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06.10.2015

16:26 Uhr

IWF-Weltwirtschaftsausblick

Die große Bremse

Der Internationale Währungsfonds erwartet 2015 weniger Wachstum der Weltwirtschaft als in diesem Jahr. Besonders eine Entwicklung bremst die Konjunktur rund um den Globus aus – mit unabsehbaren Folgen.

Die weltweite Konjunktur gerät 2015 ins Stocken. dpa - picture-alliance

Ausgebremst

Die weltweite Konjunktur gerät 2015 ins Stocken.

Lima, BerlinIm Sog der Konjunkturabkühlung in China verliert die Weltwirtschaft nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) an Fahrt. Der Fonds rechnet nur noch mit 3,1 Prozent Wachstum für 2015, wie aus der am Dienstag in Lima vorgelegten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) hervorgeht.

Noch im Juli hatte er 3,3 Prozent veranschlagt. 2014 wuchs die globale Wirtschaft noch um 3,4 Prozent. Deutschland und die Euro-Zone sollen dieses und nächstes Jahr im Gleichschritt um 1,5 beziehungsweise 1,6 Prozent zulegen. Während das Wachstum in den USA laut IWF 2015 stärker anzieht als angenommen, schaltet China einen Gang herunter: „Das hehre Ziel eines kräftigen und gleichlaufenden globalen Wachstums bleibt schwer erreichbar", sagte der neue IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. Erst 2016 werde die Weltwirtschaft mit plus 3,6 Prozent wieder anspringen.

Die Lage der fünf größten Euro-Volkswirtschaften

Die aktuelle Situation

Auch im fünften Jahr der Schuldenkrise hat sich die Eurozone wirtschaftlich noch nicht richtig wieder erholt. Im Gegenteil: Die Lage verschlechtert sich zusehends wieder. Die Zustand der fünf größten Volkswirtschaften im Schlaglicht:

Deutschland

Lange das Zugpferd für die Konjunktur im Euroraum, verliert im Moment wegen der internationalen Krisen an Fahrt - und schrammt nach Einschätzung der EU-Kommission nur knapp an einer kleinen Rezession vorbei.

Frankreich

Seit längerem krisengeplagt und bekommt sein Staatsdefizit seit Jahren nicht in den Griff. Die Wirtschaft stagniert. Als größtes Problem gilt ein Reformstau und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit.

Italien

Schwer gebeutelt nach langer Durststrecke. Die Regierung will mit Milliardenausgaben die Wirtschaft ankurbeln. Nach drei Minusjahren in Folge soll 2015 wieder ein kleines Plus herausspringen.

Spanien

Lichtblick unter den einstigen Krisenländern: Nach mehr als zweijähriger Talfahrt endlich wieder auf Wachstumskurs, zuletzt allerdings mit weniger Schwung. Größtes Problem ist die extrem hohe Arbeitslosigkeit.

Niederlande

Haben eine längere Durststrecke hinter sich. Nach zwei Rezessionsjahren auch 2014 mit holprigem Start. Seit dem Frühjahr wieder auf Wachstumskurs.

China – lange Zeit Motor des globalen Wachstums – wird demnach die von der Führung in Peking angestrebte Zuwachsrate für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von sieben Prozent für dieses Jahr knapp verpassen. 2016 dürfte sich das Wachstum laut IWF sogar auf 6,3 Prozent abkühlen.

Die internationalen Schockwellen der konjunkturellen Abschwächung in der nach den USA bedeutendsten Volkswirtschaft der Welt seien weit größer als bislang angenommen, räumte Obstfeld ein. Dies zeige sich etwa in sinkenden Preisen von Metallen und anderen Rohstoffen sowie abnehmenden Einfuhren nach China.

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Mittelfristig könne Chinas Abschwung noch größere Risiken für Schwellenländer heraufbeschwören: Dann drohten im schlimmsten Fall bei „einer harten Landung“ auch andere Schwellenländer konjunkturell stärker mit nach unten gezogen zu werden. Die deutsche Industrie bekommt das schwächere Wachstum in China bereits zu spüren und musste im August den zweiten Monat in Folge sinkende Aufträge hinnehmen.

Auf die USA blicken die IWF-Experten hingegen mit zunehmendem Optimismus: Sie erhöhten ihre Vorhersage für 2015 leicht auf 2,6 Prozent. Nächstes Jahr soll sogar ein Plus von 2,8 Prozent herausspringen. Dank dieser Aussichten stehe eine Normalisierung der US-Geldpolitik bevor: Die Schwellenländer müssten sich auf die näher rückende Zinserhöhung einstellen. „Sie bleiben kurzfristig verwundbar“, warnte der IWF-Chefvolkswirt. Denn weiter sinkende Rohstoffpreise und eine kräftige Aufwertung des Dollar könnten die Firmenbilanzen noch stärker belasten als bisher.

Kommentare (9)

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Herr Stephan Fehlmann

06.10.2015, 16:45 Uhr

Der ist nicht schlecht! Der Intern. Währungsfonds rechnet 2015 mit weniger Wachstum als dieses Jahr.....
Anscheinend hab ich etwas verpasst oder das Rad dreht sich tatsächlich retour.

Herr Marc Otto

06.10.2015, 16:51 Uhr

Kein Stress Guter Mann, keiner ist vollkommen und Einsicht (etwas verpasst zu haben) ist der beste Weg zur Einsicht.

Herr Tom Schmidt

06.10.2015, 16:55 Uhr

Als IWF ist man der Diplomatie verpflichtet, sprich man darf auch nicht sagen, dass vielleicht ein Land ein Riesenproblem hat (besonders wenn es sich um ein großes handelt). Das ist ja auch der Mechanismus, der z.B. dazu geführt hat, dass Griechenland im Euro ist (man konnte ja nicht sagen, dass die Statistik gefälscht ist. Auch wenn es jeder wusste).

Tja, vor ein paar Tagen kam die Nachricht, dass die Milchpreise hier sinken, weil die Chinesen in ihrer Krise gerade weniger importieren. Anders gesagt, die Chinesen sparen an der Babynahrung!

Und jetzt die Gretchenfrage: ist das die Auswirkung eines verlangsamten Wachstums unter 7 %? Oder ist das die Folge einer wirtschaftlichen Depression???

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