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20.04.2012

04:45 Uhr

IWF-Kapitalaufstockung

Schwellenländer knüpfen Euro-Krisenhilfe an Reformen

Vor Beginn der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) streiten die Mitgliedsländer um die Macht im Gremium. Kanada und die BRIC-Staaten wollen den Einfluss Europas zurückdrängen.

Beim IWF wächst der Widerstand gegen eine Mittelerhöhung. dpa

Beim IWF wächst der Widerstand gegen eine Mittelerhöhung.

WashingtonDie erhoffte kurzfristige Aufstockung der IWF-Krisenabwehrmittel droht in Gefahr zu geraten. Heftiger Gegenwind kam am Donnerstag kurz vor Beginn der IWF-Frühjahrestagung in Washington von Kanada, aber auch von den wichtigsten Schwellenländern, den sogenannten BRICS-Staaten.

Kanadas Finanzminister Jim Flaherty hält die Anstrengungen zur Bekämpfung der Krise in einigen Euro-Ländern für immer noch nicht ausreichend. Zudem forderte er neue Regeln, die es den Europäern schwerer machten sollten, an Krisenhilfen des Fonds zu kommen. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega erklärte, die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika könnten noch keine Zusatzmittel für den IWF zusagen, weil die Bedingungen in Hinblick auf die verabredeten IWF-Reformen nicht erfüllt seien.

Dagegen äußerten europäische Politiker die Hoffnung, dass auf der IWF-Konferenz, die bis zum Wochenende andauert, die Beschlüsse für eine kräftige Mittelaufstockung beim IWF gefasst werden. „Ich hoffe sehr“, antwortete Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker Reuters auf eine entsprechende Frage. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen argumentierte, die Europäer hätte das ihre getan, um die IWF-Mittelerhöhung zu ermöglichen.

Und IWF-Chefin Christine Lagarde erwartet, dass sie neben schon zugesagten rund 320 Milliarden Dollar kurzfristig weitere Bereitschaftserklärungen erhält. Damit könnte die angestrebte Summe von mindestens 400 Milliarden Dollar erreicht werden. Zugleich machte Lagarde aber deutlich, der IWF sei nicht nur für Europa da, sondern wolle allen Ländern in Not helfen. Sie lobte, dass die Europäer ihre Rettungsschirme gegen Krisengefahren wie gefordert jüngst auf 800 Milliarden Euro, also rund eine Billion Dollar, aufgestockt hatten.

Der heftigste Widerstand kam von Kanadas Finanzminister Flaherty. Die Erfahrung zeige, dass sich krisenhaften Schocks oft urplötzlich und logisch nicht vorhersehbar ereigneten. Ihnen müsse daher mit überwältigenden, dramatischen Mitteln begegnet werden. „Offen gesagt, diese Art von Antwort sehen wir in Europa nicht“ bemängelte er.

Zudem kritisierte er, dass der IWF als Mitglied der Troika - der daneben noch die EU-Kommission und die EZB angehören - in den europäischen Krisenländern nicht eindeutig die Führung übernommen habe, sondern sich zu sehr einbinden habe lassen.

Flaherty forderte, Europa sollte seine große Zahl von Sitzen im IWF-Führungsgremium bei Entscheidungen über IWF-Krisenhilfen zu seinen Gunsten nicht mehr so leicht nutzen können. Er schlug zwei Abstimmungen in dem Gremium in solchen Fällen vor: eines der Europäer und einer der Nicht-Europäer im IWF-Board. Nur wenn beide zustimmten, solle es die Hilfen geben.

Kommentare (13)

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Olli

20.04.2012, 02:46 Uhr

Schließt sie endlich, diese dreckige Organisation!

so_what

20.04.2012, 03:10 Uhr

"Flaherty forderte, Europa sollte seine große Zahl von Sitzen im IWF-Führungsgremium bei Entscheidungen über IWF-Krisenhilfen zu seinen Gunsten nicht mehr so leicht nutzen können. Er schlug zwei Abstimmungen in dem Gremium in solchen Fällen vor: eines der Europäer und einer der Nicht-Europäer im IWF-Board. Nur wenn beide zustimmten, solle es die Hilfen geben.
In europäischen G20-Kreisen wurde vermutet, hinter dem kanadischen Vorstoß könnten die USA stehen, der größte und einflussreichste Anteilseigner des IWF, der dort auch über eine Sperrminorität in wichtigen Entscheidungen verfügt. Kritisiert wurde von den Europäern, dass es gerade die USA seien, die die schon 2010 verabredete IWF-Reform mit einer Verschiebung der Stimmgewichte zu Lasten der Europäer und zu Gunsten der großen Schwellenländer blockierten. Die Reform bedarf der Ratifizierung durch den US-Kongress, was jedoch wegen des US-Wahlkampfes in naher Zukunft unwahrscheinlich ist."

Na, dämmert es langsam, an wessen langem Arm wir nun hängen, dem Absturz freigegeben?

Es gab im Vorfeld etliche Warnungen, nur nicht den IWF mit ins Boot zu holen. Aber die Bedenken wurden dahingehend zerschlagen, daß der IWF doch die meiste Kenntnis habe, wie solche Situationen zu meistern seien.

Auch bei Argentinien ging der IWF Einsatz schief, man zog sich letztlich zurück.

.........

IWF schließt erstmals Zerfall der Euro-Zone nicht aus

Der aktuelle IWF-Bericht zur Lage der Weltwirtschaft hält erstmals ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone für möglich. Der IWF malt das Bild einer Schockwelle, die ähnliche Auswirkungen wie die Depression von 1930 haben könnte.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/04/18/iwf-schliesst-erstmals-zerfall-der-euro-zone-nicht-aus/

Nun dürfen die EURO-Kraten nur noch Stoßgebete gen Himmel schicken.





Petra

20.04.2012, 08:05 Uhr

Wer die Kapelle bezahlt, bestimmt welche Musik gespielt wird!

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