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29.08.2011

10:52 Uhr

Japans neuer Premier

Ein Leisetreter versucht das Lautsprechen

VonJan Keuchel

Yoshihiko Noda ist der zweite Premier ohne direktes Mandat der Bürger - und muss mit der Opposition paktieren. Als Finanzminister hatte er am Devisenmarkt interveniert, nun könnte Japan auf Antiglobalisierungskurs gehen.

Japans neuer Premierminister Yoshihiko Noda. dpa

Japans neuer Premierminister Yoshihiko Noda.

TokioDer Neue galt bislang als stiller Vertreter, er war international unbekannt und selbst in Japan hat er nur selten für Schlagzeilen gesorgt. Finanzminister Yoshihiko Noda, Japans künftiger Premierminister, ist der Weltöffentlichkeit erst seit ein paar Wochen ein Begriff, als er in den Devisenmarkt eingriff, um den Yen abzuwerten. Der Höhenflug der heimische Währung entreißt der japanischen Wirtschaft ihre Gewinne und treibt sie verstärkt ins Ausland. Jedenfalls die Unternehmer im Land dürften Noda seither schätzen.

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Koreanern und Chinesen hingegen wird weniger gefallen, was der 54-jährige, der aus dem Speckgürtel von Tokio kommt, kurz vor seinem Amtsantritt von sich gab. Zwar hat er an der bisherigen Tradition seiner Partei DPJ festgehalten und ist anlässlich der Gedenkfeiern zum Ende des 2. Weltkriegs Mitte dieses Monats nicht in den berüchtigten Yasukuni-Schrein in Tokio gepilgert, um die Toten zu ehren. Dort liegen neben einfachen japanischen Soldaten auch Kriegsverbrecher der höchsten Kategorie begraben, die vor allem in China und Korea gewütet haben. Aber Noda ließ die Welt wissen, dass er diese so genannten „Klasse-A-Kriegsverbrecher“ nicht mehr als Verbrecher betrachte, da sie ihre Strafen erhalten hätten. Eine Aussage, die sofort zu heftigen Protesten der Nachbarstaaten führte.

Ein Leisetreter, so scheint es, versucht sich nun offenbar im Lautsprechen. Außenpolitisch ist er gleich auf Konfrontationskurs gegangen, innenpolitisch hat er sich dadurch der Opposition angedient, deren Premiers früher stets im Yasukuni-Schrein zu sehen waren. Ob er Japan damit einen Gefallen tut, ist jedoch fraglich.

Wirtschaftlich und außenpolitisch ist Japan mehr denn je auf gute Beziehungen zu Korea und China angewiesen. Vor allem der große Nachbar im Westen ist für Japan als Absatzmarkt von erheblicher Bedeutung. Nicht umsonst hatte Nodas Vorgänger Naoto Kan einen Unternehmer zum Botschafter in China gemacht.

Kommentare (1)

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zorn

29.08.2011, 11:46 Uhr

Leider eine vorschnelle Beurteilung basierend auf duennen Argumenten. Vielleicht sollte Herr Keuchel abwarten bis Noda gewaehlt ist und sich zu seinem Programm aeussert.

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