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13.10.2012

04:49 Uhr

IWF-Tagung

Bankenverband fürchtet „Zombie-Banken“

Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken warnt: In Europa könnten „Zombie-Banken“ entstehen, wenn bankrotte Banken nicht abgewickelt werden. Auf der IWF-Tagung in Tokio äußerte er sich auch zur Politik der EZB.

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken. dapd

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken.

Frankfurt/TokioDie deutschen Privatbanken fordern radikale Aufräumarbeiten im europäischen Finanzsektor. Nur wenn die Sanierung der Geldhäuser vorangetrieben werde, könne die Schuldenkrise gelöst werden, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz, am Samstag laut Redetext auf der Herbsttagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds in Tokio.

Kreditinstitute ohne tragfähiges Geschäftsmodell müssten abgewickelt werden, "damit in Europa keine Zombie-Banken entstehen". Mit Blick auf die Milliardenhilfen für Spaniens Banken fügte Schmitz an: "Es darf nicht geschehen, dass eigentlich bankrotte Institute durch staatliche Alimentierung weiter künstlich am Leben gehalten werden." Die Mittel müssten sorgsam eingesetzt werden.

Auch die Geldmarktflutung durch die Europäische Zentralbank (EZB) macht dem BdB Sorgen. "Sie birgt die Gefahr, dass viele Institute diese Form der Liquiditätsausstattung für den Normalzustand halten", sagte Schmitz. Das dürfe aber nicht sein. "Wir brauchen bald wieder einen funktionierenden Geldmarkt. Und wir brauchen einen funktionierenden Wettbewerb zwischen den Instituten."

Eine auch auf EU-Ebene diskutierte Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken lehnen die deutschen Privatbanken weiter ab. „Die Annahme, durch eine Änderung der Bankenstruktur könne ein Beitrag zu einem stabileren Finanzsystem geleistet werden, ist falsch“, sagte Schmitz. „Deutschland braucht kein wie auch immer geartetes Trennbankensystem.“ Gefahren für die Finanzmarktstabilität könnten sowohl von Instituten mit einem breit aufgestellten Geschäftsmodell als auch von Spezial- und Investmentbanken ausgehen.

Am Rande der Tagung äußerte er sich auch zum Hilfsvorschlag von EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen für Griechenland. Ebenso wie zuvor die Bundesregierung blieb er dabei zurückhaltend. "Die Frage ist, wenn ein solches Rückkaufprogramm käme, wie schnell dann möglicherweise diejenigen, die verkaufen könnten oder wollten, dafür höhere Preise verlangen", sagte er.

Käme es zu einer solchen Preisbewegung, wäre der Effekt des Modells relativ gering. Das Kernproblem bleibe, dass selbst dann, wenn man Griechenland völlig entschulden würde, das Land am Ende des Jahres bereits wieder Schulden auf dem Konto hätte.

Asmussen hatte der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, er könne sich vorstellen, dass die Regierung in Athen Geld zur Verfügung gestellt bekomme und damit eigene Staatsanleihen auf den Märkten zurückkaufe. Nach seinen Worten könne so die hohe Schuldenquote des Landes gedrückt werden.

Staatsanleihen: Asmussen schlägt Athen Schuldenrückkauf per Kredit vor

Staatsanleihen

EZB-Direktor mit neuem Vorschlag

Die Griechen sollen ihre eigenen Staatsanleihen kaufen – und sich dafür Geld leihen.

Dies sei nötig, denn es zeichne sich ab, dass die Staatsverschuldung 2020 deutlich über dem angepeilten Wert liegen werde. "Daher muss man sich Elemente überlegen, um sich diesem Zielwert zu nähern. Dazu könnte ein Schuldenrückkauf gehören", sagte Asmussen. Woher das Geld für den Rückkauf kommen könnte, ließ Asmussen offen.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

13.10.2012, 08:05 Uhr

Wieso befürchtet? Ich sehe diese Zombiebanken schon lange.
Eine Bank die nicht arbeitet, ist was? Ein nützliches Mitglied einer Volks-Wirtschaft? Das sind die neuen Sozialhilfeempfänger, nur das die mehr, viel mehr, kosten als der Satz zum Existenzminimum.
Sehr vornehm hat der Mann das ausgedrückt :).
Reformen, der Leitbegriff im politischen Leben, jaja, nun sind die Arbeitsbienen reformiert, aber der Honig wird woanders versenkt.

Account gelöscht!

13.10.2012, 08:23 Uhr

„Die Annahme, durch eine Änderung der Bankenstruktur könne ein Beitrag zu einem stabileren Finanzsystem geleistet werden, ist RICHTIG“.
Weshalb sollte der solide Geschäftskunde mit seinen Einlagen die Risiken mittragen, die die Banken mit ihren Zockereien im Investmentbanking eingehen???

Felix_Steiner

13.10.2012, 08:49 Uhr

"<Zombie-Banken> könnten entstehen"? Der Mann ist ein echter Komiker. Wieviele Banken würden denn an einem Konkurs vorbeisteuern, wenn man ihre Bilanzen nach strengstem Vorsichtsprinzip erstellen würde?

Überschuldete Staaten halten Kurse hoch, im Grunde mit der Gelddruckmaschine, und damit keine Inflation entsteht bzw. Letztere niedrig gehalten wird, wird den ärmeren Teilen der Völker immer mehr Geld weggenommen. Kurse, die so oben gehalten werden, sind dann die Wertansätze für die Bewertung des Finanzvermögens. Und nun sollen "Zombie-Banken" vermieden werden? Na gut: Alle Banken sofort dichtmachen!

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