Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.11.2016

12:34 Uhr

Jemen

48-stündige Waffenruhe hat begonnen

Seit Samstag gilt im Jemen eine zweitägige Waffenruhe. Die Huthi-Rebellen sollen zugesagt haben, humanitäre Hilfe passieren zu lassen. Es wäre eine kurze Atempause im Bürgerkrieg.

In dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land hat eine zweitägige Waffenruhe begonnen. dpa

Jemen

In dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land hat eine zweitägige Waffenruhe begonnen.

Kairo/DubaiIm Jemen hat die von Saudi-Arabien angeführte Koalition einem Medienbericht zufolge am Samstag eine 48-stündige Waffenruhe in ihrem Kampf gegen die Huthi-Rebellen begonnen. Die Feuerpause könne verlängert werden, wenn sich auch die Aufständischen daran hielten, meldete die amtliche Saudische Presse Agentur (SPA). Zudem müssten sie Hilfslieferungen in die belagerten Gebiete lassen.

Ein Huthi-Vertreter erklärte, die Rebellen würden die Kämpfe einstellen. Die Feuerpause sei aber zu kurzfristig ausgerufen worden, um zeitnah Hilfskonvois auf den Weg zu bringen. Der Krieg im Jemen hat den Vereinten Nationen zufolge seit März 2015 über 10.000 Menschen das Leben gekostet und mehr als drei Millionen in die Flucht getrieben.

Die Waffenruhe ließ Hoffnungen aufkeimen, dass der seit langem festgefahrene Konflikt beendet werden kann. Er brach voll aus, als Huthi-Rebellen vor zwei Jahren Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi entmachteten. Im März 2015 griff eine Koalition unter Führung von Saudi-Arabien ein und kämpft seitdem an der Seite von Hadi-Anhängern gegen die Aufständischen, die ihrerseits hinter dem ehemaligen Präsidenten Abdullah Saleh stehen und selbst vom Iran unterstützt werden.

Der schiitische Iran rivalisiert mit dem sunnitischen Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Golf-Region, so dass der Konflikt in Jemen eine größere politische Dimension hat. In dem Land hat sich der Frontverlauf in den vergangenen Monaten kaum verändert.

Die Huthis kontrollieren weitgehend den Norden und die Hauptstadt Sanaa, während die Hadi-Anhänger den Rest des Landes in der Hand haben. Keine Seite gewann bisher klar die Oberhand. Radikale Islamisten, darunter der IS, haben im Jemen Fuß gefasst und verüben immer wieder schwere Anschläge. Der Krieg hat das arabische Land noch tiefer in die Armut getrieben, die Menschen leben unter schwersten Bedingungen.

Krisenherde in der arabischen Welt

SYRIEN

Seit 2011 wird das Land von einem Bürgerkrieg und dem Terror des Islamischen Staates (IS) erschüttert, mehr als 400.000 Menschen kamen bereits ums Leben. Millionen wurden vertrieben.

IRAK

Der zeitweilige Vormarsch des IS hat viele Menschenleben gekostet. 2015 starben in dem zerrütteten Land mehr als 7.500 Zivilpersonen eines gewaltsamen Todes. Dieses Jahr waren es bis September mehr als 4.000.

GAZA

Seit 2008 gab es drei Gaza-Kriege. Allein während des jüngsten Konflikts im Sommer 2014 wurden mehr als 2.200 Menschen getötet.

TÜRKISCHES KURDISTAN

Im Kurdenkonflikt starben seit 1984 mehr als 40.000 Menschen. Er strahlt in Nachbarländer ab. Seit 2015 eine Waffenruhe endete, herrschen in Teilen der Südosttürkei bürgerkriegsähnliche Zustände.

JEMEN

Im Bürgerkrieg zwischen der von Saudi-Arabien unterstützten sunnitischen Regierung und den schiitischen Huthi-Rebellen sind seit März 2015 mehr als 4.000 Zivilisten getötet worden.

SINAI

Das ägyptische Militär kämpft auf der Halbinsel gegen das Terrornetzwerk Islamischer Staat. Hunderte Menschen starben seit 2011 bei Anschlägen radikaler Islamisten auf der Halbinsel und in Kairo.

LIBYEN

Libyen ist nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 in Chaos und Bürgerkrieg versunken. Das Land gilt als Sammelbecken für IS-Kader aus dem Kerngebiet in Syrien und dem Irak.

Die Exil-Regierung von Präsident Hadi fordert von den Rebellen, den Zugang zu der von ihnen belagerten Stadt Tais für Hilfslieferungen freizumachen. Die Aufständischen zeigten sich hier zurückhaltend, erklärten aber ihre Bereitschaft zur Waffenruhe. „Das jemenitische Volk macht von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch“, sagte ein hochrangiger Huthi-Vertreter zu Reuters. „Wenn Saudi-Arabien die Kämpfe einstellt, wird der Krieg aufhören.“

Die saudiarabische Nachrichtenagentur berichtete, die Kontrolle von Flughäfen und Häfen werde aufrechterhalten, um Waffenlieferungen zu unterbinden. Die nahezu vollständige Blockade hat in dem Land, das mehr als 90 Prozent seiner Grundnahrungsmittel importiert, zu Versorgungsengpässen geführt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×