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01.07.2015

06:25 Uhr

IWF-Schulden

Nicht ein Cent kam aus Athen

VonMoritz Koch

Am Dienstag, Punkt 18 Uhr Washingtoner Zeit, ist eingetreten, was vor Ausbruch der Weltfinanzkrise undenkbar gewesen war: Eine entwickelte Volkswirtschaft hat Schulden beim Internationalen Währungsfonds nicht beglichen.

Griechenland zahlungsunfähig

IWF bestätigt - Griechenland hat fällige Zahlung nicht überwiesen

Griechenland zahlungsunfähig: IWF bestätigt - Griechenland hat fällige Zahlung nicht überwiesen

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Washington1,54 Milliarden Euro hätte die griechische Regierung überweisen müssen, doch bei Kassenschluss war das Geld nicht da, nicht ein Cent kam aus Athen. Ein Euromitglied zeigt ein Finanzgebaren, das bisher scheiternden Staaten wie Simbabwe, Sudan und Irak vorbehalten war.

„Ich kann bestätigen, dass die Zahlung, die für Griechenland fällig war, nicht eingegangen ist“, sagte ein Sprecher von IWF-Chefin Christine Lagarde. Vor Ablauf der Zahlungsfrist erreichte den Währungsfonds dafür ein Antrag auf eine Stundung der Zahlungen.

Man werde sich „zu gegebener Zeit“ damit beschäftigen, hieß es. Das letzte Land, das so einen Antrag gestellt hatte, war Nicaragua in den 80er-Jahren. Es gilt als ausgeschlossen, dass sich der IWF im Falle Griechenlands darauf einlässt.

Das war das letzte Angebot der Geldgeber an Athen

Rentenkürzungen und weitere Privatisierungen

Vertreter der Europäischen Union (EU), der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben nach Angaben von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) Griechenland zuletzt dieses Angebot unterbreitet. Im Gegenzug hätte sich Athen unter anderem zu Rentenkürzungen, einer Erhöhung der Mehrwertsteuer und weiteren Privatisierungen verpflichten müssen.

Griechische Anleihen

Schnelle Auszahlung der EZB-Zinseinnahmen aus griechischen Anleihen.

Verlängerung

Fünfmonatige Verlängerung des laufenden zweiten Hilfsprogramms mit weiteren Auszahlungen.

Drittes Hilfsprogramm

Angebot eines neuen dritten Hilfsprogramms.

Wachstumspaket

Ein 35-Milliarden-Euro-Wachstumspaket bis 2020.

Umschuldung

Angebot einer „Umschuldung“ (Streckung von Krediten), wenn Athen notwendige Reformen angeht.

Ultimatum

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums vom Montag endet das Angebot an diesem Dienstag, Mitternacht, mit Auslaufen des zweiten Hilfsprogramms.

Keine unmittelbaren Konsequenzen 

Solange der Ausstand nicht beglichen ist, kann Athen keine weiteren Hilfen vom Währungsfonds erwarten. Am Ende eines zweijährigen Prozesses, der eine schrittweise Erhöhung von Strafen vorsieht, darunter die Aussetzung der Stimmrechte, könnte der Ausschluss Griechenlands aus dem IWF stehen.

Doch es ist wichtig zu betonen: Diese Eskalationsstufe ist derzeit nur eine theoretische Möglichkeit, sie ist noch lange nicht erreicht. Obwohl in den vergangenen Jahren viel Vertrauen zerstört wurde, wird der IWF zunächst versuchen, die Schulden in Kooperation mit den Athener Behörden einzutreiben.

Unmittelbare finanzielle Konsequenzen hat der Zahlungsausfall nicht. Obwohl beim IWF derzeit noch ein Hilfsprogramm für Griechenland läuft, hätte Athen in den nächsten Monaten ohnehin mit keinen neuen Krediten rechnen können – es erfüllt die Reformauflagen nicht. Und weil der IWF ein öffentlicher, kein privater Gläubiger ist, werten die großen Ratingagenturen den Zahlungsausfall nicht als Staatspleite. Der IWF selbst spricht schlicht von einer „Nicht-Zahlung“.

Kommentare (69)

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Herr Ercole Domenico

01.07.2015, 08:09 Uhr

Eigentlich hätte Athen einen Cent zurückzahlen sollen, um den Guten Willen zu zeigen, dann wäre es keine totale Zahlungsunfähigkeit.
Mensch sind sie blöd alle diese hochbezahlte Chefs und Chefine!

Herr Jürgen Dannenberg

01.07.2015, 08:16 Uhr

Bitte eine was? Eine entwickelte Volkswirtschaft? s sehen die EU Staaten mittlerweile nicht, nach dem ganzen Blendwerk. Aber das die Geldgeberländer gute Geld, schlechtem hinterher schmeißen wollen entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Da muss man schon eine sehr, sehr schlicht gestricke Linke/Rechte Volksdenke haben.

Herr Neuer Neumann

01.07.2015, 08:19 Uhr

Es müssen offenbar noch mehrere Staaten pleite gehen, bis selbst dem letzten Ideologen irgendwann dämmert, dass Sozialismus nicht funktioniert.

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