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02.01.2006

15:14 Uhr

Jemen

Entführer drohen italienische Geiseln zu töten

Nach der zweiten Entführung westlicher Touristen binnen fünf Tagen zeichnete sich damit eine härtere Gangart der Regierung ab. Der jemenitische Ministerpräsident Abdul Kader Badschammal lehnte Verhandlungen mit den Geiselnehmern von fünf Italienern ab. Daraufhin drohten die Kidnapper, die zwei Männer und drei Frauen zu töten.

Ein raues Land, in dem die Waffe zum Alltag gehört: Jemenit in der Stadt Marib, 170 Kilometer nordöstlich von Sanaa. Foto: dpa dpa

Ein raues Land, in dem die Waffe zum Alltag gehört: Jemenit in der Stadt Marib, 170 Kilometer nordöstlich von Sanaa. Foto: dpa

HB SANAA. „Die Entführer haben den Behörden gesagt, sie würden die Geiseln töten, falls es eine Militäraktion gegen sie gibt“, sagte ein Kommunalbeamter der Stadt Marib der Nachrichtenagentur dpa. Die fünf Italiener waren am Sonntag in Marib, 195 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa, von Mitglieder des Al-Saidi-Stammes verschleppt worden, die acht wegen Blutrache inhaftierte Angehörige freipressen wollen.

Die drei Frauen unter den Geiseln wurden am Sonntagabend freigelassen, nachdem ein Regierungsunterhändler die Ältesten des Al-Sajdi-Stammes davon überzeugt hatte, dass die Entführung von Frauen gegen Stammeswerte verstoße. Die Frauen lehnten es jedoch ab zu gehen und forderten, dass zugleich auch ihre beiden männlichen Begleiter auf freien Fuß gesetzt würden, wie am Montag aus Stammes- und Regierungskreisen verlautete.

Nach Angaben des italienischen Außenministeriums waren die Geiseln in einer Gruppe von 16 Touristen unterwegs. Regierungstruppen hatten die beiden wichtigsten Zugänge zu der betroffenen Region am Sonntag abgeriegelt. Sie liegt etwa 120 Kilometer nordöstlich der jemenitischen Hauptstadt Sanaa.

Erst am Samstag waren der deutsche Ex-Staatssekretär Jürgen Chrobog und seine Familie nach dreitägiger Entführung im Jemen wieder freigekommen. Danach hatte Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh noch angekündigt, er werde die Entführungen stoppen, weil sie dem Ruf und der Wirtschaft des Landes schadeten. Die Entführer der Chrobogs hatten ebenfalls die Freilassung von Mitgliedern ihres Stammes verlangt, die wegen der Tötung zweier Angehöriger eines verfeindeten Stammes vor Gericht stehen.

Chrobog kündigte nach seiner Rückkehr nach Deutschland an, einen Teil der Kosten für seine Rettung selbst zu bezahlen. Durch den Rücktransport Chrobogs und seiner Familie mit einer Maschine der Bundeswehr seien keine zusätzlichen Kosten für den Steuerzahler entstanden. Das Flugzeug der Bundesluftwaffe habe sich bereits „im Zusammenhang mit Maßnahmen zur Befreiung Chrobogs“ in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa befunden und habe ohnehin nach Deutschland zurückkehren sollen, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger.

Als „absolut grotesk“ wies Chrobog Vorwürfe zurück, er habe mit seiner Jemen-Reise leichtfertig gehandelt. „Ich fühlte mich absolut sicher hier, unter dem Schutz der Regierung, die die Reise organisiert hat“, betonte Chrobog nach seiner Freilassung aus der Gewalt von Entführern im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ vom Montag. Bei der Planung durch seine Gastgeber sei ein Stammeskonflikt unterschätzt worden.

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