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10.01.2013

20:12 Uhr

Jack Lew wird US-Finanzminister

Der schwerste Job der Welt

VonNils Rüdel

Schuldenkrise, Jobkrise, Wachstumskrise: Jack Lew erbt als neuer US-Finanzminister einen Berg an Problemen. Mit seiner Nominierung macht Präsident Obama deutlich, was für ihn in der Wirtschaftspolitik Top-Priorität hat.

Barack Obama macht Jack Lew zum neuen US-Finanzminister. dapd

Barack Obama macht Jack Lew zum neuen US-Finanzminister.

WashingtonAls es vor ein paar Jahren in Deutschland ein prominentes Staatsamt zu besetzen galt, ging die eingängigste Schlagzeile so: „Horst wer?“ Ähnlich wie sich damals die „Bild“-Zeitung im Namen des Volkes über den späteren Bundespräsidenten Horst Köhler wunderte, macht derzeit auch in den USA ein Wortspiel die Runde. „Jack who?“, fragen sich jene, die nicht innerhalb des Washingtoner Autobahnrings arbeiten und jeden Tag dem politischen Betrieb folgen.

Die Frage reimt sich auf Jack Lew, der bald einer der wichtigsten Politiker Amerikas sein wird. Derzeit ist der 57-jährige Stabschef von US-Präsident Barack Obama. Am Nachmittag stellte ihn sein Chef als im Weißen Haus als Wunschkandidaten für die Spitze des Finanzministeriums vor. „Mein Verlust ist Amerikas Gewinn“, sagte Obama. „Jack hat mein volles Vertrauen“.

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Der bislang wenig bekannte Politiker wird künftig die Stimme für die US-Wirtschaft sein, er wird sich herumschlagen müssen mit explodierenden Staatschulden, einer hohen Arbeitslosigkeit bei noch immer schwächelndem Wachstum, mit der Großreform der Finanzregulierung, mit der Euro-Krise und dem Verhältnis zu China. Um nur einige Aufgaben zu nennen. Kurzum: Er wird einen der schwersten Jobs der Welt übernehmen.

Lews Nominierung als Finanzminister und Nachfolger Timothy Geithners ist ein logischer Schritt des Präsidenten. Der als leise und uneitel geltende Stabschef ist ein enger Vertrauter – und ein ausgewiesener Experte für den US-Haushalt. Kaum jemand in Washington hat so viele Schlachten um das Budget geschlagen wie er. „Jack Lew ist ein großartiger Mann für das Finanzministerium“, sagte Obamas Ex-Wirtschaftsberater Austan Goolsbee der „Washington Post“. „Im richtigen Moment, da Haushalts- und Steuerfragen zum wichtigsten Wirtschaftsthema in Washington geworden sind“.

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In der Tat zeigt die Nominierung Lews, wie sich Obamas Fokus geändert hat: Weg vom Kampf gegen die Finanzkrise, von Feuerwehreinsätzen erprobter Krisenbekämpfer wie Geithner. Und hin zur nächsten großen Herausforderung: die immensen Staatsschulden.

Für die kommenden Verhandlungen über den Haushalt scheint Lew deshalb für Obama die Idealbesetzung zu sein. Bereits Mitte Februar könnten die USA das Schuldenlimit von 16,4 Billionen Dollar erreicht haben, das ohnehin nur durch Geithners Tricks noch nicht nicht überschritten wurde. Ohne eine Erhöhung droht dem Land die Zahlungsunfähigkeit. Kurz darauf drohen überdies automatische Kürzungen quer durch den Haushalt in Milliardenhöhe – übrig gebliebene Aufgaben nach dem Neujahrs-Deal zur so genannten „Fiskalklippe“.

Kommentare (6)

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bjarki

10.01.2013, 19:04 Uhr

Obama macht es wie die die Europaer, da studiert jemand Jura und wird dann Finanzminister. Lew ist ein Erbsenzaehler mit Sozialfimmel, auch das ist europaeisch. Richtig erwaehnt wurde, dass er keine Verbindungen in den Finanzolymp hat, er ist ein echtes Greenhorn auf dem Gebiet. Er gilt als Anhaenger von Steuererhoehungen, da passt er gut zu Obama. Das allerbeste an dieser Administration ist das Wahlgesetz, dass diese Herren in 4 Jahren automatisch abwaehlt. 2 Europas vertraegt die Welt wahrlich nicht.

ByTheWay

10.01.2013, 21:21 Uhr

Absolut gute Wahl. Anstatt jemanden zu nehmen der seine alten Kumpels von der Wall Street mit einem Riesen-Bailout rettet, wird jemand gewählt der Fachwissen und Erfahrung hat, ohne jedoch mit der Finanzindustrie verfilzt zu sein. Das sieht so aus als wenn es in dieser Legislaturperiode doch noch grundlegende, vielleicht wegweisende Reformen von Mr. Obama geben wird. Cheers :)

matze

10.01.2013, 22:03 Uhr

@ jo, wär watt. is ne schöne vorstellung. is gut das er was traditionelles hat - vielleicht bringt er so gefestigt mehr struktur in die diskussion rein.

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