Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.08.2014

08:19 Uhr

J.R.R. Tolkien im 1. Weltkrieg

Der „Herr der Ringe“ im Schützengraben

VonThorsten Giersch

Ohne bittere Erfahrungen in den Schützengräben hätte es Tolkiens Bücher wie „Herr der Ringe“ oder „Der Hobbit“ wohl nicht gegeben. Doch anders als viele Zeitgenossen wurden die Deutschen nicht zum Bösen stilisiert.

Elben in der Verfilmung von "Der Hobbit". ap

Elben in der Verfilmung von "Der Hobbit".

DüsseldorfÜber 80 Jahre alt ist J.R.R. Tolkien geworden. Und er hat Millionen Leser in aller Welt mit seinen Romanen begeistert – vermutlich mehr als jeder andere Autor des 20. Jahrhunderts. Doch der Brite hat im Gegensatz zu einigen seiner besten Freunde Glück gehabt, die Schützengräben des Ersten Weltkrieges überlebt zu haben. Seine Erfahrungen als Soldat haben einen großen Einfluss auf seine Werke und deren Schlachten in „Mittelerde“.

Viel wurde über Tolkien schon geschrieben, aber es lag im Jahr 2003 am britischen Journalisten John Garth, seine Rolle am Ersten Weltkrieg nachzuerzählen. Garths viel beachtete Studie steht inzwischen – passend zum 100. Jahrestag – auch auf Deutsch in den Buchläden. Vieles von dem, was Tolkien hervorbrachte, hat mit seinen Erlebnissen im Krieg zu tun – doch eine simple Gleichsetzung würde der Sache nicht gerecht werden.

Die wichtigsten Worte des Ersten Weltkrieges

Im Krieg entstanden

Viele bis heute verwendete Wörter stammen aus dem Ersten Weltkrieg oder kamen in dieser Zeit in Gebrauch. Bei manchen ist der Bezug zum Krieg längst in Vergessenheit geraten. Eine kleine Dokumentation mit Unterstützung des Duden-Verlags und des Instituts für Deutsche Sprache:

Keks

Eindeutschung des englischen Wortes «Cakes», das bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg auch in Deutschland gebräuchlich war. Der immer stärker werdende Nationalismus führte zur Eindeutschung vieler Fremdwörter.

Blindgänger

Wurde zur Zeit des Ersten Weltkrieges auch im übertragenen Sinne benutzt, zum Beispiel für einen Angeber, der sich bei Gefahr schnell in Sicherheit bringt.

Etappe

Bezeichnete ursprünglich die nächste Verpflegungsstation, wurde aber auch in einem heute nicht mehr bekannten Sinne von «besetztes Hinterland» oder «Gebiet hinter den Kampfhandlungen» verwendet. Daraus ergaben sich abwertende Wortbildungen wie «Etappenhase» oder «Etappenhengst» für diejenigen, die sich vor dem Fronteinsatz gedrückt haben.

Kanonenfutter

Stammt ursprünglich aus Shakespeares Drama «Heinrich IV.» («Food for powder»). Schon dort verwendet es die Figur Falstaff für Soldaten, deren Leben kein Wert beigemessen wird. 1873 wurde die deutsche Übersetzung im Grimm'schen Wörterbuch verzeichnet. Im Ersten Weltkrieg wurde der Begriff dann besonders häufig verwendet, weil für minimale Geländegewinne massive Verluste an Menschenleben in Kauf genommen wurden.

Trommelfeuer

Ein um 1915 geläufig gewordener Kriegsterminus, der heute auch in vielen anderen Zusammenhängen verwendet wird.

Durchhalten

Eines der meistverwendeten Propagandawörter während des Krieges.

Fallschirm

Das Wort wurde 1915 erstmals in den Duden aufgenommen. Im Ersten Weltkrieg kam es bereits zu vereinzelten Fallschirmabsprüngen.

Fernglas

Ebenfalls 1915 zum ersten Mal im Duden.

Grabenkampf

Der Begriff kam um 1915 unter dem Eindruck des Stellungskriegs auf. Heute werden auch verbissene Auseinandersetzungen in nicht militärischen Bereichen als Grabenkämpfe bezeichnet.

08 15

War die Nummer eines massenhaft im deutschen Heer verwendeten Maschinengewehrs, der IMG 08/15. Nun schon viele Jahrzehnte ein populäres Synonym für Mittelmaß.

Entsprechend beschreibt der Biograf sehr präzise, welchen Anteil die Kriegserlebnisse auf Tolkiens Werk hatten – und wo man es mit den Übertragungen nicht übertreiben darf. Schließlich schrieb Tolkien keine Kriegserinnerungen, sondern eine Mythologie. Darin brachte er laut Garth „auch Aspekte des Krieges zum Ausdruck, die bei seinen Zeitgenossen vernachlässigt wurden.“

Der Biograf kommt zu dem Schluss, dass der Krieg Tolkien gezwungen habe, Grauen, Trauer und unverhoffte Freude zu empfinden und auf eine „seltsame, extreme Art eine neue Welt aus der Taufe hob“. Dennoch widersprach Tolkien stets der Behauptung, dass „Der Herr der Ringe“ eine Allegorie auf den Kampf gegen Deutschland sei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×