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04.05.2015

22:34 Uhr

Jean-Marie Le Pen

Front National watscht ihren Parteigründer ab

Die rechtsextreme französische Partei Front National hat ein Problem: Parteigründer Le Pen hört mit den antisemitischen Äußerungen nicht auf. Deshalb darf er sich nicht mehr Ehrenvorsitzender nennen - vorerst jedenfalls.

Fortgeschickt: Front National-Gründer Jean-Marie Le Pen bei seiner Abreise aus dem Büro der Partei in Nanterre. dpa

Jean-Marie Le Pen

Fortgeschickt: Front National-Gründer Jean-Marie Le Pen bei seiner Abreise aus dem Büro der Partei in Nanterre.

ParisDie rechtsextreme französische Partei Front National hat nach wiederholten antisemitischen Äußerungen den Ehrenvorsitz ihres Parteigründers Jean-Marie Le Pen ausgesetzt. Die Parteispitze stellte sich damit am Montag hinter Parteichefin Marine Le Pen, Tochter des 86-Jährigen.

Der Beschluss gelte bis zu einem außerordentlichen Parteitag, der über ein Ende des Ehrenvorsitzes abstimmen solle, teilte die Partei in Nanterre bei Paris mit. Die Versammlung ist innerhalb von drei Monaten geplant.

Jean-Marie Le Pen hatte die Gaskammern der Nazis erneut als „Detail der Geschichte“ des Zweiten Weltkriegs verharmlost. Wegen dieser Aussage war er bereits verurteilt worden. Auch jetzt hat die Staatsanwaltschaft wieder Vorermittlungen wegen Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgenommen.

Das Exekutivbüro als höchstes Parteiorgan der Front National beriet am Montag schließlich über disziplinarische Maßnahmen gegen den Parteigründer; der langjährige Europaabgeordnete war vorgeladen worden. Der 86-Jährige erschien zwar am Vormittag in der FN-Parteizentrale in Nanterre westlich von Paris. Er verließ das Gebäude aber vor Beginn der Sitzung wieder.

"Ich weigere mich, zum Exekutivbüro zu gehen", sagte Le Pen und verglich das Gremium mit einem "Gericht", das seine "Würde" verletze. Er sei "absolut unschuldig". "Ich spreche frei, was einige Leute schockiert." Le Pen kündigte an, sich auch weiterhin „in seinem Namen“ äußern zu wollen. Mit seinen verbalen Entgleisungen ging er zuletzt selbst in seiner eigenen rechtsextremen Partei vielen zu weit.

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Zwischen ihm und seiner Tochter und Parteichefin Marine Le Pen war es deshalb bereits Anfang April zum Bruch gekommen. Zuletzt hatte Marine le Pen ihren Vater wegen dessen extremer Ansichten auch bei einer Kandidatur ausgebremst.

Le Pen verurteilte die Entscheidung vom Montag als "Treuebruch" seitens seiner Tochter. Er sei überzeugt, dass die Parteimitglieder über die Vorgehensweise des Exekutivkomitees "empört" sein werden und kündigte an, einen möglichen Einspruch gegen die Entscheidung prüfen zu wollen.

Le Pens Ausfälle sind schon lange eine politische Belastung für seine Tochter. Sie versucht seit Jahren, der FN ein bürgerliches Image verschaffen. Im Visier hat sie dabei die Präsidentschaftswahl 2017. Bei Wahlen hatte die Front National zuletzt Stimmengewinne verbucht.

Auch Marine Le Pen vertritt eine radikale Linie gegen Ausländer, gegen Islam und gegen Europa. Am Sonntag hatte sie gefordert, Bootsflüchtlinge nicht in Europa an Land gehen zu lassen, sondern direkt übers Mittelmeer zurückzuschicken.

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