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10.04.2013

06:19 Uhr

Jahresbericht Todesstrafe

China ist Hinrichtungsland Nummer eins

In Deutschland gibt es keine Todesurteile mehr. Anderswo schon – sogar in Europa. Nach dem jüngsten Amnesty-Bericht wurden 2012 weltweit mindestens 682 Menschen hingerichtet. Höchstwahrscheinlich sind es noch viel mehr.

Sträfling vor der Hinrichtung in einem Gefängnis in Kuwait: Fast sechs Jahre lang galt hier ein Hinrichtungsstopp. dpa

Sträfling vor der Hinrichtung in einem Gefängnis in Kuwait: Fast sechs Jahre lang galt hier ein Hinrichtungsstopp.

BerlinBei seinen mutmaßlich letzten Worten hatte Naw Kham so viel Aufmerksamkeit wie die ganzen 44 Jahre seines Lebens nicht. Drei Dinge durfte der Mann aus Birma vor den Kameras des chinesischen Staatsfernsehens CCTV noch loswerden: „Ich vermisse meine Mutter. Ich will meine Kinder größer werden sehen.“ Und: „Ich will nicht sterben.“ Dann wurde der mutmaßliche Drogenbaron von zwei Polizisten in schwarzer Uniform zur Hinrichtung geführt. Gnädigerweise blendete sich der Sender aus, bevor der Henker die Giftspritze setzte.

Nur diese Zurschaustellung machte aus Naw Khams staatlich angeordneter Tötung Ende Februar einen Sonderfall. Öffentliche Hinrichtungen gehören auch in China seit Jahrzehnten der Vergangenheit an. Allen internationalen Appellen zum Trotz lässt die Volksrepublik nach Schätzungen aber immer noch jedes Jahr mehrere tausend Menschen exekutieren. Die genaue Zahl wird als Staatsgeheimnis behandelt.

Diese Länder verhängten 2012 die Todesstrafe

Platz 1

China richtet mehr Menschen hin als alle anderen Länder zusammen. In China werden Angaben zur Todesstrafe als Staatsgeheimnis behandelt, deswegen kann nur vermutet werden, wie viele Menschen dort exekutiert werden. Es wird angenommen, dass im vergangenen Jahr tausende Menschen hinrichtet worden sind. Alle anderen Länder zusammen kamen auf 682.

Platz 2

Im Iran wurden 2012 mindestens 314 Menschen hingerichtet.

Platz 3

Im Irak wurden 2012 mindestens 129 Menschen hingerichtet.

Platz 4

In Saudi-Arabien wurden 2012 mindestens 79 Menschen hingerichtet.

Platz 5

In den USA wurden 2012 genau 43 Menschen hingerichtet.

Platz 6

Im Jemen wurden 2012 mindestens 28 Menschen hingerichtet.

Platz 7

Im Sudan wurden 2012 mindestens 19 Menschen hingerichtet.

Platz 8

Im Afghanistan wurden 2012 genau 14 Menschen hingerichtet.

Platz 9

In Gambia wurden 2012 neun Menschen hingerichtet.

Platz 10

In Japan wurden 2012 sieben Menschen hingerichtet.

Platz 11 bis 14

In Nordkorea und Somalia wurden 2012 mindestens sechs Menschen hingerichtet, in den Palästinensischen Gebieten und in Taiwan genau sechs.

Platz 15

Im Südsudan wurden 2012 mindestens fünf Menschen hingerichtet.

Im „Henkerstaaten“-Bericht von Amnesty International – der weltweit zuverlässigsten Erhebung dieser Art – ist China deshalb auch dieses Jahr wieder nur ein dunkler Fleck. In einem aber ist sich Amnesty sicher: „China hat 2012 wieder mehr Menschen hingerichtet als der gesamte Rest der Welt zusammen.“ Dort blieben die Zahlen einigermaßen gleich. Anderswo kamen die Menschenrechtler auf mindestens 682 Tötungen von Staats wegen - zwei mehr als im Jahr zuvor.

Auch sonst gibt es in der neuen Statistik auf den ersten Blick kaum Veränderungen. Auf Platz zwei der Liste liegt wieder der Iran, wo mindestens 314 Menschen gehenkt wurden. Es folgen der Irak (129), Saudi-Arabien (79), die USA (43) und der Jemen (28). In Europa vollstreckt als letztes Land nur noch Weißrussland (3) die Todesstrafe. Mit Ausnahme der USA sind das alles Mindestzahlen. Insgesamt ließen noch 21 Staaten hinrichten – genauso viele wie 2011.

Kommentare (22)

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10.04.2013, 07:12 Uhr

Das mag schrecklich sein. Hält aber die verlogene Welt nicht davon ab, mit China immer mehr Handel zu betreiben.

Es stört ja auch nicht, daß es Kommunisten in China gibt!

Geld regiert die Welt, nicht Moral!

tesaro

10.04.2013, 07:23 Uhr

Die Totesstrafe ist für Schwerverbrecher die gerechte Strafe und für den Steuerzahler die billigste. Außerdem tötet ein hingerichteter Verbrecher niemand mehr.

Sarina

10.04.2013, 07:42 Uhr

Wenn wir bedenken, dass China ein Quasi-Kontinent ist, und mit über 1.300 Millionen Menschen mit anderen Nationen absolut nicht zu vergleichen ist, die ebenfalls die Todesstrafe ausüben, dann würde China auf dem allerletzten Platz landen - wenn die Statistik mathematisch redlich interpretiert würde. Warum das hier nicht geschieht, erschließt sich wohl nur der Redaktion des HB, die offensichtlich jede Statistik ohne Plausibilitätsprüfung veröffentlicht (wie gestern erst mit der großartigen Euro-Zustimmung der Deutschen).

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