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21.01.2010

13:46 Uhr

IWF-Warnung

Auch Portugal entwickelt sich zum Pleitestaat

Die Problematik ausufernder Staatsfinanzen im Euroraum droht sich zu verschärfen. Nachdem die prekäre Haushaltslage Griechenlands die Finanzmärkte schon seit Wochen auf Trab hält, kommen nun Befürchtungen um Portugal hinzu.

Über Portugals Weinbergen verdunklen sich die Wolken. KNA

Über Portugals Weinbergen verdunklen sich die Wolken.

HB FRANKFURT. Auslöser waren jüngst kritische Worte des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Haushaltslage des „kleinen Nachbarn“ Spaniens. Der Euro reagierte mit weiteren Kursabschlägen und notiert zum US-Dollar mittlerweile auf dem tiefsten Stand seit Juli vergangenen Jahres.

Bereits am Mittwoch meldete sich der IWF zu Wort und mahnte zusätzliche Konsolidierungsschritte der portugiesischen Regierung an.

Andernfalls drohe das Regierungsziel verfehlt zu werden, das Haushaltsdefizit 2013 wieder unter die europaweite Höchstgrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken. Nachdem Portugal seinen Haushalt vor der Finanzkrise noch einigermaßen im Griff hatte, stieg das Defizit im vergangenen Jahr wieder spürbar auf rund acht Prozent der Wirtschaftsleistung. Ohne weitere Einsparungen sieht der IWF die Gefahr, dass der Schuldenstand Portugals bis 2013 von derzeit 80 Prozent auf über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ansteigt.

Im Vergleich zu Griechenland, dem Staat mit der schlechtesten Haushaltslage im Euroraum, stellt sich die Situation in Portugal nicht ganz so schlimm dar. Zum Vergleich: Griechenlands Neuverschuldung ist im abgelaufenen Jahr auf fast 13 Prozent des BIP angestiegen, und der Schuldenstand übertrifft mittlerweile die Wirtschaftskraft des Landes deutlich. Zudem muss sich Athen seit langem vorhalten lassen, dass sein Statistikamt nicht unabhängig arbeitet und die Defizit- und Schuldenquoten geschönt seien.

Auch die Commerzbank beurteilt Lage und Ausblick für Portugal etwas günstiger als für Griechenland. „Wir gehen davon aus, dass die portugiesische Regierung spätestens für das kommende Jahr Maßnahmen ergreifen wird, um das Budgetdefizit zu verringern“, heißt es in einer Studie. In diesem Fall dürfte die Neuverschuldung ab 2011 sinken und die Schuldenquote nicht über die 100-Prozent-Marke steigen. „Damit befinden sich die Staatsfinanzen Portugals zumindest in den kommenden Jahren in einem besseren Zustand als diejenigen Griechenlands.“

Kommentare (7)

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JB

21.01.2010, 15:27 Uhr

"Griechenland zieht unterdessen zum Abbau seiner horrenden Schulden die Ausgabe von Anleihen in ausländischen Währungen in betracht."

Dieser Satz ist in einer Wirtschaftszeitung wirklich bemerkenswert.

Micha

21.01.2010, 18:32 Uhr

Das ist nur noch lächerlich. Der Euro wird über kurz oder lang zerbrechen. Das ist der Anfang vom Ende, zumal dies auch im interesse der USA ist :-) Nur als Weltwährung kann die USA weiterhin auf Pump leben.

Leertasche

21.01.2010, 18:59 Uhr

Was sagen eigentlich Trichet und Strauss-Kahn dazu? Haben immer noch alles im Griff?
EZb-mäßig mal ein bisschen an der Zinsschraube fummeln. im statistischen Superamt nach Zahlen suchen. Menschen, Zahlen, Fakten. Alles polierte Nullen.

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