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28.12.2015

10:31 Uhr

Japan und Südkorea

Entschädigung für „Trostfrauen“

Ein düsteres Kapitel der Vergangenheit wird geschlossen: Zwischen Seoul und Tokio gibt es nach monatelangen Verhandlungen eine Einigung um die „Trostfrauen“ – Zwangsprostituierte der japanischen Armee im zweiten Weltkrieg.

Die Zahl der vor allem aus Korea und China stammenden Zwangsprostituierten der japanischen Armee im zweiten Weltkrieg wird von Historikern auf bis zu 200.000 geschätzt. dpa

Proteste koreanischer „Trostfrauen“

Die Zahl der vor allem aus Korea und China stammenden Zwangsprostituierten der japanischen Armee im zweiten Weltkrieg wird von Historikern auf bis zu 200.000 geschätzt.

Seoul, TokioSüdkorea und Japan wollen ihren jahrzehntelangen Konflikt um die Versklavung von Frauen in den Soldatenbordellen der japanischen Kaiserarmee im Zweiten Weltkrieg endgültig beilegen. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe werde den Opfern eine aufrichtige Entschuldigung und sein Bedauern zum Ausdruck bringen, sagte der japanische Außenminister Fumio Kishida am Montag nach einem Treffen mit seinem südkoreanischen Kollegen Yun Byung Se in Seoul.

Der Streit um die euphemistisch „Trostfrauen“ genannten Frauen ist bisher das größte Hindernis für eine Verbesserung der Beziehungen beider ostasiatischer Staaten gewesen. Beide Seiten einigten sich auf die Einrichtung eines Fonds zur Unterstützung der Opfer in Höhe von rund einer Milliarde Yen (7,6 Millionen Euro), wobei das Geld Japan bereitstellen wird. Japan erkenne seine Verantwortung an.

Auszüge aus der Rede von Regierungschef Abe zum Kriegsende

Am 70. Jahrestag des Kriegsendes ...

„... müssen wir in Ruhe den Weg zum Krieg betrachten, den Pfad, den wir seitdem genommen haben und die Ära des 20. Jahrhunderts. Wir müssen aus den Lektionen der Geschichte die Weisheit für unsere Zukunft ziehen...“

Ich neige meinen Kopf...

„... tief vor den Seelen all jener, die gestorben sind, hier und im Ausland. Ich drücke meine tiefe Trauer und mein unendliches, aufrichtiges Beileid aus...“

Unser Land fügte ...

„... unschuldigen Menschen unermesslichen Schaden und Leid zu. Die Geschichte ist rau. Was geschah, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Jeder Einzelne von ihnen hatte sein oder ihr Leben, Traum und eine geliebte Familie. Wenn ich diese objektive Tatsache klar betrachte, gerade jetzt, bin ich sprachlos und mein Herz ist zerrissen von größten Kummer.“

Zwischenfall, Aggression, Krieg – ...

„... wir dürfen nie wieder auf irgendeine Form von Bedrohung oder den Einsatz von Gewalt zurückgreifen als ein Mittel, um internationale Streitigkeiten zu schlichten...“

Japan hat mehrfach ...

„... seine Gefühle von tiefer Reue und aufrichtiger Entschuldigung für seine Handlungen während des Kriegs zum Ausdruck gebracht. Um diese Gefühle in konkreten Handlungen zu äußern, haben wir in unseren Herzen die Leidensgeschichten der Menschen in Asien, unserer Nachbarn, eingraviert... Und wir haben uns konsequent dem Frieden und dem Wohlstand in der Region seit dem Kriegsende gewidmet.“

In Japan macht ...

„... die Nachkriegsgeneration jetzt mehr als 80 Prozent der Bevölkerung aus. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Kinder, Enkel und künftige Generationen, die nichts mit dem Krieg zu tun haben, dazu vorbestimmt sind, sich zu entschuldigen. Dennoch müssen wir Japaner durch alle Generationen hindurch der Geschichte klar ins Auge sehen. Wir haben die Verantwortung, die Vergangenheit in aller Demut zu erben und sie in die Zukunft zu tragen...“

Wir haben ...

„... die große Verantwortung, uns die Lektionen der Geschichte zu Herzen zu nehmen, eine bessere Zukunft zu gestalten und alle möglichen Anstrengungen zu unternehmen für den Frieden und den Wohlstand in Asien und der Welt.“

Unter der Voraussetzung, dass die vereinbarten Schritte dauerhaft umgesetzt werden, würden beide Regierungen die „Trostfrauen“-Angelegenheit für „endgültig und unumkehrbar“ beendet erklären, sagte Kishida. Auch Yun sagte, Seoul werde die Sache für beigelegt ansehen, sofern Japan sich an die Vereinbarung halte.

Die Zahl der vor allem aus Korea und China stammenden Opfer wird von Historikern auf bis zu 200.000 geschätzt. Nach jahrelanger Eiszeit hatten sich Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye und Japans Regierungschef Abe vergangenen Monat geeinigt, den Konflikt um die sogenannte Trostfrauen-Frage möglichst bald beizulegen.

Von

dpa

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