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15.05.2017

14:13 Uhr

IWF-Forderung

Deutschland soll Investitionen steigern

Der IWF sieht weiterhin großen Spielraum bei Deutschlands Investitionen. Zudem mahnt der Fonds eine Rentenreform an, die Anreize gibt, länger zu arbeiten. Damit könnten auch die Alterseinkommen höher ausfallen.

Durchwachsenes Zeugnis für Deutschland AP

IWF-Direktorin Christine Lagarde

Durchwachsenes Zeugnis für Deutschland

BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) fordert von Deutschland Steuerentlastungen sowie höhere Löhne und zusätzliche Investitionen. „Der zur Verfügung stehende finanzielle Spielraum sollte genutzt werden für Initiativen, um das Wachstumspotenzial ebenso zu verbessern wie Investitionen in die Infrastruktur und Digitalisierung, Kinderbetreuung, Flüchtlingsintegration und für eine Senkung der Steuerlast auf Arbeit“, heißt es in den am Montag in Berlin vorgelegten Empfehlungen für Deutschland.

Darin wird zugleich angemahnt: „Ein nachhaltiger Anstieg der Löhne und Inflation in Deutschland ist erforderlich, um die Preissteigerung in der Eurozone anzuheben und eine Normalisierung der Geldpolitik zu erleichtern.“ IWF-Expertin Enrica Detragiache sagte, der Fonds wisse natürlich, dass die Lohnpolitik Sache der Tarifpartner sei. Aber eine stärkere Lohndynamik wäre hilfreich für die Wirtschaft und würde die Binnenkonjunktur ankurbeln. In diesem Zusammenhang fordert der IWF erneut einen Abbau der hohen deutschen Handelsüberschüsse.

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Der Fonds spricht sich für eine weitere Rentenreform aus. Diese müssten einen Anreiz schaffen, länger zu arbeiten. Dies würde unter anderem Einkommen im Alter erhöhen und die Notwendigkeit reduzieren, für den Ruhestand zu sparen. Aus Sicht der IWF-Experten hat sich die Einkommensungleichheit zwar weitgehend stabilisiert. Sie warnen aber vor Armutsrisiken. Diese müssten weiterhin aufmerksam beobachtet werden. Bei Maßnahmen gegen Armut sollten aber die Errungenschaften der vergangenen Arbeitsmarktreformen bewahrt werden, heißt es weiter.

Die anziehenden Immobilienpreise in Deutschland rechtfertigen nach Meinung eine enge Überwachung des Marktes. Um das Angebot von Wohnimmobilien kurzfristig zu steigern, müssen die bereits eingeleiteten Maßnahmen ergänzt und Kommunen ermutigt werden, Beschränkungen aufzuheben. Die deutschen Banken und Versicherer werden aufgefordert, ihren Umbau zu beschleunigen, um Profitabilität und Widerstandkraft zu erhöhen.

Der IWF berät sich mit allen Mitgliedsländern zur Lage der Wirtschaft, das sind die „Artikel-IV Konsultationen“. Erst wird eine vorläufige Bilanz vorgelegt. Im Juni wird der IWF dann offiziell die Konsultationen abschließen. Insgesamt bescheinigt der Fonds Deutschland, dass sich die offene und innovative Wirtschaft gut entwickelt habe - untermauert durch „umsichtiges Wirtschaftsmanagement“, frühere Strukturreformen und ein gut entwickeltes soziales Sicherheitsnetz. Das Beschäftigungswachstum sei stark, die Arbeitslosenquote liege auf einem Rekordtief.

Dennoch blieben das Lohnwachstum und die Kerninflation weiter gedämpft. Unternehmensinvestitionen fehle es an Dynamik, die Demografieprobleme belasteten die langfristigen Wachstumsaussichten: Deutschland sollte eine Reihe von Fiskal- und Strukturmaßnahmen angehen, um seine Stärken zu sichern und die Herausforderungen zu bewältigen - einschließlich der Verringerung externer Ungleichgewichte.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Rainer von Horn

15.05.2017, 14:30 Uhr

Zitat 1:
"Der IWF sieht weiterhin großen Spielraum bei Deutschlands Investitionen."

Sehe ich genauso. So könnten wir beispielsweise italienische, französische und spanische Firmen einladen, die deutsche Infrastruktur auf Vordermann zu bringen, dann könnten wir uns die macron´sche Transferunion sparen.

Was aus dem Artikel nicht hervorgeht: der IWF hat seine Gedankenspiele um eine Vermögenssteuer aus dem Jahre 2014 dieser Tage noch mal bekräftigt.....
Zitat 2:
"Zudem mahnt der Fonds eine Rentenreform an, die Anreize gibt, länger zu arbeiten. Damit könnten auch die Alterseinkommen höher ausfallen."

Wow, welch eine Erkenntnis. Das hgöchste Alterseinkommen hätte man doch dann, wenn man sich seine komplette Rente ein Monat vor dem Abledeb auszahlen liesse. :)




Herr Heinz Keizer

15.05.2017, 14:32 Uhr

Der IWF sollte mal Vorschläge an Problemländer machen, anstatt unsinnige Forderungen an Deutschland zu stellen. Vieles von dem, was der IWF fordert kann die Regierung gar nicht umsetzen, da wir ja doch noch ein gewisses Maß an Marktwirtschaft haben. Andere Forderungen sind schlichtweg unsinnig. Eine höhere Inflation kann doch wohl nicht erstrebenswert sein. Sie geht eindeutig z.L. der Rentner und Geringverdiener. Deutschland nähert sich der Vollbeschäftigung. Wenn also Investitionsprogramme aufgelegt werden, wer soll die umsetzen? Das müßten dann ja Firmen aus Ländern machen, die ein Exportdefizit nach Deutschland haben. Äußerst unwahrscheinlich. Wenn man mehr Konsum will, könnte man bei den hohen Steuereinnahmen auch die MWSt senken. Dann hätten die unteren Einkommenschichten mehr zur Verfügung, ohne dass es die Kosten der Betriebe erhöht. Oder aber das EEG abschaffen. Davon würden auch die Sozialschwachen überdurchschnittlich profitieren.

Herr Holger Narrog

15.05.2017, 14:38 Uhr

Ich nehme an, dass Fr. Lagarde sich mit Macron zusammengespannt hat um ein "Investitionsprogramm" im Sinne Frankreichs zu gestalten. Es gilt Deutschland zu melken bis die Milch aus dem Eimer schwappt.

Ein grosser Teil dieser "Investitionen" dürfte in Frankreich landen, die verbleibenden wenig Ertrag bringen.

Sachlich gesehen bringen Investitionen dann einen Ertrag wenn die Vorraussetzungen passen. In Deutschland gibt es ein starkes regulatorisches Umfeld, hohe Steuern und eine Ökoreligion die viele Branchen abwürgt. Insofern macht eine Ausweitung von Investitionen wenig Sinn.

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