bis zum 12. Juli hat Griechenland noch die Chance, sich vor der Pleite zu retten. So viel Zeit haben die Gläubiger der griechischen Regierung gegeben, um kompromisstaugliche Reformvorschläge vorzulegen. Für viele Analysten ist der Deal aber bereits gelaufen. Seit dem Referendum, bei dem mehr als 60 Prozent der Griechen mit einem „Nein” gegen die Sparauflagen der Gläubiger stimmte, rechnen viele Banken mit einem Euro-Austritt Griechenlands, einem „Grexit”. Und die Liste der Pessimisten wird immer länger.

Bank of America Merrill Lynch

„Wir glauben, dass im Moment alle nötigen Bedingungen für einen „Grexit” vorhanden sind. Offenbar sieht das die Mehrheit der anderen EU-Staaten ähnlich. Es gibt zwar eine kleine Chance, ihn abzuwenden. Aber dazu müsste Tsipras die Gläubiger schon positiv überraschen.”

Barclays

„Der Austritt Griechenlands ist für uns das wahrscheinlichste Szenario. Sich mit der griechischen Regierung auf einen Kompromiss zu verständigen, wird für die EU-Politiker wird extrem schwer sein. Sie hat bereits einen Deal abgelehnt und einen neuen Kompromiss wird sie der Bevölkerung zu Hause nur schwer verkaufen können.”

Citigroup

„Wir haben unsere Meinung geändert und glauben nun, dass ein „Grexit” das wahrscheinlichste Szenario darstellt. Entweder wird das kurzfristig innerhalb der nächsten Monate passieren oder aber in den nächsten ein bis drei Jahren. Die die zu unserer Meinungsänderung beigetragen haben, sind das Nein-Referendum am 5. Juli sowie die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. Trotz des höheren Austrittsrisikos glauben wir dennoch, dass ein kurzfristiger Deal zustande kommen kann. Doch selbst ein solcher Kompromiss wird das mittelfristige Risiko für einen „Grexit” nicht vom Tisch räumen können. ” 

Deutsche Bank

„Dass ein Deal am Sonntag kurz nach Mitternacht zustande kommt, ist möglich. Aber es wird knapp.”

JP Morgan

„Ein „Grexit” erscheint uns derzeit wahrscheinlicher als kein „Grexit”.”

BMO Capital Markets

„Wir glauben, dass Griechenland mit einer 60-prozentigen Wahrscheinlichkeit in der nahen Zukunft den Euro verlässt.”

Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)

„Ein Austritt Griechenlands könnte der Tropfen sein, der für die globalen Märkte für Aktien, Devisen und Anleihen das Fass zum Überlaufen bringt. Bereits jetzt drohen Risiken durch eine mögliche Änderung der US-Geldpolitik. Auch droht Ansteckungsgefahr für die Märkte anderer Industrienationen, auf welche diese nicht unbedingt schnell reagieren könnten.”

ING

„Ein Kompromiss ist zwar nach wie vor möglich. Doch die scharfen Worte der EU-Politiker in den vergangenen Woche in Richtung Griechenland legen nahe, dass nicht nur die Zeit für einen Deal knapp wird, sondern auch die Geduld der Gläubiger.”

Von

afp

Kommentare (6)

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Herr Teito Klein

10.07.2015, 07:37 Uhr

Tsipras hat eine neue Listen mit Ankündigungen an die Eurokraten geschickt
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Die Eurokraten jubeln.
Tsipras wird diese "Ankündigungen" wie bisher auch, nicht umsetzen.
Beim Referendum an Sonntag wurden sie ja mit über 61% abgelehnt.

Griechenland fordert ein 3. "Hilfspaket" und einen 2. "Schuldenschnitt".
Sie fordern auch einen Rauswurf des IWF da der zu harte Bedingungen stellt.
Draghi - Er ist ja Italiener - sagte Tsipras seine uneingeschränkte Unterstützung zu.
Merkel, Juncker und Dijsselbloem sind zu allem bereit.

Aufschub der Kreditzahlungen? Nach Ansicht des IWF-Chefvolkswirts Olivier Blanchard ist das keine Option. Eine solche Maßnahme käme einer weiteren Unterstützung gleich, so der Ökonom.

Herr Teito Klein

10.07.2015, 07:54 Uhr

It' the final Countdown
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■ Tsipras: Wir zahlen nicht!
■ Merkel: Das müsst ihr auch nicht!
■ Tsipras: Wir fordern einen Schuldenschnitt!
■ Merkel: Wieviel darf es denn sein? Reichen 350 Milliarden?
■ Tsipras: Und wir fordern ein weiteres "Hilfspaket" von 350 Milliarden.
■ Merkel: ist schon unterwege. Es ist ja "alternativlos"!

Herr Teito Klein

10.07.2015, 08:50 Uhr

Tsipras will 53,5 Milliarden Euro
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Dafür bietet er an, eventuell, vielleicht, unter Umständen, über Reformen nachzudenken. Das ist aber eher unwahrscheinlich.
Aber er fordert schon 53,5 Milliarden neue Geldgeschenke. Und zwar ohne Gegenleistung, versteht sich.

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