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30.06.2016

08:18 Uhr

IWF-Wachstumsprognose

Rüffel für den Musterschüler Deutschland

Zu wenig Investitionen, zu frühes Rentenalter: Der IWF wirft Berlin vor, zu wenige Reformen auf den Weg zu bringen – was der Wirtschaft schadet. Und warnt vor dem Risiko der Brexit-Auswirkungen für Deutschland.

IWF-Chefin Christin Lagarde korrigiert die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft erneut. AFP; Files; Francois Guillot

Christine Lagarde

IWF-Chefin Christin Lagarde korrigiert die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft erneut.

Washington/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft erneut korrigiert – unabhängig vom „Brexit“-Votum. Für das laufende Jahr ist der Fonds etwas optimistischer und rechnet nun mit einem Plus von 1,7 Prozent, wie aus dem Abschlusspapier der jährlichen Beratungen zwischen Bundesregierung, Bundesbank und IWF hervorgeht.

Für das Jahr 2017 dagegen senkte der IWF die Konjunkturprognose leicht nach unten auf nunmehr 1,5 Prozent. Allerdings dürften diese Zahlen nicht lange Bestand haben. Denn die Folgen des „Brexit“-Votums der Briten für einen EU-Austritt sind in dem aktuellen IWF-Ausblick noch nicht berücksichtigt.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Referendums in Großbritannien seien in dieser Prognose noch nicht eingearbeitet, betonen die IWF-Experten. Doch das Votum der Briten, die EU zu verlassen, sei ein Risiko für Deutschland, da es enge Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien habe. Die Experten verweisen aber auf Abwärtsrisiken – angesichts der unsicheren Weltwirtschaft, alternden Gesellschaft und geringer Fortschritte bei Strukturreformen.

IWF und Bundesregierung: Partner in der Dauerkrise

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Wachsende Entfremdung zwischen IWF und Berlin: Nach dem Streit um Athen droht nun ein Konflikt um die Geldmittel des Fonds. Der Währungsfonds will bilaterale Kredite in Milliardenhöhe verlängern, die Bundesbank sträubt sich.

Erst im April hatte der IWF seine Januar-Prognose korrigiert und war davon ausgegangen, dass die deutsche Wirtschaft 2016 um 1,5 und 2017 um 1,6 Prozent zulegt.

Nach den bereits im Mai bekanntgewordenen Empfehlungen fordert der IWF von Deutschland Reformen und mehr Investitionen in die Infrastruktur sowie Verlängerung der Lebensarbeitszeit. „Deutschland, Meister im Verordnen von Strukturreformen innerhalb der EU, braucht auch im eigenen Land eine große Dosis eben dieser Medizin“, schrieben Europa-Experten des IWF.

Dabei sollte Deutschland „früher oder später den politisch unpopulären Schritt tun und das Rentenalter weiter anheben“, schlugen sie vor. Das Arbeitsleben müsse verlängert werden, indem man das gesetzliche Rentenalter anhebt und das Weiterarbeiten über die Altersgrenze hinaus erleichtert. Es gebe finanziellen Spielräume innerhalb der Haushalts- und Schuldenregeln, um zusätzliche Investitionen zu tätigen.

Darüber hinaus drängte der IWF Deutschland dazu, mit einer erschwinglichen Vollzeit-Kinderbetreuung darauf hinzuwirken, dass Frauen häufiger und länger arbeiten könnten. Mit der Weiterbildung der vielen Zuwanderer aus dem Ausland könnte man diesen Menschen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern.

Auch beim Ausbau der digitalen Netze seien erheblich höhere Ausgaben nötig. Zudem sollte der Wettbewerb in einer Reihe von regulierten Berufen sowie bei Post und Bahn angekurbelt werden.

Kommentare (82)

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Herr Michael Müller

30.06.2016, 08:47 Uhr

Was für Opfer soll Deutschland noch bringen?

Vor der EU
- hatte Deutschland die härteste Währung der Welt
- war Deutschland Exportweltmeister (trotz der härtesten Währung der Welt!)
- haftetet Deutschland nicht für die Schulden europäischer Staaten und Banken
- hatte Deutschland ein funktionierendes Sozialsystem mit erheblichen Reserven

Vor der EU war das Deutsche Volk das wohlhabendste Volk in Europa. Laut aktuellen Studien der EZB zählt der Deutsche zu den ärmsten Einwohnern Europas!

Deutschland hat mit die höchste Steuerlast und wir weiter gemolken. Aktuelles Beispiel: Die Erbschaftststeuer gibt es in vielen Staaten Europas (Österreich, Luxemburg) nicht. Selbst im ursozialistischen Russland gibt es keine Erbschaftssteuer!!! Mit der Erbschaftssteuer werden die Unternehmer im internationalen Vergleich extrem belastet!!!! Woher sollten sonst die kalkulierten Mehreinnahmen kommen? Die ausländischen Unternehmer lachen darüber nur - die Konkurrenz aus Deutschland wird zunehmend weniger. Und nun auch noch später in Rente?

Herr Percy Stuart

30.06.2016, 08:55 Uhr

Klar, dem IWF geht's um weitere Verschuldung. Irgendwer muss sich ja neu verschulden, damit das Finanzsytem nicht kollabiert. Wenn es nicht die Staaten (da bereits massiv verschuldet und Schäubles schwarze Null) und die Privatpersonen (ebenso massiv verschuldet, zudem wegen Zukunftsängsten und der Unsicherheit zunehmend sparen) sind, dann bleiben bei der Neuverschuldung nur noch die Unternehmen (sprich Investitionen) übrig. Entweder verschuldet sich der Staat, oder es verschulden sich die Unternehmen, oder die Privaten, eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Und noch was zur Globalisierung, der bedeutet nämlich im Endeffekt die Umverteilung des Wohlstandes der Nationalstaaten auf aller Herren Länder. Wenn wir die Nationalwährungen noch hätten, wäre es niemals zu diesen Verheerungen gekommen. Die D-Mark war trotz aller Unkenrufe der Europrofiteure ein stabiler harter Anker, der auch den Arbeitnehmern durch eine starke Kaufkraft und billigen Importen zu Gute kam. Jetzt ist es genau andersrum, weiche Währung, perverse Exportüberschüsse und Konzerngewinne, die als Dank für ihre Profitmaximierung, Jobs auslagern, Lohndumping über Leiharbeit betreiben und durch Unternehmensverlagerungen in Steueroasen ihrer sozialen Verantwortuzng gegenüber dem Gemeinwohl der Gesellschaft nicht nachkommen. Wenn seit Jahren Unternehmensgewinne und Börsenkurse steigen, aber gleichzeitig Arbeitsplätze verlorengehen, Löhne und Gehälter sinken, Sozialleistungen und Rente gekürzt werden, hat dass anscheinend für viele nichts miteinander zu tun! Die Exportkonzerne und Finanzmarktakteure halten seit Jahren Politk und Bürger in Geiselhaft und erpressen sie über die Staatsverschuldungen, welche den zu geringen Steuereinnahmen geschuldet sind. Wenn die Einnahmenseite des Staates über Steuern nicht ausreicht, bleibt nur die Neuverschuldung übrig, oder eben die Kürzung durch Strukturreformen, welche wiederum das Wirtschaftswachstum zerstören und Arbeitsplätze zerstören.

Herr Hans Mayer

30.06.2016, 08:55 Uhr

"Mit der Weiterbildung der vielen Zuwanderer", ich habe immer gehört , die seien alle bestens Ausgebildet, es sollte sich bei diesen Menschen doch um Ärzte und Atomphysiker usw. handeln, oder jetzt etwa nicht?
Wieso fordert diese Alterssenile Tante nicht einmal etwas von anderen Ländern, etwa länger zu arbeiten?
Weltweit sieht es eher bescheiden aus, Schuldenberge, die Wirtschaft kommt nicht in Schwung, die EU vor dem Auseinanderfallen, vom Westen angezettelte Krieg, und wir sollen länger arbeiten.
Wenn das die wichtigsten Leute sind, in führenden Positionen,dann wirklich ,
Gute Nacht.

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