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20.12.2012

11:17 Uhr

Jean-Claude Juncker

„Mister Euro“ wollte nie Politiker werden

Jean-Claude Juncker ist der dienstälteste Regierungschef in der EU. Schon als Kind interessierte er sich für Politik. Seine Karriere begann der Luxemburger vor 30 Jahren.

Verabschiedet sich bald als Chef der Eurogruppe: Jean-Claude Juncker. ap

Verabschiedet sich bald als Chef der Eurogruppe: Jean-Claude Juncker.

LuxemburgIn diesem Sommer, auf einem der Höhepunkte der Finanzkrise, konnten Europas Staats- und Regierungschef ihren „Mister Euro“ zu einer Verlängerung überreden. Jean-Claude Juncker wurde als Chef der Eurogruppe gebraucht, als Verhandlungsführer, als Vermittler, als Vertrauensperson. Ein halbes Jahr würde er noch dranhängen, hatte er damals gesagt, und womöglich hat nicht jeder geglaubt, dass er Wort halten würde.

Doch Ende Januar wird Juncker, dessen politische Karriere vor 30 Jahren als Staatssekretär begann, als Chef der Eurogruppe zurücktreten. Als sein Nachfolger wird Jeroen Dijsselbloem, der niederländische Finanzminister, gehandelt. Kein Geringerer als Juncker selbst sagte am Mittwoch noch in einem Radiointerview, er habe „Gründe, zu glauben”, dass Dijsselbloem die Euro-Finanzminister künftig führen werde.

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Bei den zur Routine gewordenen Treffen in Brüssel wird Juncker allerdings weiterhin präsent sein: als Luxemburgs Premierminister. Seit 18 Jahren steht der mittlerweile 58-Jährige an der Spitze der Regierung des Großherzogtum. Dabei hatte der 58-Jährige ursprünglich überhaupt keine politische Karriere geplant. „Ich wollte nie Berufspolitiker werden“, sagt er. „Aber ich kann vom Karriereverlauf her nicht abstreiten, dass ich das geworden bin.“ Sein 30-jähriges Regierungsjubiläum feiert er morgen: Am 21. Dezember 1982 wurde Juncker in Luxemburg unter Premierminister Pierre Werner als Staatssekretär für Arbeit und soziale Sicherheit vereidigt.

Für Politik interessierte sich Juncker schon als Kind. „Mein Vater hat mich angehalten, so ab sieben, acht Jahren Zeitung zu lesen. Und hat das auch abgefragt, auf eine legere Art und Weise“, erzählt er. Sein Vater war Hüttenwerkspolizist und Gewerkschafter. „Und wenn der seine Kollegen in der Küche zusammenrottete, habe ich aufmerksam zugehört.“ Der Filius selbst war später auch Mitglied der christlichen Gewerkschaft, bevor er 1974 in die Christlich Soziale Volkspartei eintrat.

Eigentlich wollte Juncker Rechtsanwalt werden. Nach dem Abitur studierte er in Straßburg Jura. Dass er nie als Anwalt gearbeitet hat, bedauert er im Nachhinein. „Weil ich eigentlich gerne ein bisschen Berufsweg gehabt hätte, bevor ich in die Politik überwechselte.“ Dann aber sei er in die Regierung berufen worden. Und später „immer wieder gewählt worden. Da konnte ich nicht von Bord gehen“. Seit Januar 1995 ist er Premierminister in Luxemburg. Und kein bisschen müde: „Bei den Parlamentswahlen 2014 werde ich wieder antreten“, sagt er.

Die Politik hat sich nach Junckers Worten in den vergangenen 30 Jahren „fundamental verändert“. Früher habe man als Politiker Dinge noch erklären können. Heute gebe es nicht nur eine Krise, sondern eine „Polykrise, eine mehrschichtige Krise, die von den USA ausgehend plötzlich die ganze entwickelte Ökonomie weltweit erreicht“. Da müsse man „vielschichtiger“ erklären. „Und zwar so lange, dass eigentlich niemand mehr zuhört.“ Politiker seien heute viel mehr zu Oberflächlichkeit gezwungen als früher, sagt er. „Ich verzweifele eigentlich daran, dass man sich nicht mehr erklären kann.“

Kommentare (17)

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Steuerschaetzer

20.12.2012, 11:36 Uhr

Für das, dass Juncker eigentlich nicht Politiker werden wollte, ist er doch ein richtiger "Vollblutpolitiker" geworden und quasi Leithammel unter den vielen Politikern in Europa und weltweit, wenn man seine Aussage berücksichtigt, dass Politiker auch das Volk eben mal belügen müssen. Auf solche Politiker kann das Volk aber gerne verzichten. Es wäre besser gewesen, wenn er "Rechtsverdreher geworden wäre.

svebes

20.12.2012, 11:42 Uhr

Zitat: "Ich verzweifele eigentlich daran, dass man sich nicht mehr erklären kann.“ Diese Lügerei und Trickserei lässt sich mittlerweile nicht mehr erklären. Erklären könnte ich mir, wenn der Bürger diesen ganzen Lügenbaronen die Basis drastisch entziehen würde. Von Schäuble, über Juncker, Draghi, etc. haben sie alles aufs übelste Recht zum persönlichen Vorteil und politischen Überleben gebrochen. Schaut mal gen Ägypten ihr Eurokraten, ich würde mich freuen wenn unsere Jugend sich ähnlich gegen Unrecht auflehnen würde.

Fakten

20.12.2012, 11:51 Uhr

Leider hat er sich mit vielen verlogenen Aussagen selbst disqualifiziert. Er war der Beweis dafür, dass man ohne die europäischen Bürger diktiert und bevormundet hat. Ich weine ihm keine Träne nach. Es war verlorene Arbeit für Europa.

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