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24.09.2011

15:58 Uhr

Jemen

Dutzende Tote bei Kämpfen in Sanaa

Die Rückkehr des Staatschefs Ali Abdallah Saleh in den Jemen erschüttert die Hauptstadt. Beim Angriff auf ein Zeltlager kamen nach Angaben eines Sanitäters mindestens 29 Menschen ums Leben.

Die eingewickelten Leichen von getöteten Demonstranten. dpa

Die eingewickelten Leichen von getöteten Demonstranten.

SanaaMit Gewalt sind Regierungstruppen einen Tag nach der Rückkehr von Präsident Ali Abdullah Saleh im Jemen gegen die Opposition vorgegangen. Beim Angriff auf ein Zeltlager der Regierungsgegner auf einem Platz in der Hauptstadt Sanaa kamen nach Angaben eines Sanitäters mindestens 29 Menschen ums Leben. Beim Beschuss des Hauptquartiers einer zu den Regimegegnern übergelaufenen Panzerdivision wurden laut einem Offizier elf Soldaten getötet.

Die Republikanische Garde griff die Straßen rund um den Platz mit Luftabwehrkanonen, automatischen Waffen sowie Raketen an, Heckenschützen auf Häuserdächern nahmen die Demonstranten unter Beschuss. Augenzeugen berichteten, in den frühen Morgenstunden hätten Soldaten der Republikanischen Garde unter Führung des Sohnes von Präsident Ali Abdullah Saleh, Ahmed, auf die Demonstranten auf dem Platz im Zentrum von Sanaa geschossen. Tausende Regimegegner hätten in den umliegenden Gebäuden Schutz gesucht.

Die Garde lieferte sich ein Feuergefecht mit einer Einheit des Heeres, die vor Monaten übergelaufen war und die Demonstranten auf dem Platz bewacht. Der Sanitäter Mohammed al Kabati erklärte, 29 Menschen seien seit den frühen Morgenstunden getötet worden. Darunter Zivilisten, aber auch übergelaufene Soldaten. 54 Menschen seien verletzt worden.

Immer mehr Leichen und Verletzte würden in die Klinik eingeliefert, sagte al Kabati. Wegen der heftigen Kämpfe hätten die Krankenwagen viele Opfer in den Straßen liegen lassen müssen. „Viele der Verletzten kommen auf Motorrädern her.“

Zwtl.: Straßenkämpfe in der Hauptstadt

Ein übergelaufener Offizier, Abdel Ghani al Schimiri, erklärte, das Hauptquartier der 1. Panzerdivision in Sanaa, die die Regierungsgegner unterstützt, sei mit Granaten beschossen worden. Mindestens elf Soldaten seien ums Leben gekommen, weitere 112 hätten Verletzungen erlitten. Er sprach von Straßenkämpfen zwischen den rivalisierenden Gruppen in den Streitkräften.

In dem Stadtviertel Hassaba kam es ebenfalls zu Kämpfen zwischen Regierungsgegnern und Anhängern Salehs. Dabei seien in den vergangenen zwei Tagen 18 Stammeskämpfer ums Leben gekommen, teilten die Staamesältesten mit. Hassaba ist die Heimstatt einer der mächtigsten jemenitischen Stämme. Sein Anführer, Scheich Sadek al Ahmar ist ein Gegner Salehs.

Jemens Innenminister Muthar al Masri sagte am Samstag, es seien acht Regierungssoldaten ums Leben gekommen und Dutzende verletzt worden. Allerdings führte er nicht aus, wann oder wo die Soldaten getötet oder verwundet wurden. Unklar blieb auch, ob er sich seine Angaben auf die Kämpfe in Sanaa oder in anderen Teilen des Landes bezogen.

Erst am Freitag war Präsident Saleh nach mehr als dreimonatiger medizinischer Behandlung in Saudi-Arabien in seine Heimat zurückgekehrt. Ungeachtet der Proteste lehnt er einen Rücktritt ab.

Von

dapd

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