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28.03.2017

02:10 Uhr

Jagd auf Illegale

US-Farmen gehen die Arbeiter aus

VonAxel Postinett

Die rücksichtlose Ausweisungspolitik von US-Präsident Donald Trump verschreckt in den Vereinigten Staaten illegale Arbeiter. Dabei wird immer deutlicher, wie wichtig sie für das Wirtschaftsleben sind.

Die Landwirtschaft spürt bereits die Folgen der restriktiven Abschiebepolitik unter US-Präsident Donald Trump: Viele illegale Arbeiter trauen sich nicht mehr auf die Farmen. AFP; Files; Francois Guillot

Arbeiter auf einer Farm

Die Landwirtschaft spürt bereits die Folgen der restriktiven Abschiebepolitik unter US-Präsident Donald Trump: Viele illegale Arbeiter trauen sich nicht mehr auf die Farmen.

San FranciscoDie Nachrichten häufen sich mittlerweile. Da ist der mexikanische Familienvater, seit über 20 Jahren in den USA, der in Los Angeles von Grenzschutz-Polizisten vor den Augen seiner weinenden Tochter verhaftet wird, die er gerade am Schultor abgeliefert hat. Da ist die Frau, die gegen ihren gewalttätigen Partner einen Gerichtsbeschluss erwirken wollte und ihn auch bekam. Doch noch im Gericht wird sie unter den Augen einer konsternierten Richterin verhaftet, weil sie illegal im Land war. Profiteur ist der Partner, dem jetzt viel Ärger erspart bleibt.

Auch die Geschichte der Trump-Wählerin macht im Netz die Runde, deren Ehemann nach 16 Jahren jetzt kurzfristig ausgewiesen wird. Das sind zwar alles Einzelschicksale, doch mittlerweile spürt die erste Industriesparte in den USA die Folgen der restriktiven Abschiebepolitik unter Donald Trump: die Landwirtschaft. Die US-Bürger werden sie wohl mit steigenden Lebensmittelpreisen bezahlen müssen.

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Fünf Apfelpflücker sind laut der New Yorker Business-Seite „Crain’s“ die jüngsten Opfer: Sie waren in ihrem Wagen in Albion unterwegs zur Arbeit, als sie von Beamten der Polizei- und Zollbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) angehalten und verhaftet wurden. Keiner der illegalen Arbeiter hatte ein Vorstrafenregister, sie gehörten also nicht zur Zielgruppe der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Politik, „Drogenhändler und Kriminelle“ zuerst auszuweisen. Zuvor waren schon Aktivisten der Immigrantenszene, die andere Einwanderer über ihre Rechte informieren, verhaftet worden. Ihr einziges Vergehen: die illegale Einreise.

Die Situation in den USA spitzt sich zu. Viele Arbeiter trauen sich nicht mehr aus dem Haus, die Arbeit bleibt liegen. „Crain’s“ zitiert eine Studie von Farm Credit East, einem Landwirtschaftsfinanzierer. 1080 Farmen im Bundesstaat New York seien „sehr verwundbar“, wenn alle illegalen Arbeiter ausgewiesen würden. Im Klartext: Sie könnten Konkurs anmelden. Der Umsatz dürfte um 1,37 Milliarden Dollar fallen, insgesamt stünden 21.000 landwirtschaftliche Arbeitsplätze und 23.000 in Zulieferindustrien auf dem Spiel, darunter die von vielen US-Bürgern. Am Ende müssten vielleicht sogar mehr Lebensmittel importiert werden, unter Umständen aus Mexiko.

„Statt sich auf Leute zu konzentrieren, die eine Gefahr für Menschen und Land darstellen, zielt die Trump-Regierung auf alle und auch auf die, die auf Milchfarmen aushelfen und die ländliche Wirtschaft über Wasser halten“, kritisiert Bernie Sanders, unterlegener Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, das Vorgehen.

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Kommentare (3)

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Herr Paul Kersey

28.03.2017, 11:05 Uhr

Die USA haben eine restriktive Abschiebepolitik gewollt und gewählt. Was soll die Jammerei? Wasch mich, aber mach mich nicht naß: Damit ist es bei Trump vorbei. Und das finde ich auch als Trump-Gegner richtig so.

Herr Andreas Kertscher

28.03.2017, 13:09 Uhr

Jeder US-Farmer kann legal Saisonarbeiter aus Mexiko hereinbringen. Allerdings muss er dabei Mindestlohn und Arbeitsrecht beachten. Daß diese Zahl von 350.000 auf 100.000 zurückging, liegt hauptsächlich daran, daß unter Obama Illegale einfacher und billiger zu bekommen waren. Mit dem Argument der billigeren Preise für Konsumenten unterstützt das HB also Ausbeutung, Sklaverei und Kinderarbeit? Was sagt Gabor Steingart denn dazu? Es kann doch nicht sein, daß beim Trump-Bashing jeder Anstand und Bezug zur Realität verloren geht! Erst im letzten Satz kommt dann die Wahrheit: durch weniger Illegale steigen nun die Löhne über den Mindestlohn und die Zahl der Arbeitssuchenden steigt! Wem schadet denn nun Trumps "Rücksichtslosigkeit? Den Illegalen oder den legal Einreisenden?

Frau Annette Bollmohr

28.03.2017, 13:37 Uhr

"US-Farmen gehen die Arbeiter aus"

Klassische Lose-lose-Situation.

Wie immer, wenn Menschen von "übergeordneter Stelle" gegeneinander ausgespielt werden, statt selbst Entscheidungen treffen und die Verantwortung für diese übernehmen zu dürfen.

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