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12.10.2011

10:33 Uhr

Jean-Claude Juncker

Zehn Schritte zur Rettung des Euro

VonOliver Stock

ExklusivEigentlich will sich der Chef der Eurogruppe nicht auf einen Schuldenschnitt für Griechenland festlegen. Aber dann verrät Juncker doch noch seinen 10-Punkte-Plan zur Stabilisierung der Eurozone. Ein Interview.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. AFP

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker.

Handelsblatt: Herr Juncker, wir haben den Eindruck, die Krise in Europa nimmt kein Ende, weil niemand einen Plan entwickelt, der bis zu Ende gedacht ist. Sie als Euro-Gruppen-Chef sind doch eine europäische Institution. Haben Sie einen – sagen wir – zehn Punkte-Plan zur Lösung der Krise?

Juncker: Der erste Punkt ist, den Bericht der Troika abzuwarten, jener Männer also, die Europäische Union, Zentralbank und Internationaler Währungsfonds entsandt haben, um die Lage in Griechenland vor Ort zu beurteilen.

Wie wird der Bericht ausfallen?

Ich sagte ja: Abwarten. Wenn der Bericht feststellt, die Griechen liegen völlig außer Plan und es ist nicht gesichert, dass sie ihre Schulden zurückzahlen, dann kann der nächste Kredit nicht fließen.

Dann wäre es also nichts mit einem Plan. Sind wir doch jetzt einfach Optimisten und sagen, die Troika wird vielleicht einiges feststellen, aber sie wird zähneknirschend sagen: Gut, es geht nochmal. Dann fließen die acht Milliarden. Was passiert dann?

Es stehen uns spannende Tage bevor.  Wir müssen uns angesichts der Einlassungen der EZB, des IWF und der EU-Kommission über die Tragfähigkeit der griechischen Schulden sehr intensiv unterhalten. Wenn Elemente in diesem Troika-Bericht auftauchen, die die Tragfähigkeit der griechischen Schuldenlast auf Dauer in Frage stellen, muss man sich mit der Frage beschäftigen, wie man die griechischen Schuldenstände über eine Beteiligung des Privatsektors hinaus besser gewährleisten kann. . .

. . . also ein Schuldenschnitt!

. . . das kann man nicht mit Schlachtrufen tun, nicht mit schnellen Parolen, die publikumswirksam klingen. Sondern das muss man dann aufgrund eingehender Überlegung tun, wie sich Nachfolgeschäden begrenzen lassen.

Das ist jetzt  aber schon ein wenig sibyllinisch - wir wollten doch einen klaren Plan!

Sie wollten.

Wir versuchen es noch einmal. Die Troika stößt also auf Schwierigkeiten, glauben sie. Dann muss es nicht zu einem harten Schnitt, sondern einer sanften Umschuldung kommen. Verstehen wir sie richtig?

Sie können da so viel drehen und wenden, wie Sie möchten, bevor Sie mich auch nur zu einer sanften Aussage bewegen, bräuchten wir länger als die uns zur Verfügung gestellte Zeit. Ihre eigene Zeitung schreibt ja, dass ich zu geschwätzig bin. Insofern sollten Sie den Versuch sofort einstellen. 

Aber krankt nicht die Situation im Moment genau daran, dass wir viel zu viele dieser Aussagen haben, mit denen wir nichts anfangen können?

Das ist, weil Sie viel zu viel fragen.  Wenn jemand wie ich mit Ihnen ein Gespräch führt und erkennbar bestimmte Fragen nicht beantworten möchte, weil, beantwortet er sie, dies erhebliche Folgen an den Finanzmärkten hätte, dann machen Sie trotzdem weiter mit Ihren Fragen. Und sie bringen mich in eine Zwickmühle. Beantworte ich die Frage aus gutem Grund nicht, sagen Sie, ich sage den Menschen nicht die Wahrheit. Was ist Wahrheit?

Kommentare (27)

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karstenberwanger

12.10.2011, 10:43 Uhr

Jaja der Herr Juncker, wer kennt ihn nicht http://newsbote.com/politik/die-neuen-lugen-des-jean-calude-juncker/

Account gelöscht!

12.10.2011, 10:47 Uhr

Juncker sagt nichts. Er ist völlig ahnungslos. Allerdings ist es nicht seine Schuld. Die Wahrheit ist einfach, dass dieses größenwahnsinnige und überhebliche "politische Projekt" nicht zu retten ist. Es wird vielmehr mit dem Staatsbankrott Deutschlands beendet - schneller, als die eurotischen Euromantiker denken.
Juncker ist nur an seiner Macht interessiert; er reagiert wie ein totalitärer Technokrat in bester Manier der früheren Politbüromitglieder im Osten...

sailing

12.10.2011, 10:56 Uhr

endlich einmal ein Politiker der über den Tellerrand rausschaut.

Der Euro ist nur zu Retten wenn es eine Instanz gibt die HH-disziplin durchsetzen kann UND die Banken reguliert werden. (Da dies politisch nicht durchsetzbar ist bleibt der Euro ein "Versuch" ein gemeinsames Europa zu realisieren)

Griechenland ist nichtzu retten, da dort eine schier unglaubliche Korruption herrscht, die Wirtschaftsleistung/Wettbewerbsfähigkeit zu gering ist.

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