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22.09.2011

13:25 Uhr

IWF-Jahrestagung

Die Angst vor dem zweiten Banken-Beben

Die Banken werden wie seit 2008 nicht mehr erschüttert: Ratingagenturen stufen sie herab, der internationale Währungsfonds verlangt neue Finanzspritzen, um die größten Risiken abzusichern. Was kann das Beben stoppen?

DüsseldorfAuf die Notenbanker und Finanzminister, die heute in Washington zur Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenkommen, wartet eine Menge Arbeit: Wegen der Euro-Schuldenkrise und den Börsenturbulenzen wackeln die Banken der Welt bedrohlich. Die Warnungen vor einer neuen Finanzkrise könnten eindringlicher nicht sein: Nach der Lehman-Pleite 2008 waren Regierungen und Aufsichtsbehörden entschlossen, keine Großbank fallen zu lassen. Heute bestehen daran erhebliche Zweifel: Die Ratingagentur Moody's hat am Mittwoch die Bank of America, Wells Fargo und die Citigroup herabgestuft, drei der größten US-Banken, herabgestuft. Zur Begründung hieß es, es sei weniger wahrscheinlich, dass die US-Regierung einschreiten werde, um die Kreditinstitute vor einer Pleite zu bewahren.

Zwar würde die Regierung voraussichtlich ein gewisses Maß an Hilfe für Finanzinstitute gewähren, teilte Moody's mit. Es sei zugleich aber wahrscheinlicher, dass das Scheitern einer in Schwierigkeiten geratenen Großbank hingenommen werde, als während der Finanzkrise 2008. Die Gefahr, dass eine Pleitebank andere Institute mit in den Abwärtsstrudel reißen könnte, sei nun nicht mehr so akut wie noch vor drei Jahren, hieß es.

Hinzu kommt die weiter schwelende Euro-Schuldenkrise: Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte am späten Mittwoch die Kreditwürdigkeit von sieben italienischen Banken herab und drohte damit, dass dies auch bei acht weiteren Häusern geschehen könnte, nachdem die Agentur erst am Montag die Bonität des italienischen Staats von „A+“ auf „A“ herabgestuft und den Ausblick auf „negativ“ gesetzt. Die Agentur begründete diesen Schritt mit den ihrer Meinung nach schlechter werdenden Wachstumsaussichten für die Wirtschaft und den politischen Streitigkeiten im Land.

Die Angst vor einen neuen Crash ist inzwischen so groß, dass selbst Aufsichtsbehörden davor warnen, die nicht unbedingt für Alarmismus bekannt sind. Der bei der EZB angesiedelte Europäische Systemrisikorat (ESRB) hat am Mittwoch mit deutlichen Worten vor einer Verschärfung der Finanz- und Schuldenkrise gewarnt. Die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems hätten sich seit dem Sommer „merklich erhöht“, teilte der Rat aus Notenbankern und Finanzaufsehern am Mittwoch in Frankfurt mit.

Es bestehe durch die enorme Vernetzung von Finanz- und Realwirtschaft zudem die Gefahr, dass die Krise auf die Realwirtschaft übergreife - „in Europa und darüber hinaus“. Die Ansteckungsgefahren hätten sich zuletzt „signifikant erhöht“, hieß es - größte Risiken für die Finanzstabilität in Europa seien die Schuldenkrise in der Euro-Zone, Refinanzierungsprobleme vieler Banken und die absehbare globale Konjunkturabkühlung. Der ESRB wurde in Reaktion auf die erste Phase der Finanzkrise 2007 bis 2009 im Rahmen einer Neuordnung der Banken- und Finanzaufsicht in Europa ins Leben gerufen.

Kommentare (17)

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22.09.2011, 13:51 Uhr

Der Crash wird kommen... das steht schon mal fest! Eine "Rettung" durch den Steuerzahler wird es dann nicht geben, weil die Staaten selbst am Abgrund stehen. Wir stehen vor historischen Veränderungen..., vielleicht wird eine neuerliche Krise sogar das Papiergeldsystem als Ganzes in Frage stellen. Fakt ist, dass weder die Regierungen noch die Banken aus der Lehman-Pleite etwas gelernt haben. Damals waren es Immobilien (und keiner hat gefragt, was diese eigentlich wert sind, bzw. ob man sie im Extremfall überhaupt massenhaft verwerten kann ohne riesige Preiseinbrüche hinnehmen zu müssen...) und heute sind es Staatsanleihen (die jeder Trottel gekauft hat, ohne sich ernsthaft Gedanken zu machen wie hoch verschuldete Staaten, die seit 50 Jahren keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorgelegt haben, diese horrenden Schulden überhaupt bedienen sollen). Aber... die Politiker haben kein Interesse an einer ECHTEN Bankenregulierung..., brauchen sie doch die Kreditwirtschaft, damit die Banken ihnen die (bald wertlosen) Schuldverschreibungen aus der Hand reißen. Diese wiederrum sind für die Politiker wichtig, damit sie den Wählern weiterhin Geschenke machen und so ihren Verbleib an der Macht sichern können. Die "Wahrheit" sagt schon lange niemand mehr - und es will sie auch niemand hören...!

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22.09.2011, 13:52 Uhr

Das Problem ist hier doch die fehlende Transparenz.

Fragen die Banken öffentlich nach Kapitalspritzen, dann outen sie sich quasi als Pleitekandidat und müssen den Bank Run fürchten.

Ohne die Transparenz ist es aber auch für jeden Investor schwierig zu entscheiden ob man der Bank guten Gewissens Geld geben kann.

Die Frage ist, warum haben wir diese Transparenz nicht? Vielleicht ist alles viel schlimmer als wir denken? Der Verdacht liegt in der Tat nahe.

Account gelöscht!

22.09.2011, 14:13 Uhr

Welches volkswirtschaftliche Paradigma ist geeignet, die Situation zu beschreiben? Der Monetarismus, der Keynesianismus, der Kommunismus oder die Österreichische Schule der Nationalökonomie?
Der Keynesianismus hat versagt - er ist für die ausufernde Staatsverschuldung aller westlichen Staaten verantwortlich. Größter Fürsprecher und Beginner dieser Entwicklung war übrigens Helmut Schmidt. Diesem größten anzunehmenden Weltökonom haben wir die Situation in Deutschland mit zu verdanken.
Der Kommunismus ist gescheitert. Das gab es jahrelang im Osten zu besichtigen.
Der Monetarismus, wie ihn früher die deutsche Bundesbank operationalisierte, kann dauerhaft auch nicht funktionieren: es gibt keine Wissenschaft von der optimalen Geldmenge - die Beobachtungen betreffen immer die Vergangenheit, die Geldmenge die Zukunft. Da tut sich eine Schere auf.
Wer wirklich verstehen will, was hier passiert, dem empfehle ich www.mises.org - die österreichische Schule der Nationalökonomie. Die ist natürlich nicht der Mainstream, denn welcher Politiker lässt sich schon in seiner Selbstherrlichkeit, seinem "Schaffensdrang" einschränken - schuldenfinanzierte Wahlversprechen werden da nämlich abgelehnt. Auch der Gedanke, dass bedrucktes Papier namens Geld irgendwann keinen "Wert" mehr hat, entstammt dieser wissenschaftlichen Schule.
Es wird Zeit, diesem Paradigma die ihm zustehende Bedeutung endlich zu verschaffen.

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