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28.12.2015

15:29 Uhr

Japan und Südkorea

Später Trost für die „Trostfrauen“

VonMartin Kölling

Japan und Südkorea wollen mit einem Abkommen einen langen Streit um Zwangsprostituierte beilegen. Damit könnte eine diplomatische Eiszeit enden. Doch Japans Kolonialgeschichte droht weiterhin, die Beziehungen zu stören.

Trostfrauen

Zwangsprostitution: Japan und Südkorea legen Streit bei

Trostfrauen: Zwangsprostitution: Japan und Südkorea legen Streit bei

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Tokio70 Jahre nach dem Kriegsende versuchen Japan und Südkorea die Schatten der Vergangenheit hinter sich zu lassen: Am Montag einigten sich die Außenminister beider Staaten auf einen sorgsam austarierten Kompromiss in einem historischen Streit, der zuletzt eine diplomatische Eiszeit zwischen den Nachbarn ausgelöst hatte: die Behandlung der letzten überlebenden Koreanerinnen, die im Zweiten Weltkrieg als sogenannte „Trostfrauen“ zur Prostitution in den Frontbordellen der japanischen Streitkräfte gezwungen worden waren.

Wie schwer sich beide Seiten dabei taten, zeigte der Wortlaut der Erklärung. Japans Regierungschef Shinzo Abe drückte in der seit Monaten ausgehandelten Übereinkunft seine „ernsthafte Entschuldigung und Bedauern für alle Frauen aus, die als Trostfrauen unermessliche und schmerzliche Erfahrungen erlebten und unheilbare physische und psychische Wunden erlitten.“

Auszüge aus der Rede von Regierungschef Abe zum Kriegsende

Am 70. Jahrestag des Kriegsendes ...

„... müssen wir in Ruhe den Weg zum Krieg betrachten, den Pfad, den wir seitdem genommen haben und die Ära des 20. Jahrhunderts. Wir müssen aus den Lektionen der Geschichte die Weisheit für unsere Zukunft ziehen...“

Ich neige meinen Kopf...

„... tief vor den Seelen all jener, die gestorben sind, hier und im Ausland. Ich drücke meine tiefe Trauer und mein unendliches, aufrichtiges Beileid aus...“

Unser Land fügte ...

„... unschuldigen Menschen unermesslichen Schaden und Leid zu. Die Geschichte ist rau. Was geschah, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Jeder Einzelne von ihnen hatte sein oder ihr Leben, Traum und eine geliebte Familie. Wenn ich diese objektive Tatsache klar betrachte, gerade jetzt, bin ich sprachlos und mein Herz ist zerrissen von größten Kummer.“

Zwischenfall, Aggression, Krieg – ...

„... wir dürfen nie wieder auf irgendeine Form von Bedrohung oder den Einsatz von Gewalt zurückgreifen als ein Mittel, um internationale Streitigkeiten zu schlichten...“

Japan hat mehrfach ...

„... seine Gefühle von tiefer Reue und aufrichtiger Entschuldigung für seine Handlungen während des Kriegs zum Ausdruck gebracht. Um diese Gefühle in konkreten Handlungen zu äußern, haben wir in unseren Herzen die Leidensgeschichten der Menschen in Asien, unserer Nachbarn, eingraviert... Und wir haben uns konsequent dem Frieden und dem Wohlstand in der Region seit dem Kriegsende gewidmet.“

In Japan macht ...

„... die Nachkriegsgeneration jetzt mehr als 80 Prozent der Bevölkerung aus. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Kinder, Enkel und künftige Generationen, die nichts mit dem Krieg zu tun haben, dazu vorbestimmt sind, sich zu entschuldigen. Dennoch müssen wir Japaner durch alle Generationen hindurch der Geschichte klar ins Auge sehen. Wir haben die Verantwortung, die Vergangenheit in aller Demut zu erben und sie in die Zukunft zu tragen...“

Wir haben ...

„... die große Verantwortung, uns die Lektionen der Geschichte zu Herzen zu nehmen, eine bessere Zukunft zu gestalten und alle möglichen Anstrengungen zu unternehmen für den Frieden und den Wohlstand in Asien und der Welt.“

Damit wiederholte er wortwörtlich eine Sprachregelung von 1994, als Japans damaliger Ministerpräsident Tomiichi Murayama das Problem mit einer Entschuldigung und einem Entschädigungsfonds lösen wollte. Darüber hinaus erklärte sich Japans Regierung bereit, eine Milliarde Yen in eine neue Stiftung zu überweisen, die die südkoreanische Regierung zur Betreuung der letzten, noch lebenden Betroffenen einrichten wird. Im Gegenzug gesteht Südkorea zu, dass damit dieses Kapitel der Geschichte rechtlich „letztlich und unwiderruflich“ gelöst sei, falls Japan seine Zusagen erfülle.

Japans Außenminister Fumio Kishida bezeichnete das Abkommen nicht von ungefähr als „historische und epochale Errungenschaft“, das in den eisigen bilateralen Beziehungen den Weg zu einer „neuen, nach vorne schauenden Ära“ ebene. Denn damit wächst die Chance, dass es drei Jahre nach dem Amtsantritt von Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye und Japans Regierungschef Abe endlich zu regelmäßigen gegenseitigen Staatsbesuchen der Nachbarn kommt.

Japan und Südkorea: Entschädigung für „Trostfrauen“

Japan und Südkorea

Entschädigung für „Trostfrauen“

Ein düsteres Kapitel der Vergangenheit wird geschlossen: Zwischen Seoul und Tokio gibt es nach monatelangen Verhandlungen eine Einigung um die „Trostfrauen“ – Zwangsprostituierte der japanischen Armee im zweiten Weltkrieg.

Bis vor ihrem ersten offiziellen Gipfeltreffen in Seoul Anfang November trafen sie sich nach anfänglich totaler Funkstille nur außerhalb ihrer Länder unter dem mehr oder weniger sanften Druck von US-Präsidenten Barack Obama. Denn die USA sahen in der Spaltung ihrer beiden ostasiatischen Verbündeten eine Stärkung des geostrategischen Herausforderers China. Und auch der November-Gipfel kam nur am Rande eines Drei-Länder-Treffens der Nachbarn mit China zustande. „Das Abkommen ist daher gut für die USA“, urteilt Robert Dujarric, Ostasien-Experte am japanischen Campus der Temple University. „Es hilft den US-geführten Bemühungen, eine antichinesische Koalition aufzubauen.“

Der Grund für das eisige Schweigen waren grundsätzliche Differenzen im Umgang mit der Annexion Südkoreas durch Japan in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Frage der Kriegsprostituierten war dabei ein emotionaler Bruchpunkt. Mehr als 200.000 Frauen aus ganz Asien, darunter auch Australierinnen und Niederländerinnen aus von Japan eroberten Gebieten, wurden oft in den Dienst gepresst. Doch in dem annektierten Korea war die Zahl besonders hoch.

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