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06.01.2013

11:16 Uhr

Jahrestag des Elysée-Vertrags

Merkel und Hollande feiern die Aussöhnung

Vor fünfzig Jahren besiegelten die einstigen Feinde Frankreich und Deutschland ihre Versöhnung. Zum Jubiläum wird in Berlin gefeiert. Doch bei aller Harmonie: In den deutsch-französischen Motor ist Sand geraten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande. dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande.

StraßburgMit einer Jubiläumsfeier in Berlin werden der französische Staatschef François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Regierungsvertreter und Parlamentarier aus beiden Ländern am 22. Januar die Aussöhnung Deutschlands und Frankreichs nach zwei verheerenden Weltkriegen würdigen. Dabei erinnern sie an die Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags vor einem halben Jahrhundert im Pariser Elysée-Palast.

Der Vertrag über die "Organisation und die Grundsätze der Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten" wurde am 22. Januar 1963 vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und dem damaligen französischen Staatschef Charles de Gaulle unterzeichnet. Er schuf die Voraussetzung dafür, dass zwei Länder, die sich jahrhundertelang bekriegt hatten, die wichtigsten Partner in Europa wurden.

Von der Aussöhnung nach dem Krieg zur engen Partnerschaft

Juli 1948

Gründung des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg.

Mai 1950

Die Bürgermeister von Montbéliard in Ostfrankreich und Ludwigsburg vereinbaren die erste deutsch-französische Städtepartnerschaft.
Frankreichs Außenminister Robert Schuman schlägt der Bundesrepublik die Schaffung einer supranationalen Behörde zur Verwaltung der Kohle- und Stahlproduktion beider Länder vor - die Montanunion gilt als Keimzelle der EU.

Oktober 1956

Frankreich unterzeichnet ein Abkommen zur Rückkehr des Saarlandes nach Deutschland, die im Januar 1957 erfolgt.

Oktober 1958

Bundeskanzler Konrad Adenauer besucht Staatspräsident Charles de Gaulle zwei Tage lang in dessen Wohnort Colombey-les-deux-Eglises. Einen Monat später treffen sich die beiden Staatsnmänner in Bad Kreuznach.

Juli 1962

Adenauer besucht sechs Tage lang Frankreich. In der Kathedrale von Reims nimmt er gemeinsam mit de Gaulle an einer Versöhnungsmesse teil.

September 1962

De Gaulle besucht fünf Tage lang die Bundesrepublik. Vor dem Schloss in Ludwigsburg ruft er in seiner berühmten "Rede an die deutsche Jugend" zur Aussöhnung beider Länder auf.

Januar 1963

Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags im Pariser Elysée-Palast.

Juli 1963

Abkommen zur Gründung des Deutsch-französischen Jugendwerks (DFJW)

Februar 1972

Abkommen zur Einrichtung deutsch-französischer Gymnasien und eines binationalen Abiturs

Januar 1983


Frankreichs Staatschef François Mitterrand unterstützt vor dem Bundestag den Beschluss der Bundesregierung zur Stationierung von US-Mittelstreckenraketen.

September 1984

Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) gedenken in Verdun Hand in Hand der in den beiden Weltkriegen gefallenen deutschen und französischen Soldaten.

September 1987

Erstes großes gemeinsames Militärmanöver "Kecker Spatz" in Deutschland mit 75.000 Soldaten.

Januar 1988

Gründung eines deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungsrats sowie eines gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzrats.

Oktober 1989

Gründung der Deutsch-Französischen Brigade.

September 1990

Mitterrand kündigt den Abzug der französischen Streitkräfte aus Deutschland an - zehn Monate nach dem Fall der Berliner Mauer.

Oktober 1990

Unterzeichnung eines Vertrags zur Gründung des gemeinsamen Kulturkanals ARTE.

Mai 1992

Beschluss zur Schaffung des Eurokorps mit rund 40.000 deutschen und französischen Soldaten als Keimzelle einer europäischen Armee.

Juli 1994

An der Parade zum französischen Nationalfeiertag auf den Pariser Champs-Elysées nehmen erstmals rund 200 deutsche Soldaten teil.

September 1997

Abkommen zur Schaffung der deutsch-französischen Hochschule.

Januar 2001

Der französische Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzer Gerhard Schröder (SPD) vereinbaren im elsässischen Blaesheim informelle Treffen der führenden Politiker alle sechs bis acht Wochen.

Januar 2003

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Elysée-Vertrags vereinbaren beide Länder gemeinsame deutsch-französische Ministerräte. Der erste findet neun Monate später in Berlin statt.

Juli 2006

In Saarbrücken wird das erste gemeinsame deutsch-französische Geschichtsbuch vorgestellt.

November 2009

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Nicolas Sarkozy nehmen gemeinsam an den Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs teil.

Juli 2012

Merkel und der im Mai gewählte französische Präsident François Hollande geben eine gemeinsame Erklärung zum Schutz der Eurozone ab.

September 2012

Merkel und Hollande eröffnen in Ludwigsburg das deutsch-französische Jahr.

Auf der Grundlage des Elysée-Vertrages entwickelte sich ein dichtes grenzüberschreitendes Netz offizieller und gesellschaftlicher Kontakte. In der Regel zwei Mal im Jahr gibt es - abwechselnd in Deutschland und Frankreich - Gipfeltreffen. Daran nehmen auch zahlreiche Minister teil.

Im Elysée-Vertrag ist auch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) verankert, das am 5. Juli 1963 gegründet wurde. Das DFJW organisiert Treffen unter Jugendlichen beider Länder, gemeinsame Sportveranstaltungen und kulturelle Begegnungen. Allein am Schüleraustausch beteiligten sich in fünf Jahrzehnten mehr als neun Millionen Kinder und Jugendliche. Hunderte von französischen und deutschen Kommunen sind zudem in Städtepartnerschaften miteinander verbunden.

Kommentare (19)

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nastrowje

06.01.2013, 11:33 Uhr

Zwischen den Völkern gibt es keine Freundschaft(Freunde in der Not gehen Tausend auf ein Lot), sondern nur ausnutzen des einen durch den anderen "Freund". Frankreich hat dies über die Jahrhunderte getan. Seine Elite macht das auch heute noch siehe Luft-und Raumfahrt, Agrarsubventionen,Chemieindustrie, EURo mit den maroden pleitigtsen französichen Banken, die neben den deutschen Banken in Spanien, Italien, Portugal und Griechenland Unsummen an Junkderivaten "besitzen".

Die Freundschaften einzelner Personen grenzüberschreitend bzw. der normalen Menschen sind davon ausgenommen.

Sarina

06.01.2013, 11:39 Uhr

Es wird höchste Zeit, dass wir unseren europäischen "Freunden" zeigen, wo der Barthel den Most zapft!
Es kann doch wohl nicht demokratisch sein, dass ein Loser- und Versagerland wie Zypern, Griechenland oder Spanien dasselbe Stimmrecht hat, wie ein prosperierendes Land, ohne das Europa nicht einmal fähig wäre, eine eigene Währung zu generieren. Frankreich hat sich in der Vergangenheit sehr gütlich getan am deutschen Understatement - das muss aufhören!

Kandis

06.01.2013, 12:16 Uhr

Angenommen, Frankreich wäre der überlegene Partner in der deutsch-französischen 'Freundschaft'.

Glaubt etwa irgendjemand, Frankreich würde Deutschland uneigennützig großzügige Hilfen gewähren oder Nachsicht üben oder Nachteile in Kauf nehmen?

Diese Frage muss man sich stellen und in der Antwort liegt dann die Wahrheit.

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