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30.09.2016

19:00 Uhr

Jahrestag der russischen Intervention

Bomben für Assad

Vor einem Jahr griff Russland in den syrischen Bürgerkrieg ein. Fast 10.000 Tote gehen Aktivisten zufolge auf das Konto der russischen Luftangriffe. Die Uno schlägt angesichts der dramatischen Lage in Aleppo Alarm.

Regierungstruppen und Rebellen kämpfen um Aleppo. AP

Aleppo

Regierungstruppen und Rebellen kämpfen um Aleppo.

Aleppo/DamaskusDie Vereinten Nationen schlagen angesichts der Lage der Menschen in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo Alarm. „Die Situation ist wirklich unfassbar“, sagte Rick Brennan von der Weltgesundheitsorganisation WHO am Freitag in Genf. Rund 250.000 Einwohner sind im Rebellengebiet im Osten der Stadt eingekesselt.

In den vergangenen Wochen sind in den Rebellengebieten Aleppos nach WHO-Angaben mindestens 338 Menschen getötet und 846 verletzt worden. Einen Bombenhagel wie in den vergangenen Tagen hatte selbst die gebeutelte Stadt Aleppo noch nicht erlebt. Aktivisten berichteten von Dutzenden Angriffen - jeden Tag. Die verbliebenen Kliniken sind kaum noch in der Lage, Verwundete zu versorgen.

Der Bürgerkrieg scheint eine neue Eskalationsstufe erreicht zu haben – und dies zum ersten Jahrestag der russischen Militärintervention in Syrien. Russland hatte am 30. September 2015 militärisch in den mehr als fünfjährigen syrischen Bürgerkrieg eingegriffen, um das Regime von Machthaber Baschar al-Assad zu unterstützen.

Und der Kreml scheint nicht gewillt, die militärische Intervention bald zu beenden – im Gegenteil. Die russische Zeitung „Iswestija“ berichtete am Freitag, Russland habe weitere Kampfjets an den syrischen Stützpunkt verlegt. Wenn Bedarf bestehe, könnten innerhalb von zwei bis drei Tagen weitere Flugzeuge dorthin beordert werden, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Militärvertreter. Das Verteidigungsministerium in Moskau gab zunächst keine Stellungnahme ab.

Schon jetzt sind Aktivisten zufolge 9364 Menschen wegen russischer Luftangriffe ums Leben gekommen. Unter den Toten seien 3804 Zivilisten, darunter mehr als 900 Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. 2746 Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seien getötet worden sowie mehr als 2814 Kämpfer anderer Regimegegner. Die Menschenrechtsaktivisten warfen Russlands Luftwaffe zugleich vor, Brand- und Streubomben einzusetzen.

Dank der russischen Unterstützung konnte sich das Assad-Regime im Bürgerkrieg behaupten. Alle wichtigen Städte sind wieder unter Kontrolle von Regierungskräften – mit einer Ausnahme: Aleppo. Es ist die einzige Großstadt des Landes, die zumindest teilweise noch unter Kontrolle der Rebellen steht. Dies erklärt auch die heftigen Kämpfe um die Metropole. Das Assad-Regime könnte mit einem Sieg in Aleppo seinen Gegnern einen Stoß versetzen, von dem sie sich kaum noch erholen könnten.

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