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11.04.2012

10:41 Uhr

Jagd auf Hedge-Fonds

Liechtenstein bläst zum Angriff auf die Schweiz

VonSönke Iwersen, Holger Alich, Ingo Narat

ExklusivLiechtenstein will dem Finanzplatz Schweiz das Wasser abgraben. Das Fürstentum will massiv Investoren und Fondsmanager aus der Schweiz anlocken - und mit ihnen mehrere Hundert Milliarden Euro.

Schweizer Fahne am Brienzer See: Lichtenstein will dem Steuerparadies Fonds-Verwaltungen abwerben. dpa

Schweizer Fahne am Brienzer See: Lichtenstein will dem Steuerparadies Fonds-Verwaltungen abwerben.

Düsseldorf/Zürich/FrankfurtGeneralstabsmäßig hat das Fürstentum Liechtenstein gesetzliche Änderungen vorbereitet, um Fondsmanager und Milliarden Euro Anlegergelder institutioneller Investoren anzulocken. Ziel der Attacke ist das Nachbarland Schweiz.

„Ich glaube, bis die Schweizer Politiker so weit sind, ist die Sache gegessen“, hofft ein einflussreicher liechtensteinischer Bankmanager. Noch nie habe er erlebt, dass sein Land derart schnell und derart zielstrebig Gesetze vorantreibt, die der oft verhassten Regelungswut der Europäischen Union folgen.

In der Vergangenheit lockte das Fürstentum Anleger mit seinem Ruf als Steueroase und als Bollwerk des Bankgeheimnisses. Bemühungen der europäischen Politik, den Finanzmarkt besser zu regeln, beobachtete man argwöhnisch, teilweise widerspenstig. Diese Haltung, so heißt es in internen Papieren, hat dem Fürstentum geschadet. Deshalb versucht es jetzt eine Vorwärtsstrategie und will Fondsmanager anlocken.

Europäische Regulierungen

Krisenreaktion

Im Zuge der globalen Finanzkrise haben die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industriestaaten (G20) das Prinzip vereinbart, dass künftig kein Teilnehmer des Finanzsektors unreguliert bleiben soll.

Beschlüsse

Die Europäische Union setzte daraufhin mehrere Regulierungsinitiativen um. Eine wichtige davon ist die Richtlinie zur Regulierung von Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften, die kurz AIFM-Richtlinie genannt wird. Ab dem nächsten Jahr müssen die Vorschriften befolgt werden.

AIFM

Die Abkürzung steht für Alternative Investment Fund Managers. Die Richtlinie setzt der Fondsbranche neue Regeln. Demnach müssen sich Manager von alternativen Fondsprodukten wie Hedge-Fonds künftig registrieren lassen. Sie müssen ihre Anlagestrategie und ihre Bewertungsmethoden Investoren und der Aufsicht offenlegen. Fondsmanager müssen ein Mindestkapital nachweisen und die Fondsvermögen von einer Depotbank verwahren lassen. Erfüllen sie alle Voraussetzungen, bekommen sie einen Pass, der den Fondsmanagern ihre Tätigkeit in der gesamten EU erlaubt.

Drittstaaten

Für Fondsmanagern aus Nicht-EU-Staaten soll mit zeitlicher Verzögerung über eine Stufenlösung der Zugang zu dem EU-Pass ermöglicht werden. Dazu müssen sie aber die Anforderungen der AIFM-Richtlinie erfüllen.

Schweiz

Die Schweiz passt gerade ihre Fondsgesetzgebung an das EU-Recht an. Die Revision des Gesetzes soll per Eilverfahren in diesem Jahr durch das Parlament gebracht werden. Fondsanbieter hoffen zudem, dass sie weiterhin per Delegation das Fondsmanagement für EU-Fonds von der Schweiz aus betreiben dürfen. Darum wird aber noch hinter den Kulissen gerungen.

„Das Window of Opportunity ist schmal und wird sich schnell wieder schließen“, heißt es in einer vertraulichen Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. Sie wurde erstellt von der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC). Die Auftraggeber: die Regierung des Fürstentums Liechtenstein und der Liechtensteinische Bankenverband. Das Bestreben: das Anlocken von Fondsmanagern und vor allem der von ihnen verwalteten Vermögen über mehrere Hundert Milliarden Euro aus der Schweiz nach Liechtenstein.

Die Beamten und Banker des Fürstentums wittern eine einmalige Chance. Am 21. Juli 2011 trat eine neue Richtlinie (2011/61/EU) des Europäischen Parlaments über die Verwalter alternativer Investmentfonds in Kraft. Ziel ist ein besserer Anlegerschutz. Betroffen von der neuen Regelung sind die Verwaltung und der Vertrieb von Hedge-Fonds, Private-Equity-Fonds, Immobilienfonds, Rohstofffonds und anderer. Ab 2013 dürfen Fondsmanager in der EU nur noch mit dieser neuen Zulassung tätig sein.

Kommentare (8)

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uk50678

11.04.2012, 11:02 Uhr

Lichtenstein? Roy Lichtenstein? Oder doch eher Liechtenstein?

Account gelöscht!

11.04.2012, 11:59 Uhr

Viel Spass Liechtenstein, denn die Schweiz ist im Gegensatz zur EU, nicht bescheuert. Der Schuss wird nach hinten losgehen!

Metadumpfsinn

11.04.2012, 12:28 Uhr

Gold hat nur einen Wert, wenn alle glauben, daß es wertvoll sei. Will man Gold als Zahlungsmittel, ist die Voraussetzung, daß die Bevölkerung durchinformiert ist. Das gleiche gilt fürs Geld. Fiat Geld, Fiat Gold - wertvoll oder wertlos, je nachdem, wie breit die Masse glaubig ist.
Das Infoprinzipp läßt sich auf alle Bereiche ausdehnen, den gemeinsamen Freund, Feind, die Geschichte, Sprache usw.
Das Internet hat nun dazu geführt, daß Sektierereien aus dem Boden sprießen wie Pilze. Dabei sind die Gruppenmitglieder gestreut über den gesamten Planeten und sich nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner einig. Aus Inforamtion wird Desinformation, welche alle Bevölkerungen durchdringt, und letzte ensteht nur eine kritische Masse, die der Desinformierten.
Zu den Desinformierten gehören alle, auch die Medienmacher.
Exclusivnachrichten für Abonenten verschärfen den Desinfogau, denn es läßt sich nicht nachvollziehen, woher, und wieso der eine diese Spur verfolgt, der andere jene, vorausgesetzt, die Absicht besteht, nicht nur Quatsch beizutragen. Alle reden aneinander vorbei - babylonisch.
Gleichzeitig führt die digitale Vereinzellung dazu, daß das Netz als ganzes immer restriktiver wird wie die Würgeschlange ihre Opfer zerdrückt.
Wer von Liechtenstein spricht, sollte zumindest sich mit den Offshore-Gebieten auseinander gesetzt haben. Und wenn er halbwegs gut ist, daß Offshore-Häfen mitten in der EU sind bestehen, teils Mitglieder wie Luxemburg sind, dessen Chef Jean-Claude Juncker ist, teils assoziiert wie Vatikanstaat oder Andorra - "Kofürst Sarkozy"!
Doch auch die kompromittierende Info wird sinnlos, es fehlt der Wille, sie anzunehmen und gemeinsam zu handeln, es fehlt die Handlungsanweisung, es fehlt an allem.

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