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27.06.2014

20:15 Uhr

Jean-Claude Juncker im Porträt

Vom „Junior“ zum Chef

Helmut Kohl nannte ihn einst „Junior“, heute ist er auf dem besten Weg, die Macht in der EU zu übernehmen: Jean-Claude Juncker. Europa ist für den Luxemburger eine Herzensangelegenheit.

Jean-Claude Juncker: Der erfahrene Strippenzieher aus Luxemburg. Reuters

Jean-Claude Juncker: Der erfahrene Strippenzieher aus Luxemburg.

BrüsselAn Erfahrung mangelt es ihm jedenfalls nicht: Schon als 28-Jähriger wurde Jean Claude Juncker (59) in Luxemburg Staatssekretär im Arbeitsministerium. Seither regierte er im Großherzogtum ununterbrochen mit. Von Januar 1995 bis Dezember 2013 war er Premierminister. Der Mann, der von Helmut Kohl einst „Junior“ genannt wurde, war schließlich dienstältester Regierungschef der Europäischen Union.

In der Debatte um die Frage, ob er der Richtige für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten sei, wurde ihm genau das vorgehalten. Der Brite David Cameron meinte, Juncker stehe für eine alte, verkrustete und überregulierte EU. Er könne keinen Neuanfang der EU verkörpern. Andere sahen das anders. Und nach kurzer Politpause spielt Juncker nun auf dem internationalen Parkett wieder in der ersten Liga.

Für Juncker ist Europa ein Herzensanliegen. Als Bürger eines kleinen Staates zwischen zwei großen Nachbarn, der schon zweimal von deutschen Soldaten besetzt war, wuchs er mit der Überzeugung auf, eine Wiederholung solcher Ereignisse sei nur durch die europäische Einigung zu vermeiden. Als luxemburgischer Finanzminister gehörte er zu den Autoren des Maastricht-Vertrages, mit dem die damalige Europäische Gemeinschaft zu einer politischen Union zusammenwuchs und sich Regeln für eine abgestimmte Haushaltspolitik gab.

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Nach vielem Hin und Her haben die 28 Staats- und Regierungschef dem Geschacher um den Kommissionsvorsitz ein Ende gemacht. Sie nominierten Luxemburgs Ex-Premier Jean-Claude Juncker – trotz des Widerstands der Briten.

Junckers politische Sozialisierung fand in der christlichen Arbeiterbewegung statt, in der sein Vater aktiv war. Dieser, von den Deutschen wie etwa 11.000 andere luxemburgische Männer zwangsrekrutiert, hatte seinem Sohn die Devise „Nie wieder Krieg“ mit auf den Weg gegeben. Und im Schatten der Bergwerke und Stahlkocher gelangte Juncker auch zu der Überzeugung, dass das Soziale eine christliche Aufgabe sei. Berührungsängste gegenüber Sozialdemokraten kennt er nicht, Angst vor „Schnittmengen mit den Sozialisten“ auch nicht.

In einem belgischen Internat, das allerdings fast auf der Grenze zu Luxemburg lag, machte er sein Abitur. Danach studierte er in Straßburg Jura und wurde auch als Rechtsanwalt zugelassen, übte aber den Beruf praktisch nie aus, weil er sofort politisch aktiv wurde.

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