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01.07.2015

01:01 Uhr

Jemen

1200 Häftlinge entkommen im Kampfchaos

Haben Al-Kaida-Kämpfer das Gefängnis gestürmt? Oder haben Huthis die Häftlinge freigelassen? Der Hergang bleibt im Chaos der Kämpfe im Jemen unklar - es gilt aber als wahrscheinlich, dass unter ihnen Terroristen sind.

Ein Kämpfer des so genannten Volkswiderstands in der jemenitischen Stadt Tais. Dort sollen am Dienstag 1200 Häftlinge entkommen sein. Reuters

Kämpfer in Tais

Ein Kämpfer des so genannten Volkswiderstands in der jemenitischen Stadt Tais. Dort sollen am Dienstag 1200 Häftlinge entkommen sein.

Tais/SanaaIm Jemen sind bei heftigen Kämpfen in der Stadt Tais 1200 Häftlinge aus dem Zentralgefängnis befreit worden - unter ihnen möglicherweise Unterstützer des Terrornetzwerks Al-Kaida. Dies berichteten am Dienstag lokale Medien und Sicherheitskreise.

Die Konfliktparteien im Jemen gaben sich gegenseitig die Schuld: Wie die von den schiitischen Huthi-Rebellen kontrollierte Nachrichtenagentur Saba berichtete, stürmten Al-Kaida-Kämpfer und mit ihr verbündete Milizen am Samstag die Haftanstalt. Aus anderen Sicherheitskreisen verlautete hingegen, Huthis und deren Verbündete hätten die Gefangenen befreit.

Ein Vertreter des sogenannten Volkswiderstands, der gegen die Huthi-Rebellen kämpft, sagte, sie hätten die Häftlinge in dem von ihnen kontrollierten Zentralgefängnis der Stadt freigelassen, weil die Huthi-Rebellen die Kontrolle über das Gebiet in der südwestlichen Stadt zu verlieren drohten. "Unsere Kämpfer haben sich sofort auf die Suche nach den entflohenen Häftlinge gemacht, zu denen Kriminelle und zum Tode Verurteilte zählen", sagte ein anderes Mitglied des Volkswiderstands.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Meldungen aus dem Jemen sind wegen fehlender staatlicher Strukturen oder unabhängiger Medien nur schwer zu überprüfen. In dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel kämpfen die Huthi-Rebellen gegen Anhänger des nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Ein saudisch geführtes Militärbündnis bombardiert seit Ende März die Huthis und ihre Verbündeten.

Das Machtvakuum nutzt auch dem im Jemen sehr aktiven Terrornetzwerk Al-Kaida. Das Terrornetzwerk hatte Anfang April das Zentralgefängnis im südöstlichen Mukalla überfallen und mehr als 300 Häftlinge, darunter einen ihrer Anführer, befreit.

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