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28.05.2012

16:26 Uhr

Japans Ex-Regierungschef

Kan räumt Versäumnisse bei Fukushima ein

Naoto Kan wurde vor dem Parlamentsausschuss zur Reaktorkatastrophe angehört. Einige Entscheidungen seien zu spät gefallen, gab Japans ehemaliger Ministerpräsident zu. Sein eigenes Vorgehen verteidigte er allerdings.

Der frühere Ministerpräsident Japans,  Naoto Kan. AFP

Der frühere Ministerpräsident Japans, Naoto Kan.

TokioDer frühere japanische Regierungschef Naoto Kan hat vor einem Untersuchungsausschuss sein Vorgehen während des Reaktorunfalls von Fukushima verteidigt, zugleich aber Versäumnisse seiner Regierung eingeräumt.

Während der zweieinhalbstündigen Anhörung am Montag entschuldigte sich Kan dafür, dass die Regierung die Krise nicht habe stoppen können. Mehrere Entscheidungen seien zu spät gefallen. "Es wäre besser gewesen, das wäre früher getan worden", wiederholte Kan während der Befragung durch die Parlamentarier und Experten mehrmals.
Als sich der Reaktorunfall infolge des Tsunamis am 11. März 20011 ereignet habe, sei der Staat für die Reaktionen verantwortlich gewesen, weil sich der Unfall in einer Anlage ereignet habe, deren Betrieb "Resultat staatlicher Politik" gewesen sei, sagte Kan.

Der Ex-Regierungschef musste Stellung zu mehreren umstrittenen Punkten nehmen - zu seinem Besuch in Fukushima am Morgen nach dem Unfall, zu Verzögerungen bei der Belüftung der Anlage zur Verhinderung einer Gasexplosion, zur Notkühlung der Brennstäbe mit Meerwasser sowie zur Ablehnung technischer Hilfe aus den USA in den Tagen nach dem Unglück.

Der Ausschuss unter dem Vorsitz des Wissenschaftlers und ehemaligen politischen Beraters Kiyoshi Kurokawa soll seinen Bericht im Juni vorlegen. Das Kraftwerk Fukushima war beim Erdbeben vom 11. März 2011 und dem anschließenden Tsunami schwer beschädigt worden. Da in den folgenden Wochen große Mengen Radioaktivität freigesetzt wurden, mussten insgesamt 80.000 Menschen die Gegend um das Kraftwerk verlassen.

Kan wurde nach dem Unfall zum Atomkraftgegner. Japan ist seit Anfang Mai erstmals seit dem Jahr 1970 ohne Atomenergie, nachdem auch der letzte von 50 Reaktoren des Landes zur Wartung abgeschaltet wurde.

Von

afp

Kommentare (3)

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vandale

28.05.2012, 22:06 Uhr

Das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi wurde am 11.03 um 03:43 von der Flutwelle des Tsunamis getroffen. Der erste Block in Fukushima Daiichi hat am 12.03 um 05:22 eine Kernschmelze erlitten am 12.03 um 15:36 fand eine Wasserstoffgasexplosion statt die den Servicefloor beschädigte. Die Reaktoren II und III erlitten erst am 14.03 Kernschmelzen.

Ein zügiges Eingreifen hätte sicherlich diese Kernschmelzen verhindern können.

Ich hatte dann Japanische Fachleute gefragt warum man nicht Schiffe mit starken Generatoren vor die Anlagestelle gefahren hat, Pumpen, eletrische Einrichtungen, Elektriker und andere Techniker mittels Hubschraubern eingeflogen hat. Die Antwort war, dass man Angst vor Nachbeben und weiteren Tsunamis hatte, traumatisiert war..denn neben den Reaktorunfällen mit 2 Ertrunkenen gab es nebenbei eine Naturkatastrophe mit 20000 Opfern und die KKW waren anfangs die geringste Sorge.

Die sehr geringen Folgen dieser Reaktorunfälle haben zahlreiche Politiker in den Angelsächsischen Ländern positiv beeindruckt und eindrucksvoll bewiesen das die Kerntechnik die Technik mit dem geringstem Risikopotential ist. Khan und Merkel sind dagegen Amok gelaufen.

Der Regierungschef Khan hat mit dem nachfolgenden Amoklauf der sinnlosen, vorrübergehenden Stilllegung von 50 Kernkraftwerken einen Schaden von mittlerweile ca. 20 Mrd. $ verursacht.

Vandale

kupferteufel

30.05.2012, 14:06 Uhr

Von "geringen Folgen" kann eigentlich keine Rede sein. Mittlerweile bedrohen die fragilen Reste der Kraftwerke die gesamte menschliche Zivilisation. ALLE Brennstäbe, ob abgebrannt oder neu, stehen dort offen in notdürftig mit Meerwasser gekühlten Becken. Der geringste Schaden an einem einzigen Becken (die immerhin 30m über dem Boden liegen!) führt zu einem atomaren Feuer von über 11000 Brennstäben, das im Verlauf der massiven Freisetzung radioaktiver Materialien den gesamten Planeten nahezu unbewohnbar machen wird. Immerhin gibt die japanische Regierung mittlerweile das Eine oder Andere zu und hat via Tepco zugesichert, das 2014 damit begonnen wird, die Brennstäbe zu entfernen. On das in Anbetracht der Tatsache, dass Japan in einer extremen Erdbebenzone liegt, ausreichen wird, mag jeder für sich selbst abwägen.

DetlefzumWinkel

31.05.2012, 01:00 Uhr

Man muss Ihnen danken, dass Sie über Naoto Kans denkwürdigen Auftritt überhaupt berichten, der in englisch- und französisch-sprachigen Medien viel mehr Aufmerksamkeit gefunden hat als in Deutschland. Jedoch haben Sie Wesentliches ausgelassen: der ehemalige Premierminister sagte, Japan habe im März 2011 "am Rand des nationalen Zusammenbruchs" gestanden. Es habe nicht viel gefehlt und man hätte Tokio mit seinen 30 Millionen Einwohnern evakuieren müssen. Dann wäre die Regierung Japans handlungsunfähig gewesen. Man habe damals auch befürchten müssen, dass das Dutzendfache oder sogar Hundertfache (wörtlich: "Vielhundertfache") an Strahlung feigesetzt werden könnte, als es in Tschernobyl der Fall war.

Auch die frühere sowjetische Führung sprach im engsten Zirkel in vergleichbaren Termini über Tschernobyl. Die Herren schätzten das Ausmaß der Folgen wie die eines "mittleren Krieges" ein - während sie der IAEA "geringe Schäden" melden liessen. Gorbatschow sagte im Politbüro, "noch zwei solche Unfälle und wir haben eine Situation wie nach einem Atomkrieg". Doch dies wurde geheim gehalten, und Naoto Kans Verdienst ist es, sich an der üblichen nachträglichen Verharmlosung nicht zu beteiligen.

Ich weiß nicht, ob Kan nach dem Unfall zum Atomgegner wurde. Ich denke, er hat nicht völlig vergessen, was er einmal als Physiker gelernt hat, und ich hoffe sehr, dass dies auch für Frau Merkel zutrifft.

Detlef zum Winkel

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