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15.01.2012

17:06 Uhr

Jahrestag der Revolution

Neue Unruhen in Tunesien

Schwere Unruhen in der Stadt Tozeur haben den ersten Jahrestag der Revolution in Tunesien überschattet. Zwölf Monate nach dem Sturz von Ben Ali kämpft das Land weiter gegen das Chaos. Die Regierung bekommt die Arbeitslosigkeit bislang nicht in den Griff.

Neben der Forderung nach einer neuen Revolution haben auch viele Tunesier die neue Regierung gefeiert. dapd

Neben der Forderung nach einer neuen Revolution haben auch viele Tunesier die neue Regierung gefeiert.

TunisEs waren Nachrichten, auf die die neue tunesische Übergangsregierung zum ersten Jahrestag der Revolution gerne verzichtet hätte. Wenige Stunden, nachdem sie am Samstag mit hochrangigen ausländischen Staatsgästen den Sturz von Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali gefeiert hatte, gingen im Westen des Landes Hunderte Arbeitslose auf die Straße. Rufe nach einer „Neuen Revolution“ hallten durch die Stadt Tozeur am Salzsee Chott el Djerid und wenig später flogen Steine und Brandsätze gegen öffentliche Einrichtungen.

Die Polizei habe mit Warnschüssen und Tränengas geantwortet, sagte ein Augenzeuge in Tunis. Rund 2500 Menschen hätten sich an den Protesten gegen die „anhaltende Korruption und Vetternwirtschaft“ beteiligt. Die Regierung in Tunis kommentierte die Ereignisse zunächst nicht.

Zu gerne hätte sie am Samstag nur an die mehr als 200 Toten des Aufstands gegen Ben Ali erinnert und die positiven Errungenschaften der Revolution gefeiert. „Es ist ein wunderbares Gefühl, dass wir jetzt in einem würdigen freien Land leben, wo die Menschen nicht mehr nur Dinge, sondern Bürger sind“, kommentierte jüngst der neue Übergangspräsident Moncef Marzouki.

Das Wort „Karama“ (Würde) nehmen allerdings auch die neuen Aufständischen oft in den Mund. Ohne Job lässt sich vor allem nach Ansicht tunesischer Männer kein würdiges Leben führen. „Auch bei der Revolution ging es zuallererst darum“, sagt der Olivenbauer Issam Affi aus Sidi Bouzid. Sein Heimatort gilt als Ursprungsort des Arabischen Frühlings, seit die Selbstverbrennung eines verzweifelten Arbeitslosen Massenproteste ausgelöst hat. Kaum jemand riskierte sein Leben beim Aufstand gegen Ben Ali wegen Zielen wie Presse- und Meinungsfreiheit.

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