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10.01.2007

09:41 Uhr

Jagd auf El-Kaida

USA bombardieren Süden Somalias

Die USA haben nach Angaben aus Kreisen der somalischen Übergangsregierung erneut einen Luftangriff in dem Land gestartet. Bombardiert werden offenbar Stellungen islamischer Milizen und mutmaßlicher El-Kaida-Anhänger im Süden. Uno und EU sind empört.

HB MOGADISCHU. Erneuter US-Luftangriff in Somalia: Ein Gebiet im Süden des Landes werde derzeit bombardiert, hieß es in den somalischen Kreisen. Vor wenigen Tagen hatten die USA erstmals seit Beginn des Krieges in Somalia zwischen islamischen Milizen und der Übergangsregierung direkt eingegriffen. Sie beschossen ein Dorf in Somalias Süden, weil sie dort hochrangige El-Kaida-Mitglieder vermuteten. Nach eigenen Angaben töteten sie dabei einen der Drahtzieher des Anschlags von 1998 auf Botschaften der Vereinigten Staaten in Kenia und Tansania.

Der stellvertretende somalische Ministerpräsident Hussein Aideed unterstützte das Eingreifen der USA. Nur mit Hilfe von amerikanischen Sondereinsatzkräften könnten die Terroristen getötet oder gefasst werden, sagte Aideed. Sie hätten das nötige Know-how und die Ausrüstung, sagte er.

Die Islamisten hätten sich in praktisch unzugänglichen Regionen in unterirdischen Bunkern eingegraben. Um sie aufzuspüren, sei Technologie nötig, die in Somalia nicht vorhanden sei.

Washington hat den Ende Dezember aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu vertriebenen Islamisten vorgeworfen, Terroristen der El-Kaida Unterschlupf gewährt zu haben. Nach dem militärischen Sieg der Übergangsregierung mit Unterstützung äthiopischer Truppen haben sich die Kämpfer der islamischen Miliz in das südliche Grenzgebiet zu Kenia zurückgezogen.

Der US-Einsatz stieß international auf Kritik. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte einer Sprecherin zufolge, er mache sich Sorgen, dass der Einsatz zu einer Eskalation der Feindseligkeiten führen könnte. Die EU-Kommission kritisierte, die US-Luftangriffe trügen nichts zur Friedenssicherung in dem Land bei. Auch Italiens Außenminister Massimo D'Alema verurteilte den Angriff. Die Regierung in Rom sei gegen Initiativen Einzelner, die neue Spannungen in einer ohnehin instabilen Region auslösen könnten.

Somalia gilt seit langem als Zufluchtsort für die Extremisten-Organisation El-Kaida. Das mehrheitlich muslimische Land befindet sich seit dem Sturz von Diktator Mohammed Siad Barre vor mehr als 15 Jahren in einem Zustand der Gesetzlosigkeit. Vor der Küste des Landes am Horn von Afrika patrouillieren im Rahmen des internationalen Kampfes gegen den Terrorismus auch deutsche Marinesoldaten.

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