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20.12.2013

10:11 Uhr

Jang Song Thaek

Kim Jong Uns Tante wurde im Ausland behandelt

Nach der Hinrichtung des Onkels von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un war der Verbleib seiner Frau ungeklärt. Wegen einer Herzkrankheit sei sie im Ausland behandelt worden. Derweil drohte Nordkorea erneut dem Süden.

Eine Aufnahme aus einem Video: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gemeinsam mit seinem mittlerweile hingerichteten Onkel Jang Song Thaek und seiner Tante Kim Kyong Hui. ap

Eine Aufnahme aus einem Video: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gemeinsam mit seinem mittlerweile hingerichteten Onkel Jang Song Thaek und seiner Tante Kim Kyong Hui.

SeoulDie Ehefrau des kürzlich hingerichteten Onkels von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist nach einem Medienbericht im Ausland behandelt worden und inzwischen wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt. Kim Kyong Hui, deren Verbleib nach dem Tod ihres Mannes Jang Song Thaek unklar gewesen war, sei wegen einer Herzkrankheit behandelt worden, meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag unter Berufung auf Diplomatenquellen in Peking. Bereits vergangenen Monat sei sie wieder nach Nordkorea zurückgekommen. Wo sich Kim hatte behandeln lassen, war unklar.

Jangs Ehefrau durfte offenbar auch nach dessen Hinrichtung ihren Einfluss im Staatsapparat behalten. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA wurde sie zum Mitglied des Komitees für Staatsbegräbnisse ernannt. Allerdings war sie nicht bei der Zeremonie zum zweiten Todestag des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il am Dienstag gesehen worden.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Jang war damit betraut gewesen, Kim Jong Un nach dem Tod seines Vaters Ende 2011 als dessen Nachfolger aufzubauen, fiel dann aber in Ungnade. Er wurde in einem kurzen Militärprozess wegen Landesverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Nordkorea drohte dem Süden derweil mit einem „gnadenlosen Schlag“, nachdem südkoreanische Aktivisten am zweiten Todestag von Kim Jong Il Puppen verbrannt hatten, die den Verstorbenen, seinen Sohn Kim Jong Un und seinen Vater Kim Il Sung darstellten. Die Warnung der nordkoreanischen Nationalen Verteidigungskommission, des ranghöchsten Armeegremiums, sei über eine militärische Hotline übermittelt worden, erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul am Freitag. In einer Antwort sei mit einer „ersten Reaktion auf jegliche Provokationen“ des Nordens gedroht worden.

Von

afp

Kommentare (1)

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hanji

20.12.2013, 16:04 Uhr

Hut ab! Handelsblatt hebt sich wohltuend seriös von der sonst in Deutschland üblichen Korea-Berichterstattung ab, indem hier nicht nur die beweislosen Behauptungen der rechtskonservativen, US-orientierten Regierung-Süd und ihrer Medien (Yonhap, Chosun Ilbo) 1:1 verbreitet werden, sondern auch unabhängige, kritische Experten zu Wort kommen. Der ganze Raketen- und Atombomben-Popanz des Nord-Regimes wird nämlich jenseits der USA und ihrer Einflusssphäre zurecht angezweifelt.

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